Patenprogramm hilft Hauptschülern

Atmosphäre der Begegnung

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Gesucht und gefunden (von links): Danielle Gontsok und Patin Jessica Schröder sowie Mentor Dr. Wolfgang Christian mit Schüler Hasan Butt beim Jubiläum des Bildungsprojekts PMO.

Offenbach - Als Danielle Gontsok 2005 mit ihrer Familie aus Kamerun kommt, spricht sie kaum Deutsch. Die erste Zeit im fremden Land ist schwierig, der Unterricht an der Bachschule anstrengend. Eines Tages besucht Jörg Meyer von der städtischen Jugendberufshilfe die Klasse. Von Eva-Maria Lill 

Und Danielle schöpft wieder Hoffnung. Sie beschließt, Teil des Patenschaftsmodells Offenbach (PMO) zu werden. Auf einem Kennenlerntreff sucht sie sich Jessica Schröder als Mentorin aus. Die Angestellte der Deutschen Bank betreut die Schülerin zwei Jahre lang, hilft ihr beim Lernen und unterstützt sie bei der Berufswahl. Danielle schafft nicht nur die Mittlere Reife, sondern auch eine Ausbildung zur Sport- und Fitnesskauffrau. „Ich wollte meine Talente nutzen, und Jessica hat mich sehr gefördert“, freut sich die heute 21-Jährige. Sie ist eine von jährlich zirka 50 Schülern, denen das Patenschaftsmodell Offenbach unter die Arme greift.

Die Kooperation von Evangelischer Kirche und Jugendamt gibt es seit zehn Jahren. 2004 an der Mathildenschule gegründet, bietet das Projekt eine gezielte Eins-zu-eins-Förderung für Hauptschüler. Ziel ist es, längerfristig Perspektiven zu verbessern: Denn nur zehn Prozent der Offenbacher Absolventen bekommen einen Ausbildungsplatz.

Deutsche Bank unterstützt Patenschaftsmodell

Schuld daran ist vor allem die unübersichtliche Arbeitsmarktsituation. „Besonders Schüler mit Migrationshintergrund haben Schwierigkeiten, sich im Dschungel der Möglichkeiten zu orientieren“, verdeutlicht Patin Jessica Schröder.

Neben der Mathildenschule partizipieren die Bachschule, die Geschwister-Scholl-Schule und die Ernst-Reuter-Schule. Jedes Jahr machen die Organisatoren Jörg Meyer und Anja Harzke den Schülern das Projekt schmackhaft. Bei Kennenlerntreffs haben die Jugendlichen dann die Qual der Wahl. „Ich habe sofort gesehen, dass ich Jessica alles erzählen kann“, begründet Danielle ihre Entscheidung und lacht.

Die etwa 50 Paten arbeiten ehrenamtlich. Zirka die Hälfte sind Rentner, die anderen stammen aus der Wirtschaft. Die Deutsche Bank unterstützt das Patenschaftsmodell seit 2006 und stellt jedes Jahr 15 freiwillige Helfer. Auch Handwerks- sowie Industrie- und Handelskammer beteiligen sich. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Mehr als 70 Prozent der betreuten Schüler bekommen einen Ausbildungsplatz oder landen anschließend auf einer weiterführenden Schule.

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„Das Projekt eröffnet den Jugendlichen nicht nur neue Wege und ein gestärktes Selbstbewusstsein“, erklärt die Leiterin der Geschwister-Scholl-Schule, Fanny Mülot. „Sondern es schafft auch gemeinsame Lebenserfarungen und eine begeisternde Atmosphäre der Begegnung.“

Danielle jedenfalls würde sich jederzeit wieder für eine Teilnahme entscheiden und ist sicher: „In ein paar Jahren will ich selbst Patin werden. Dann kann ich mich revanchieren und meine eigene Erfahrung weitergeben.“

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