Patentiertes System für Müllfahrzeuge

Filter und Detektor sind tabu

+

Offenbach - Die elektronische Post ist sekundenschnell verteilt. Weiterer Vorteil, gerade beim Thema Müllvermeidung und -trennung: Sie lässt sich rückstandslos beseitigen. Ist doch prima!  Von Martin Kuhn

Denn kaum ist die Druckerschwärze des Berichts zur Einführung der Biotonne (zum 1. April 2014) getrocknet, landen Vorschläge zur Optimierung auf dem Schreibtisch. Das passiert in der Redaktion und parallel beim Stadtdienstleister ESO. Die Nachfrage ergibt: Es ist in der Daimlerstraße jeweils bekannt – und wird meist abschlägig beschieden.

Lesen Sie hierzu auch:

Besser trennen mit Müll-App

Im Juli bietet eine Firma einen speziellen Filterdeckel für Standard-Biotonnen. Der ESO lehnt dankend ab, setzt statt auf Mikroorganismen und aktive Enzyme auf eine kostengünstigere Variante, die bundesweit etabliert sei. Der Biomüll wird in Zeitungspapier eingeschlagen. Im November will eine Firma helfen, „Störstoffe“ in der Biotonne zu vermeiden.

Elektronisches System sei extrem kompliziert

Das Unternehmen offeriert ein patentiertes Detektions-System für die Müllfahrzeuge, das die Kommune pro Jahr etwa 5000 Euro kostet. So funktioniert’s: Folien und Verpackungen haben im Biomüll nichts zu suchen, tun sie es trotzdem, meldet das der elektronische Müllsheriff. Dann muss der Bürger selbst nachsortieren. Die Firma wirbt: „Gleichzeitig erzieht und motiviert es so nachhaltig, wie eine fest eingerichtete Radarkontrolle.“

Markus Patsch hat da seine Zweifel. Der technische ESO-Geschäftsführer betont, dass der kommunale Eigenbetrieb ohne ein solches elektronisches System plant, das nach seinen Worten extrem kompliziert ist. Auch der beigefügte Vorschlag, die Bürger mit einem Kartensystem ähnlich dem im Fußball öffentlich zu maßregeln, missfällt Markus Patsch: „Das ist doch nicht nett für den Betroffenen...“

Bio-Hotline ab Mitte November

Gleichwohl räumt er ein: „Wir wissen, dass die Einführung der Biotonne für die Offenbacher eine Neuerung darstellt, die teilweise mit Herausforderungen verbunden ist.“ Aber statt mit gelber (Verwarnung) und roter Karte (keine Abfuhr) setzt man in Offenbach auf Aufklärung und Einsicht. Neben Informationen im Internet richtet der ESO ab 18. November eine Bio-Hotline ein. „Wir haben ein fünfköpfiges Team aufgebaut, das sich speziell um Fragen rund um die Biotonne kümmern wird. Neben der Beratung bei der Tonnenauswahl geben die Mitarbeiter schon im Voraus wertvolle Tipps im Umgang mit Bioabfall“, erklärt Patsch.

Informationen über Auswirkungen, nächste Schritte und Tonnenänderungsformular versendet der Dienstleister ab Montag an nahezu 14.000 Hauseigentümer. Bereits in der Anfangsphase ist es allen wichtig, eng mit der Bevölkerung zusammenzuarbeiten. „Daher haben wir auf Basis der jeweiligen Restabfallbehälter individuelle Vorschläge zum künftigen Tonnenbestand erarbeitet. Über ein beigefügtes Formular können darüber hinaus eigene Vorschläge gemacht werden“, sagt Patsch und wiederholt die zentrale Botschaft: Wer künftig viel Bioabfall sammelt, kann kleinere Restabfallbehälter nutzen und dadurch Geld sparen.

Hier liegt der Müll am Straßenrand

Rhein-Main: Hier liegt der Müll am Straßenrand

Eine Art Schmusekurs ist allerdings nicht angesagt. Nach einer gewissen Zeit ist auch der lokale Biomüll sinnvoll, ökologisch und komplett zu verwerten. Der ESO will mit „Sichtkontrollen“ ungewollte Beimischungen vermeiden – etwa Plastiktüten. Generell gilt dann: Falsch befüllte Biotonnen werden vom Dienstleister nicht entleert. Es folgt eine Einzelabfuhr als Restmüll – und die ist extrem teuer. Ähnlich dürfte es mit einem privaten Aufrüsten gegen möglichen Geruchsbelästigungen sein. Sprecher Oliver Gaksch betont: „Auch die Biotonne ist und bleibt Eigentum des ESO.“ ‹ www.kuerzer.de/X0VAjM3GK

Kommentare