Ein Patient zu allen, alle zu einem Patienten

Zu seiner offiziellen Eröffnung am Mittwochabend stellte sich das am Klinikum Offenbach angesiedelte Lungentumorzentrum, der neue Baustein des Zentrums für Integrierte Onkologie, den Ärzten aus der Region im Rathaus vor.

Offenbach - (mcr) Mathematisch unmöglich, medizinisch keineswegs: Das gerade am Offenbacher Klinikum offiziell eröffnete Lungentumorzentrum will mehr als die Summe seiner Elemente sein.

Letztere - Fachleute aus der Klinik selbst, dem Universitätsklinikum Gießen und Marburg, der Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim, der niedergelassenen Ärzteschaft, der Hessischen Krebsgesellschaft und weiterer Institutionen - hatten am Mittwochabend keine Mühe, den Mehrwert ihres Experten-Netzwerks gegenüber dem lange Zeit üblichen Einzelkämpfertum nachzuzählen.

Von der Kooperation können alle profitieren, allen voran die Patienten. So vielfältig wie Lungentumore müssen auch die Behandlungsmöglichkeiten sein. Und so anstrengend war bisher gerade für Menschen, denen schon die Krankheit und die Gegenmaßnahmen die Kraft rauben, die Odyssee von Klinik zu Klinik, von Untersuchung zu Untersuchung. Im Lungentumorzentrum sollen nun - obgleich auch hier nicht unter einem Dach vereint - alle Fachkompetenzen vereint werden. Das ist nicht alleine ein logistischer Schritt nach vorne, sondern vor allem ein qualitativer. Unter den Medizinern nennt sich das neue Konzept „patientenzentriert“, was bedeuten soll, dass der Patient am Klinikum Offenbach nicht von einem Experten untersucht und dann zum nächsten weitergereicht, sondern sofort von Spezialisten der verschiedensten Fachrichtungen begutachtet wird. Am Bett des Kranken treffen sich ambulant und klinisch tätige Pneumologen und Onkologen, Radiologen, Strahlenkliniker, Universitätsvertreter, Mitarbeiter aus der Patientenpflege und Ärzte aus der Palliativmedizin. Sie alle reisen zur wöchentlichen Tumorkonferenz an, arbeiten für den Patienten den besten Weg von der Behandlung bis zur Nachsorge aus, was die Therapie präziser macht. Das Behandlungsspektrum reicht vom Lungenkrebs über Lungenmetastasen anderer Tumore und bösartige Ergüsse im Rippenfellraum bis zu Tumoren der Luftröhre, der Brustwand oder des Rippenfells.

Noch ein Vorteil: Jeder Schritt wird zentral bis ins Detail koordiniert und dokumentiert, alle Informationen sind allen Beteiligten jederzeit zugänglich. Das war bisher schwierig, heißt: gar nicht zu bewerkstelligen.

Vorteile dürfen auch die Mediziner erhoffen - und ihre Arbeitgeber. Wollte jede Klinik eigene Spezialisten beschäftigen und ihnen das komplette Repertoire an teurem medizinischem Gerät bieten, wäre ein Betrieb kaum wirtschaftlich möglich. Die regionale Zusammenarbeit dient also auch dazu, Kosten zu sparen und unnötigen Wettbewerbsdruck zu vermeiden.

Kommentare