Patient in der Warteschleife

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Verzögerung: Weil es zunächst beim Baufortschritt gehakt hat und nun die Zeit für die Einrichtung und die sicherheitstechnische Abnahme der medizinischen Geräte knapp wäre, wird der Umzug in den Neubau des Klinikums verschoben.

Offenbach - So ziemlich am Ende der kurzfristig anberaumten Pressekonferenz offenbart Krankenhaus-Chef Hans Ulrich-Schmidt seine Gemütslage: Für „vertretbar, aber ärgerlich“ hält der Geschäftsführer des Klinikums Offenbach den Umstand, dass sich der Umzug auf Mitte April 2010 verzögert. Von Matthias Dahmer

„Vertretbar“ ist der ursprünglich für 19. Dezember dieses Jahres angepeilte und nun verschobene Wechsel ins neue Haus für Schmidt deshalb, weil die Sicherheit der Patienten an erster Stelle stehe. Die konnte angesichts der zeitintensiven Abnahmeprozedur für die Medizintechnik nach derzeitigem Stand nicht gewährleistet werden. Alleine die Justierung der Großgeräte in der Strahlenklinik dauert drei Monate; für die Einregelung der Lüftungsanlage, ein weiteres Beispiel, benötigt man mindestens sechs Wochen Zeit. „Das Krankenhaus muss mit jeder Steckdose betriebsbereit sein“, formuliert Schmidt den Anspruch.

„Vertretbar“ sind für den Krankenhaus-Boss und den Aufsichtsratsvorsitzenden der Klinikum Offenbach GmbH, Stadtkämmerer Michael Beseler, auch die Kosten. Um die 300 000 Euro zusätzlich müssen für die Verzögerung eingeplant werden; im Wesentlichen sind sie der längeren Betriebsdauer des alten Hauses geschuldet. Ein theoretisch möglicher und vom Lenkungsausschuss „Neubau“ ebenfalls diskutierter Teilumzug zu einem früheren Zeitpunkt hätte dagegen Zusatzkosten zwischen 800 000 und 1,5 Millionen Euro verursacht.

Der 150 Millionen Euro teure Neubau verzögert sich um vier Monate.

Für den Komplettumzug am 13. und 14. April spricht nach Ansicht der Klinikleitung, dass um die Osterzeit die planbare Zahl der Patienten geringer ist als im ersten Quartal eines Jahres. Unter die Rubrik „ärgerlich“ fällt indes, was Architekt Stefan Traxler berichtet: So waren zwar die langen Abnahmezeiten letztlich voraussehbar, nicht jedoch die Verzögerungen beim Baufortschritt, die den „Spitz auf Knopf“ gerechneten Zeitplan durcheinander gebracht haben.

Mit allen wesentlichen Firmen gibt‘s Auseinandersetzungen

Zwei Wochen ruhten beispielsweise Metallbauarbeiten an der Südseite des Gebäudes. Aus dem Takt gerieten die Planer zudem, als das mit dem Auftragen des Estrichs beauftragte Unternehmen nicht genügend Mitarbeiter auf die Offenbacher Großbaustelle schickte. „Mit allen wesentlichen Firmen haben wir Auseinandersetzungen“, sagt Architekt Traxler. Und Klinik-Geschäftsführer Hans-Ulrich Schmidt ergänzt: „Wir werden noch den einen oder anderen Rechtsstreit führen müssen.“

Dabei geht es nicht um kleines Geld. Mit sieben Firmen liegen die Neubau-Planer im Clinch, unterm Strich geht es um einen „siebenstelligen Betrag“, so Schmidt. Um das Bild der Bauwirtschaft komplett in die Schieflage zu bringen, erzählt Projektmanager Andreas Frank davon, dass es sich viele Unternehmen derzeit - dank der Konjunkturprogramme des Bundes - leisten können, es auf der einen oder anderen Baustelle auch mal lockerer angehen zu lassen.

Zudem hätten sich manche darauf spezialisiert, „Lücken in den Verträgen zu finden, um die Baukosten in die Höhe zu treiben“. Alles in allem, relativiert Architekt Traxler, ist das bei einem Projekt dieser Größenordnung aber „normal“. Freuen können sich die Klinik-Mitarbeiter. Die wegen des Umzugs für Weihnachten geplante Urlaubssperre ist aufgehoben. Allerdings laufen bereits Gespräche mit dem Betriebsrat, wer im April nicht frei nehmen kann. Im Übrigen, betont Betriebsratsvorsitzender Holger Renke, hat das Verschieben des Umzugs keine Auswirkungen auf die Personalplanung bei den rund 900 Mitarbeitern.

Zahlen, Fakten

Das neue Offenbacher Klinikum wird über mehr als 700 Betten verfügen. Das Gebäude ist 137 Meter lang und 93 Meter breit, was ungefähr der Fläche eines Fußballfeldes entspricht. Aus der Vogelperspektive gleicht der Baukörper einem Haarkamm mit vier Zähnen. Das siebenstöckige und 27 Meter hohe Gebäude hat eine Nutzfläche von über 29 000 Quadratmetern, die Geschossfläche beträgt 60 000 Quadratmeter. Nach derzeitigem Stand wird der Neubau rund 150 Millionen Euro kosten. 50 Millionen davon trägt das Land Hessen, den großen Rest die Klinikum Offenbach GmbH.

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