Klagen aus Praxen und Ambulanzen

Übergriffe und Drohungen gegen Ärzte: Patienten immer aggressiver

Offenbach – Es ist eine erschreckende Entwicklung: Die Zahl der Übergriffe in Praxen und Kliniken wächst. Die Furcht der Mitarbeiter ist überall spürbar. Aus Wut über eine vermeintlich ungerechte oder falsche Behandlung bedrohen Patienten ihre Ärzte oder werden handgreiflich gegenüber dem medizinischen Fachpersonal. Von Peter Schulte-Holtey

Immer mehr Mediziner und Praxisteams in Hessen klagen über Beleidigungen und Bedrohungen. Das bestätigt die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) in Frankfurt auf Anfrage dieser Zeitung. Eine Umfrage in ärztlichen Bereitschaftsdienstzentralen ergab, dass knapp 70 Prozent der befragten Ärzte bereits verbale Gewalt erlebt haben – in Form von Aggressivität, Beleidigung oder Drohung. Laut Bundesärztekammer haben immerhin 25 Prozent der Ärzte schon am eigenen Leib körperliche Gewalt von Patienten erfahren. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt der Verband medizinischer Fachberufe (VMF): „Die Medizinischen Fachangestellten in den Arztpraxen berichten von einem zunehmend raueren Umgangston an den Anmeldungen und von offener Rücksichtslosigkeit gegenüber dem Team einer Arztpraxis“, heißt es. Das bestätigen auch die hessischen KV-Chefs Frank Dastych und Eckhard Starke: „In den Praxen und Bereitschaftsdienstzentralen in Hessen ist Gewalt genauso ein Thema wie in den Notfallambulanzen.“

Für KVH-Sprecher Karl Roth ist die Entwicklung auch ein Symptom einer Gesundheitspolitik, „in der die geschürte Erwartung und das Versprechen an die Leistungsfähigkeit des Gesundheitswesens immer weniger mit der Realität zu tun hat“. Roth: „Ärzte sind überlastet und können nicht immer noch mehr arbeiten, wie es die Politik suggeriert und verlangt. Wird diese Erwartung aber immer wieder befeuert, wie auch gerade aktuell in der Diskussion um das Terminservice- und Versorgungsgesetz, ist es vielleicht gar nicht so überraschend, dass sich der eine oder andere Patient mit Gewalt nimmt, was ihm aus seiner Sicht zusteht.“

Problem liege bei den Krankenkassen

Eine niedergelassene Frauenärztin sieht ein Problem bei den Krankenkassen: Diese deuteten an, dass es mit der Versichertenkarte alles kostenlos gebe. „Die Realität ist leider eine andere.“ Die Menschen hätten überhaupt keine Einsicht mehr, dass manche Dinge einfach nicht funktionierten. Ein weiterer Punkt seien oft auch sprachliche Barrieren – fehlende Verständigungsmöglichkeiten führten oft zu Aggressionen.

Lesen Sie dazu auch: Kommentar zu Gewalt in Praxen und Kliniken

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Rubriklistenbild: © dpa

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