Krankenkassen lassen viele im Stich

Patienten kämpfen um Zahlungen

Offenbach - Die Zeiten, in denen Krankenversicherungen sämtliche Kosten anstandslos erstattet haben, sind lange vorbei. Es mehren sich inzwischen Meldungen über Fälle, in denen die Kassen Zahlungen ablehnen.

Wer krank wird, hat ein Recht auf eine Heilbehandlung, denn dafür zahlt man jeden Monat Krankenversicherungsbeiträge. Umso größer ist der Ärger, wenn die Kasse einen im Stich lässt und sich weigert, für medizinische Hilfe oder die soziale Absicherung zu zahlen. Der Südwestrundfunk (SWR) zeigt morgen Abend um 20.15 Uhr in der Fernsehsendung „Der verlorene Patient - wenn die Krankenkasse nicht zahlt“ mehrere Fälle, in denen Patienten von ihrer Krankenkasse alleingelassen wurden und sich nun gegen deren Sparpolitik wehren. Eine SWR-Sprecherin: „Das Unglaubliche: Der Spitzenverband der Krankenkassen erklärt seine Mitgliedern gezielt, wie sie Patienten mit juristischen Spitzfindigkeiten in eine ,Krankschreibungslücke’ locken, um nicht zahlen zu müssen.“

Geschildert wird unter anderem der Fall einer 56-jährigen Frau, die nach einem Schlaganfall halbseitig gelähmt. Über einen kurzen Zeitraum zahlte die Kasse die erforderlichen Reha-Maßnahmen, dann aber der Schock: Nach dem Besuch einer Mitarbeiterin des Medizinischen Dienstes wird ihr, entgegen der Einschätzung ihrer Ärzte, eine langfristige Reha versagt. Ihre Krankenkasse stufte sie stattdessen als „austherapierten“ Pflegefall ein, bei dem sich teure Reha-Behandlungen nicht mehr lohnen würden. Mit Hilfe Ihres Mannes kämpfte sie um ihr Recht, verklagte die Krankenkasse und gewann.

Gestrichene Zahlungen

Ein weiterer Fall betrifft einen Kraftfahrer aus dem Fränkischen. Nach vielen Berufsjahren am Steuer kämpft er mit chronischen Bandscheiben-Problemen. Er war deswegen zuletzt über einen längeren Zeitraum krankgeschrieben und bezog Krankengeld von der Kasse. Als er aber eine Anschluss-Krankschreibung einreichte, strich ihm die Kasse völlig unvorbereitet die Zahlungen und kündigte ihm sogar den Versicherten-Status; das alles wegen eines angeblichen Formfehlers. Er musste laut SWR ebenfalls vor Gericht ziehen, um seine Ansprüche geltend zu machen - mit bisher ungewissem Ausgang.

Über Probleme mit Krankenkassen klagte zuletzt auch Tina Hösl im Bayerischen Rundfunk. Sie leitet den mobilen Pflegedienst des Roten Kreuzes im bayerischen Weiden und koordiniert den Einsatz von Krankenschwestern. Gerade bei der häuslichen Pflege häufen sich nach ihren Angaben die Probleme. Hösl „Wir haben zunehmend Ärger mit den Krankenkassen eben weil Ablehnungen erfolgen. Der Arzt verordnet Leistungen, wohlwissend, weil die Leistungen notwendig sind. Wir erbringen die Leistungen, und die Krankenkasse lehnt ab. Pauschal erst einmal, ohne Begründung.“

psh

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