Patiententag des Klinikums

Keine heile Welt vorgaukeln

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Klangschalentherapie: Beim Patiententag im Capitol war nicht nur die Schulmedizin präsent.

Offenbach - Das schöne Ambiente des Capitols stand im krassen Gegensatz zum Thema der Informationsveranstaltung am Samstag: Beim 10. Patienten-Infotag drehte sich sechseinhalb Stunden alles um die Frage: „Brustkrebs - was tun?“. Von Silke Gelhausen-Schüßler 

Rund 200 interessierte Frauen und auch Männer folgten der Einladung des Sana-Klinikums - viele davon sind „Wiederholungstäter“, wie Professor Dr. Christian Jackisch weiß. „Die meisten Frauen hier sind schon sehr gut informiert, sie wollen sich wieder auf den neusten Stand bringen. 80 Prozent von ihnen sind oder waren selbst betroffene Patientinnen.“ so der Chefarzt der Sana-Gynäkologie.

Eine von ihnen ist Margarete Vollert aus Rodgau-Weiskirchen. Trotz wiederholtem Besuch ist sie immer wieder neugierig. Kein Wunder, denn bei der 70-jährigen wurde vor drei Jahren ein sieben Millimeter großes Mammakarzinom bei gleichzeitig metastatischen Lymphdrüsen diagnostiziert. Operation, Chemo-, Strahlentherapie und Elektroporation ließ sie über sich ergehen.

„Heute bin ich wieder gesund, muss natürlich noch alle drei Monate zur Nachuntersuchung“, strahlt Margarete Vollert. Und fügt etwas hinzu, was die Veranstalter freuen wird: „Ich habe mich im Sana-Klinikum sehr gut aufgehoben gefühlt.“ Neben dem „Abgrasen“ der vielfältigen Infostände im Foyer besteht die Möglichkeit eines ärztlichen Patientengesprächs und die Teilnahme an den sechs Fachvorträgen im Saal. Eine Ansprache klärt über Mitbetroffene auf, die eher im Hintergrund des dramatischen Krankheitsgeschehens stehen und oft zu wenig Beachtung finden. Die Referentin ist Frankfurter Psychotherapeutin und seit sechs Jahren für den 1997 von Ärzten der Strahlenklinik Offenbach gegründeten Verein „Hilfe für Kinder krebskranker Eltern“ tätig - eine in dieser Form in Deutschland einzigartige Initiative.

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Sabine Brütting weiß: „Krebs ist eine Familienangelegenheit“, und das Schlimmste, was Eltern tun könnten, sei es, den Kindern die Krankheit zu verheimlichen und heile Welt vorzugaukeln. Jährlich sind 200.000 Kinder neu von der Krebs-Diagnose bei einem Elternteil betroffen, in jeder dritten „Krebs“-Familie leben minderjährige Kinder. Viele von ihnen wachsen mit der Krankheit auf, auch ihr Leben gerät aus der Balance, sie geraten an den Rand der Familie - egal wie alt sie sind. Brüttings Appell ist deshalb eindeutig: „Auch kleine Kinder merken genau, dass mit der Mama etwas nicht stimmt. Werden sie nicht aufgeklärt, suchen sie bei sich selbst die Schuld. Informieren Sie die Kinder als Erste!“

Neben der gemeinsamen Kommunikation sei es auch wichtig, Gefühle zu zeigen. Dies sei ein wichtiges Signal an das Kind, selbst Empfindungen äußern zu dürfen, wobei „nicht alles übers Kind ausgeschüttet werden sollte“. Dass Jugendliche nicht weniger Hilfe benötigen, weiß die Therapeutin aus zahlreichen Briefen. Darin offenbaren die Heranwachsenden ihren schwierigen Alltag, dem „Behüten“ der Mutter, dem Rollentausch, die fehlenden Informationen, ihre Hoffnungen und Ängste. Eindringlich schildert ein 14-jähriger Junge seine Erlebnisse: „Ich hätte mir mal ein Gespräch gewünscht, wo jeder über seine Angst gesprochen hätte. Jeder hatte sie, und jeder war mit seiner Angst alleine!“

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