Patina für die Füße des Fischers

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Während unten Metallbauer Steffen Pusch die Funken fliegen lässt, fasst sein Chef John Lohrmann den Mainfischer oben etwas sachter an. Die Bronzestatue, die sonst an der Carl-Ulrich-Brücke steht, wird während der dortigen Bauarbeiten von der Schlosserei Lohrmann auf Vordermann gebracht.

Offenbach - „Die Frankfurter haben auch einen, aber der ist kleiner“. John Lohrmann ist eben Lokalpatriot. Deshalb kümmert er sich auch liebevoll um den großen Kerl, der da in seiner Werkstatt stumm, regungslos und etwas verloren in der Ecke steht: den Mainfischer. Von Matthias Dahmer

In der Schlosserei Lohrmann in Bieber-Waldhof wird derzeit der Mainfischer runderneuert. Die 18 Zentner  schwere Bronzestatue steht üblicherweise an der Carl-Ulrich-Brücke, musste ihren Platz wegen der dort laufenden Bauarbeiten zur Erschließung des neuen Hafenviertels räumen. Wenn die Umgestaltung des Verkehrsknotenpunkts fertig ist, wird das 2,60 Meter große Standbild auf das Brückenvorgelände zurückkehren. Im Frühjahr des nächsten Jahres könnte es soweit sein.

Während unten Metallbauer Steffen Pusch die Funken fliegen lässt, fasst sein Chef John Lohrmann den Mainfischer oben etwas sachter an. Die Bronzestatue, die sonst an der Carl-Ulrich-Brücke steht, wird während der dortigen Bauarbeiten von der Schlosserei Lohrmann auf Vordermann gebracht.

Bis dahin dürften die kosmetischen Arbeiten am Mainfischer beendet sein. Denn eigentlich müssen sich Lohmann und seine Leute nur um den Sockel und die Füße des Offenbacher Wahrzeichen kümmern. Weil die Statue ein Fotomotiv ist, mit dem man sich gerne ablichten lässt, wurde im Laufe der Jahre vor allem der untere Teil in Mitleidenschaft gezogen. Der bekommt nun wieder die gleiche Patina wie der große Rest verpasst. Ein spezieller Kunstharzlack im Farbton der Verwitterung wird es richten, erklärt John Lohrmann. An ein Aufpolieren des Kunstwerks ist nicht gedacht, würde damit doch die historische Bedeutung der Statue verwischt.

Statue musste bereits der S-Bahn weichen

Der Mainfischer ist ein Werk des Bildhauers Ernst Unger. Es wurde am 16. Juli 1935 an der Auffahrt der ehemaligen Mainbrücke aufgestellt. Während des Zweiten Weltkriegs verlor das Standbild den Boden unter den Füßen und kippte um. Mit Stahl konnten Handwerker dem Werk Ungers wieder zu einem festen Stand verhelfen. Unklar ist indes, was mit dem Anker passiert ist, den der Mainfischer ursprünglich in seiner rechten Hand gehalten hat. Im Jahre 1989 wurde der „Junge Fischer“, wie er im Volksmund zunächst genannt wurde, schon einmal versetzt. Er stand damals dem Neubau der sogenannten Nordumgehung für den S-Bahn-Bau im Wege.

John Lohrmann hat das Wahrzeichen für die Monate in seinem Exil versichern lassen. Der Sachwert beträgt 30 000 Euro. Wenn die Rückkehr der Statue an ihren angestammten Platz ansteht, wird sie auf den Tieflader eines Frankfurter Unternehmens geladen und zum Main gekarrt.

Befürchtungen, dass die Firma den Fischer eventuell entführt, kann John Lohrmann zerstreuen: „Da habe ich vollstes Vertrauen, schließlich hat das Unternehmen den Mainfischer schon hierher transportiert.“

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