Pausen vom Pflegealltag

+
Stadtverordnetenvorsteherin Sieglinde Nöller (rechts) überreichte den Ferdinand-Kallab-Preis an das zehnköpfige ehrenamtliche Team der Initiative „AusZeit“, das Menschen mit Demenz betreut und Angehörigen damit eine Auszeit von der Pflege bietet.

Offenbach - Sich um einen an Demenz erkrankten Menschen zu kümmern, kostet viel Kraft, Hingabe und Zeit. Pflegende Angehörige vergessen darüber leicht sich selbst und ihre Bedürfnisse. Von Veronika Szeherova

Dabei sind gerade für sie kleine Auszeiten vom Pflegealltag wichtig, um neue Energie zu tanken. Das Freiwilligenzentrum Offenbach rief vor sechs Jahren die Initiative „AusZeit“ ins Leben, um Pflegende zu entlasten. Das Team ehrenamtlicher Helfer ist gestern mit dem Ferdinand-Kallab-Preis der Stadt Offenbach ausgezeichnet worden.

Den Preis vergibt der städtische Sozialausschuss seit 1981 jährlich an Einzelpersonen, Verbände oder Organisationen, die sich auf sozialem Gebiet engagieren. Er ist mit 1 020 Euro dotiert. „Was mit dem Geld geschieht, entscheidet das Freiwilligenteam noch“, sagt Sigrid Jacob, Leiterin des Freiwilligenzentrums. Der Preis bedeutet den Initiatoren und den ehrenamtlichen Helfern viel. „Es ist eine Bestätigung und Anerkennung der Arbeit, in die alle ihr Herzblut stecken“, freut sich Jacob.

Die zehn Freiwilligen

Die zehn Freiwilligen – namentlich Frida Marya Werner, Angelika Dallmeier, Patricia Stein, Wolfgang Limberger, Heike Lughofer, Jutta Baumann, Andrea Fuss, Roswitha Hoffmann, Elisabeth Knösel, Dörthe Rades – kümmern sich im Wechsel an zwei festen Nachmittagen pro Woche jeweils drei Stunden um bis zu sechs demenzkranke Senioren. Sie singen gemeinsam, gehen spazieren, spielen oder erzählen einfach nur von früher.

Das ist eine willkommene Abwechslung für die Patienten – und für ihre Angehörigen. „Die haben solange Zeit für sich, eine Pause vom Pflegealltag“, erläutert Jacob das Konzept. Sie sieht „AusZeit“ nicht mehr „nur“ als Projekt – „es ist ein festes Angebot“. Schulung und Weiterbildung für die Ehrenamtler sind fester Bestandteil.

„Vorherige Erfahrung im Umgang mit Demenzkranken ist keine Voraussetzung“, versichert Jacob. So werde ein Beitrag geleistet, das Thema Demenz in der Öffentlichkeit transparenter zu machen. Kooperationspartner sind die städtische Beratungs- und Koordinierungsstelle für ältere Menschen, der Arbeiter-Samariter-Bund und die Arbeiterwohlfahrt, in deren Einrichtungen (AWO Hainbachtal und AWO-Treff der Wohnanlage Buchhügel) das Angebot stattfindet.

„Individuelle Betreuung durch qualifizierte und engagierte Ehrenamtliche“

Stadtverordnetenvorsteherin Sieglinde Nöller würdigte gestern bei der Preisverleihung die Leistung des Teams. „Die demenzkranken Gäste erhalten eine individuelle Betreuung durch Sie als qualifizierte und engagierte Ehrenamtliche. Dadurch können sich die Angehörigen die besagte Aus-Zeit nehmen. Sie können entweder zum Einkaufen fahren oder einfach mal ausspannen. Und dies vor allem mit der Gewissheit, dass ihre Angehörigen bei qualifizierten Menschen in guten Händen und in bester Gesellschaft sind.“

Der Preis ist nach dem Offenbacher Arzt Dr. Ferdinand Kallab benannt, der ein halbes Jahrhundert lang unentgeltlich die medizinische Betreuung im Theresien-Kinderheim übernahm und im Ketteler-Krankenhaus bis ins hohe Alter Nachtwache bei Frischoperierten hielt. Er starb 1979 im Alter von 91 Jahren. Die Auszeichnung, seit 1981 vergeben, soll seinen Geist und seine Wertvorstellungen weitertragen.

Unter den Preisträgern sind die ökumenische Initiative „Essen und Wärme“ (1994), das Partnerschaftsprojekt Leibniz- und Fröbelschule (1998), die Teestube Gerberstraße (2004) und die Kinder- und Jugendfarm (2007). Ansprechpartner bei „AusZeit“ ist Projektleiter Oliver Schymik, Tel.: 069/82367039, www.fzof.de.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare