Die Pelze sind Geschichte

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Beste Sicht auf die Rückseite des großen Baumarkts, der auf dem ehemaligen Thorer-Gelände an der Mühlheimer Straße entsteht, hatte unser Fotograf Bernd Georg vom Schneckenberg aus. Ende März soll das Heimwerker-Mekka seine Türen öffnen. Der auf dem gleichen Areal in unmittelbarer Nachbarschaft geplante Lebensmittelmarkt macht im Sommer auf.

Offenbach ‐ Es ist in diesen Tagen gewiss keine Ausrede, wenn als Grund für die Verzögerung bei Bauprojekten die Witterung angeführt wird. Deshalb glaubt man Walter Gehring, wenn er entschuldigend darauf hinweist, dass es ein wenig später wird als geplant mit der Eröffnung auf dem Thorer-Gelände. Von Matthias Dahmer

Gehring ist Geschäftsführer der ST-Gewerbebau. Der Investor, ein Projektentwickler für Handels- und Dienstleistungsimmobilien aus Weißenhorn bei Ulm, baut auf dem 65 000 Quadratmeter großen Areal des ehemaligen Pelzveredlers Thorer an der Mühlheimer Straße einen OBI-Baumarkt mit Gartencenter sowie eine 3 900 Quadratmeter große Edeka-Filiale inklusive Getränkemarkt und Backwarengeschäft.

Der Baumarkt, sagt Gehring, wird spätestens Ende März seine Türen öffnen. Wäre der Winter nicht so streng gewesen, hätte man schon im Februar Hobby-Handwerker glücklich machen können. Die Filiale des Lebensmittelriesen Edeka wird wetterbedingt indes erst im Sommer stehen. Gehring: „Die Fertigteile liegen schon auf dem Hof.“

Der Weg von der einstigen Pelzfabrik zum Konsum-Konglomerat war mit jeder Menge Ärger gepflastert. Das Nachbarstädtchen Mühlheim sah sich durch das vor seinen Toren geplante Vorhaben, insbesondere durch den Edeka-Markt, massiv bedroht. CDU-Bürgermeister Bernd Müller befürchtete gar die Zerschlagung der Einzelhandelsstrukturen in seiner Kommune, was eigens gefertigte Gutachten indes widerlegten.

Investitionsvolumen von rund 22 Millionen Euro

Eine erste Klage der Mühlheimer gegen den entsprechenden Regionalplan wies das Verwaltungsgericht Darmstadt als unzulässig ab. Ein zweiter Prozess - diesmal kündigte der kleinere Nachbar an, gegen den Offenbacher Bebauungsplan vorgehen zu wollen, konnte abgewendet werden. Möglich machte dies ein Kompromiss, den die Mühlheimer mit der ST Gewerbebau fanden: Das Unternehmen stellte zunächst einen ohnehin geplanten Edeka-Markt in Mühlheim hin, bevor es auf dem Thorer-Gelände loslegte.

Die Größenordnung des nun seiner Vollendung entgegen gehenden Projekts ist beachtlich. Das Investitionsvolumen beziffert Walter Gehring auf rund 22 Millionen Euro. Der Heimwerkermarkt wird eine Verkaufsfläche von 5 880 Quadratmetern umfassen. Das Gartencenter kommt auf 2320 Quadratmeter, denen noch eine Freifläche von 2600 Quadratmetern hinzuzurechnen ist. Lebensmittel werden auf 3900 Quadratmetern angeboten, wobei der Platz für einen Getränkemarkt und einen Bäcker in diese Fläche eingerechnet ist. Die Pläne sehen vor, dass für die Kunden 526 Parkplätze zur Verfügung stehen.

Mit der Bebauung des Geländes ist das Unternehmen Thorer endgültig Geschichte. Der Pelzveredler hatte im 112. Jahr seines Bestehens zum 31. August 1994 Konkurs angemeldet. 159 Facharbeiter mussten gehen.

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