Stadt verspricht Rücksichtnahme

Anwohnerparken: Pendler-Protest findet Gehör – SPD stellt Änderungsantrag

Anwohner parken in vielen Quartieren bevorrechtigt.
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Anwohner parken in vielen Quartieren bevorrechtigt.

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer regen sich über die Pläne der Stadt Offenbach auf, Parkzonen für Anwohner zu schaffen. Ein Partei reagiert.

Offenbach – Pendler reagierten bestürzt, besonders Beschäftigte des Ketteler-Krankenhauses fragten sich, wie sie künftig zu ihrer Arbeit kommen sollen: Die Stadt Offenbach will noch mehr Zonen einrichten, in denen Bewohner gegen eine Jahresgebühr bevorrechtigt parken dürfen, fremde Autos jedoch nicht länger als zwei Stunden stehen dürfen.

Unsere Zeitung griff den Protest auf und berichtete über die Sorgen besonders der Pflegekräfte des katholischen Klinikums am Lichtenplattenweg. Sorgen gab es aber auch wegen der künftigen Bewohnerbevorrechtigung an der S-Bahn-Station Offenbach-Ost. Dort werden wegen anstehender Bebauung langfristig kostenpflichtige, privat bewirtschaftete Parkplätze wegfallen, die derzeit gern für den Umstieg auf die Schiene genutzt werden.

Opposition in Offenbach gegen Pläne der Regierungskoalition

Bei der Stadtverordnetensitzung will die Tansania-Koalition (CDU, Grüne, FDP, Freie Wähler) die auf einer Parkraumuntersuchung beruhende Planung aus dem Amt von Verkehrsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) absegnen.

Aber der Stadtrat hat sich, wie auch die oppositionelle SPD, von den von uns veröffentlichten Klagen und Befürchtungen beeindrucken lassen. Nun will man Rücksicht auf die Bedürfnisse von Pendlern nehmen.

Die SPD hat dagegen einen konkreten Änderungsantrag formuliert: Der Magistrat wird konkret aufgefordert, fordern, das Anwohnerparken nicht auf die Gebiete um Ketteler-Krankenhaus und Offenbach-Ost auszuweiten. „Hier ist mehr Fingerspitzengefühl für die Bedürfnisse der Menschen nötig, wir hoffen daher auf Zustimmung zu unserem Antrag“, schreibt der sozialdemokratische Stadtverordnete Holger Hinkel.

Mirarbeiterparkplatz in Offenbach: „Bärendienst für Klima und Luftreinhaltung“

Viele Angestellte des Krankenhauses seien für den Weg zur Arbeit auf ihr Auto angewiesen und benötigten daher einen Parkplatz. Denn nicht jeder könne von der Haustür bis zum Arbeitsplatz bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren.

Die Genossen finden, dass der städtische Vorstoß zur Unzeit gekommen sei. Denn nach ihren Informationen hätten Klinikleitung und Mitarbeitervertretung des Ketteler-Krankenhauses gerade erst der Stadt vorgeschlagen, auf einer städtischen Fläche auf dem Buchhügel einen Mitarbeiterparkplatz einzurichten. Die SPD sorgt sich aber auch um die Folgen im Gebiet um den Ostbahnhof. Die Ausweitung des Bewohnerparkens dort würde vor allem zulasten der Pendler gehen, die morgens in der Nähe parken wollen, um von dort aus mit der S-Bahn nach Frankfurt weiterzufahren. Diese würden dann erfahrungsgemäß einfach die ganze Strecke mit dem Auto durch die Stadt fahren. „Ein Bärendienst für Klima und Luftreinhaltung“, findet Sozialdemokrat Hinkel.

Verwaltung will mit Regelungen bis nach Corona warten

Der freidemokratische Verkehrsdezernent Weiß versicherte dagegen gestern, dass die Stadt auch die Belange von Berufspendlern oder Besuchern im Auge behalten werde. So sehe die bisher in Offenbach praktizierte „Mischregelung“ einen Anteil von etwa 30 Prozent Parkplätzen vor, die weiterhin allen zeitlich unbegrenzt offenstünden. Der Anteil könne je nach Lage und Bedarf auch höher oder niedriger ausfallen. Weiß will Einzelheiten dazu mit dem Ketteler-Krankenhaus besprechen. Zudem werde die Verwaltung mit der Umsetzung der Regelung in diesem Bezirk warten, bis die Corona-Pandemie den ÖPNV wieder allen sicher erscheinen lasse.

Grundsätzlich, so Paul-Gerhard Weiß, sei es aber richtig, die Anwohner bei knappem öffentlichen Parkraum zu privilegieren. Dass man bei seinem Arbeitgeber oder im öffentlichen Raum verdichteter Großstädte einen unentgeltlichen Parkplatz beanspruchen könne, sei heute nicht mehr üblich. Aber, so schränkt er ein: „Wo es kein Parkhaus und keinen Arbeitgeberparkplatz in der Nähe gibt, müssen und werden wir das berücksichtigen.“ (Von Thomas Kirstein)

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