Verluste gesunken

Personennahverkehr mit finanziellem Zwischenhoch

+
Individueller Nahverkehr: Dieses Foto ziert den 2017er Moblitätsbericht.

Offenbach – Der Öffentliche Personennahverkehr bleibt ein Zuschussgeschäft für die Kommunen und ihre Gesellschaften, da macht  Offenbach keine Ausnahme. Von Thomas Kirstein

Immerhin gibt es eine Art Zwischenhoch, wie aus dem nun vorgelegten Mobilitätsbericht für 2017 hervorgeht: Die Verluste der Offenbacher Verkehrsbetriebe (OVB) sind im Vergleich zum Vorjahr 2016 um beinahe eine Million auf 5,4 Millionen Euro gesunken. Für 2018 zeichnet sich eine weitere Verbesserung ab.

Zu verdanken ist das Ergebnis von 2017 mehreren Faktoren. Der wichtigste besteht im Anstieg der Fahrgastzahl: 10,9 Millionen Reisen auf örtlichen Buslinien und S-Bahn-Abschnitten wurden ermittelt, 100 000 mehr als 2016. Zeitkartenbesitzer fließen dabei über einen RMV-Schlüssel in die Gesamtsumme ein. Der Anteil von Bus und Bahn am Gesamtverkehr in Offenbach hat von 18 auf 19 Prozent leicht zugelegt.

So sind die Offenbacher in ihrer Stadt unterwegs. Die städtische Grafik zeigt die Durchschnittswerte an Werktagen des Jahres 2017.

Positiv aufs finanzielle Ergebnis niedergeschlagen hat sich laut der OVB-Mutter Stadtwerke neben einem rückläufigen Betriebsaufwand auch ein Streik der Busfahrer. Der Ausstand sparte Lohnkosten. Zudem hat eine Fahrgastzählung des RMV den Offenbachern zusätzliche Einnahmen beschert.

Der Mobilitätsbericht kommt stets mit Verzögerung um ein knappes Jahr, weil der Rhein-Main-Verkehrsverbund die maßgeblichen Daten erst spät liefert. Für das gerade abgelaufene, jedoch noch nicht ausgewertete Jahr 2018 lässt sich jedoch schon sagen, dass sich eine Fortsetzung dieses Trends abzeichnet.

Danach ist aber erst einmal Schluss mit dem Aufwind für die Bilanzen. Die OVB-Verluste unterm Strich werden wieder nach oben gehen, selbst wenn noch mehr Menschen auf Bus und Bahn umsteigen. Verantwortlich dafür sind kostenintensive Verbesserungen des Angebots sowie Investitionen.

„Mit unserem bisherigen Stadtbusbetrieb sind wir an unserer Kapazitätsgrenze angelangt gewesen“, sagt Mobilitäts-Geschäftsführerin Anja Georgi. Das Stadtparlament hat über den neuen Nahverkehrsplan ihrer NiO („Nahverkehr in Offenbach“) eine Ausweitung des Fahrplans um ein Drittel verordnet. Takte von siebeneinhalb und 15 Minuten kosten ebenso zusätzliches Geld wie der Betrieb bis 1 Uhr nachts. Dazu sind 50 Fahrer und 15 Busse mehr notwendig. Mobilitätsdezernentin Sabine Groß (Grüne) findet dazu gewichtige Worte: „Nur mit einem leistungsfähigen und attraktiven ÖPNV können wir in der schnell wachsenden Großstadt dem erhöhten Mobilitätsbedarf und gleichzeitig den Anforderungen des Klimaschutzes gerecht werden.“

Viel Geld verschlingt auch die Elektrifizierung der Fahrzeugflotte ab diesem Jahr. 16,5 Millionen Euro kosten die bis 2022 anzuschaffenden Strom-Busse samt der notwendigen Ladeinfrastruktur.

Der Elektromobilität soll in Offenbach eine Schlüsselrolle zukommen, um trotz der stark zunehmenden Fahrleistung von 3,2 Millionen (2017) auf 4,5 Millionen (2019) Kilometer den Schadstoffausstoß der Busflotte zu senken.

Mehr Personal, mehr ICE-Züge: Bahn verspricht Besserung

Wie stark das ÖPNV-Defizit steigen kann, lässt sich an einer Änderung ablesen. Bislang mussten die Mobilitätsunternehmen NiO und OVB ohne direkten städtischen Zuschuss auskommen; die Miesen glichen die anderen Stadtwerke-Gesellschaften und die EVO mit ihrer Dividende aus. Nach der neuen Regelung trägt die Stadt Offenbach nun mit zur Deckung bei, falls der Verlust acht Millionen Euro überschreiten sollte.

Stadtwerke-Holding-Chef Peter Walther findet das prima: „Der von der SOH zu tragende Verlustausgleich wird damit gedeckelt. Das ist ein wichtiger Schritt. Dennoch bleibt es unsere Aufgabe, den nicht unbeträchtlichen Mehraufwand zu schultern.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion