Perspektiven auf Arbeitsmarkt

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Auch Zweiradmechaniker können junge Leute bei Offenbachs Beschäftigungs-Dienstleister lernen.

Offenbach - Richard Akortsu war acht Jahre alt, als er von Ghana nach Frankfurt kam. Damals sprach er kein Wort Deutsch, ging mit 14 Jahren zum ersten Mal zur Schule. „Da hat es mir gar nicht gefallen“, erinnert sich Richard heute. Von Benedikt Müller

Seine Stiefmutter durfte ihn nach kurzer Zeit wieder privat unterrichten. Als sie schwer erkrankte, kümmerte sich Akortsu um die pflegebedürftige Frau statt um seine Schullaufbahn.

„Dann habe ich erfahren, welche Tätigkeit das ist, die ich da eigentlich mache, dass das ein Beruf ist“, erzählt der inzwischen 22-Jährige. „Ich hatte endlich ein Ziel vor Augen.“ Seinen Hauptschulabschluss und die mittlere Reife hat er nachgeholt. Seit Oktober 2011 wird Akortsu in einem Projekt der Gemeinnützigen Offenbacher Ausbildungs- und Beschäftigungsgesellschaft zum Altenpflegehelfer ausgebildet. Er ist ein weiterer junger Mann, der durch die GOAB einen Einstieg ins Berufsleben finden wird. Trotz allem, was vorher hinderlich war.

Mehr als 90 junge Menschen absolvieren zurzeit eine Lehre bei der GOAB oder in Begleitung des Unternehmens, das zu 98 Prozent der Stadt Offenbach gehört. Neben angehenden Altenpflegern bildet die GOAB Zweiradmechaniker, Metallhandwerker, Lageristen und Maler aus. Sie alle haben eine schwierige Schullaufbahn hinter sich. „Ihnen fehlt aber nicht der Intelligenzquotient, sondern Zutrauen und Motivation“, weiß Jürgen Schomburg. Der GOAB-Geschäftsführer betont Disziplin und Zuwendung im Umgang mit den Lehrlingen.

Mit Kunden und Abnehmern in Kontakt

Außerdem sei es wichtig, dass die Auszubildenden Dienstleistungen produzierten, mit Kunden und Abnehmern in Kontakt kämen. „Wir können nicht auf dem Trockendock ausbilden“, erläutert Schomburg auch im Hinblick auf das lokale Gewerbe. Zwar stelle zum Beispiel die Fahrradwerkstatt an der Mühlheimer Straße eine kleine Konkurrenz zu privaten Betrieben dar. Doch nur durch die Produktionsorientierung könnten die Lehrlinge fit für den Berufsalltag gemacht werden.

Gerade die Auszubildenden in Altenpflege und Metallberufen hätten auf dem aktuellen Arbeitsmarkt hervorragende Perspektiven. Dennoch gibt’s bei der GOAB immer weniger Lehrlinge. „Die sind teuer, und der BUND kürzt die Zuschüsse“, klagt Geschäftsführer Schomburg.

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Um die Auszubildenden und „Maßnahmenteilnehmer“ der Arbeitsagentur (momentan 250) sowie die Ein-Euro-Jobber kümmern sich bei der GOAB zirka 90 festangestellte Kräfte. Das sind Meister in Funktionen als Ausbilder, Pädagogen und Verwaltungsleute.

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