Peter Weigand, Leiter des Ordnungsamts

Müllsündern auf der Spur

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Ist mit seinen Mitarbeitern Müllsündern auf der Spur: Peter Weigand, Leiter des Ordnungsamts.

Offenbach - Sperrmüll unangemeldet auf die Straße zu stellen, wird teuer. Die Stadt bittet Verursacher verstärkt zur Kasse. Martin Kuhn befragte dazu Peter Weigand, den Chef des Offenbacher Ordnungsamts.

Illegale Ablagerungen in einem Kleingarten kosteten einen Grundstückseigentümer 8900 Euro. Nur eine paar Tage später musste eine Familie für die illegale Entsorgung von Möbeln am Straßenrand 500 Euro berappen. Generiert die klamme Stadt da eine neue Einnahmequelle?

Von einer neuen Einnahmequelle kann keine Rede sein. Der Personalaufwand für die Ermittlung nach Müllsündern und die Beseitigung illegaler Müllablagerungen im öffentlichen Raum ist um ein Vielfaches höher als die Bußgelder, die in diesem Bereich eingenommen werden.

Ist denn die Stadt Offenbach da besonders strikt? Und ist diese Konsequenz ein Alleinstellungsmerkmal?

Ob es ein Alleinstellungsmerkmal ist, kann ich nicht sagen aber sowohl dem ESO-Dezernent Peter Schneider als auch dem Ordnungsdezernent Dr. Felix Schwenke ist es wichtig, dass wir im Interesse des Stadtbildes an diesem Punkt konsequent sind. Leider wird der Stadt Offenbach zu Unrecht immer wieder nachgesagt, es sei dort besonders dreckig. Aber fahren Sie mal in andere Großstädte. Alle haben das gleiche Problem. Wir in Offenbach haben uns deshalb vor Jahren dazu entschlossen aktiv dagegen vorzugehen. Aufklärung ist uns hierbei genauso wichtig, wie die Verfolgung von Müllsündern.

Sperrmüll, abends an den Straßenrand gepackt, verändert sich ja bis zur Abfuhr: Da kommt eine Lampe hinzu, da verschwindet eine Matratze...

Zunächst sieht man es einer Ablagerung in der Regel nicht an, ob sie überhaupt legal ist. Wenn dann noch Sachen hinzugestellt werden, Altmetallsammler die wertvollen Rohstoffe entnehmen, die Gegenstände durchwühlt werden, dann dauert es manch mal keine zwei Tage, bis aus ein paar Gegenständen ein großes Müllchaos entsteht. Grundsätzlich gilt daher: Finger weg vom Sperrmüll anderer. Vor allem für den städtischen Entsorger ist es wichtig zu wissen, was auf den Straßen steht. Wenn aus drei Kubikmetern Sperrmüll plötzlich zehn werden, dann bringt das die Tourenplanung komplett durcheinander, sodass im Extraschichten gefahren werden müssen, um alle Termine zu schaffen.

Gibt’s denn besonders schlimme Ecke, wo die Haufen überproportional anwachsen?

Durch die hohe Fluktuation in Hochhaussiedlungen wächst der Sperrmüllhaufen dort in der Regel schneller als in Straßen mit Einfamilienhäusern, besondere Schwerpunkte gibt es jedoch nicht.

Könnte ein Hang zu illegaler Entsorgung daran liegen, dass das reguläre Verfahren zu kompliziert, zu aufwändig oder aufgrund mangelnder DeutschkKenntnisse unverständlich ist?

Diese Einschätzung kann ich nicht teilen, denn ein Griff zum Telefon oder ein Gang ins Bürgerbüro reicht aus, um einen kostenlosen Abholtermin zu vereinbaren. Der Abfallkalender wurde zudem mehrsprachig verfasst. Wir möchten es jedem möglichst einfach machen, den Weg der legalen Abfallentsorgung zu nutzen. Neben der Terminvereinbarung zur Sperrmüllabfuhr können Abfälle auch beim Wertstoffhof der ESO in der Dieselstraße abgegeben werden. Bis zu ein Kubikmeter Sperrmüll kann dort kostenfrei angeliefert werden.

Unterm Strich ist’s also reine Bequemlichkeit der Leute, dass sie ihre Sachen wahllos an die nächste Ecke stellen?

Das kann man so sagen, wobei ein Anruf beim städtischen Entsorger nicht zu viel verlangt sein sollte. Und noch mal: Bei uns wird der Sperrmüll aus privaten Haushalten noch kostenlos abgeholt. Das ist nicht überall so. Einfacher und günstiger geht es nun wirklich nicht mehr.

Hier liegt der Müll am Straßenrand

Rhein-Main: Hier liegt der Müll am Straßenrand

Also setzen Sie Ihre Kontrollen weiter fort...

Auf jeden Fall.

Und noch konkret zum Mathildenviertel, wo es jeden Donnerstag feste Sperrmüll-Termine gibt: Warum genießt man dort eine Sondergenehmigung? Und ist diese Abholung ebenfalls kostenlos?

Mit einigen Großwohnanlagen wurde vor Jahrzehnten vereinbart, dass eine regelmäßige Abfuhr (einmal die Woche) durchgeführt wird. Hintergrund war, dass die individuelle Terminvereinbarung dort aufgrund der vielen Haushalte zu logistischen Problemen führt. Logistisch ist es so einfacher. Die Alternative wäre, dass jeder Bewohner der Großwohnanlagen den Termin individuell vereinbart, was zu Doppelungen und damit zu Verlängerung der Wartezeiten für einen Sperrmülltermin führt. Ein weiterer Grund war damals, dass es trotz vieler Haushalte immer einen Ansprechpartner (Hausverwaltung oder direkt Hausmeister) gibt. Daher wurde mit den Hausverwaltungen vereinbart, dass es vor Ort Verantwortliche gibt, die beispielsweise über einen separaten Raum den Sperrmüll sammeln und einmal die Woche bereitstellen. Neben der Anzahl der Haushalte spielte teilweise auch eine höhere Fluktuation der Mieter eine Rolle. Die Abfuhr des Sperrmülls wird auch hier über die Abfallgebühren finanziert.

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