Pfarrer spielte Barbies Ken

Offenbach ‐ Ein Priester, der zwischen sechs Barbie- Variationen auf der Bühne den einzigen Ken gibt, muss nichts Ungewöhnliches sein. Von Stefan Mangold

Jedenfalls nicht, wenn es sich um Stephan Leilich handelt, den Pfarrer der katholischen St. Pankratiusgemeinde. In weißem Anzug unter schwarzer Perücke tanzte er mit den „Sardellen“ zu „come on barbie, let's go party“. Die Bürgeler Frauenfastnacht gestaltete im Gemeindezentrum an der Sternstraße die Seniorensitzung. Den Reigen des Frohsinns eröffneten die 16 Feen. So füllen die Lottofee, die Schnullerfee und die Waldfee wichtige Funktionen aus. Nicht gut Kirchenessen scheint mit der bösen Fee zu sein, „lescht euch bloß net mit mir an, weil ich euch verzaubern kann.“

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Frauenfastnacht in Bürgel

Pfarrer Leilich trat nicht nur als Ken auf, er führte auch das Protokoll fürs vergangene Kirchenjahr. „Ich sag's ganz unverhole, die Kirche, die brauch' Kohle,“ behandelt er die finanziell angespannte Situation der Kirche. Um festzustellen, ob ein Priester tatsächlich tot sei, müsse man ihn „mit einem 100-Euro-Schein streicheln.“ Wenn er nicht danach fasse, „dann lebt er tatsächlich nicht mehr.“

Gisela Wiegand, Hauptorganisatorin der Sitzung, ging als Clofrau von Burgilla in die Bütt.

Musikalisch führten Stefan Schalling an der Orgel und Michael Wagner als Sänger, Moderator und Akkordeonist durchs Programm. Die Musiker interpretierten Schunkelklassiker wie „Einer geht noch, einer geht noch rein“ oder „Heute blau, morgen blau, übermorgen wieder“ - kein Liedgut für Treffen der Anonymen Alkoholiker.
Silvia Geupel und Silvia Habermann traten als zwei Mülltonnen auf. Aus den braunen, ausgewaschenen Biotonnen ragten durch die Löcher erst nur Hände und Füße, später auch die Köpfe durch die Deckel. Gisela Wiegand, die Hauptorganisatorin der Sitzung, ging anschließend als Clofrau von Burgilla in die Bütt. Auf dem Weg zur Bühne wienerte die Putzfrau manchem Herrn mit dem Feudel den nur spärlich bewachsenen Schädel. Oben erzählte sie von Monatskarten, die sie für Kundschaft mit Verdauungsproblemen ausgibt. Prinzipiell zeigt sie sich tolerant, „für 50 Cent, ihr werdet lache, derf mer auch mal drüber mache.“ Das gesellschaftliche Ansehen ihres Berufsstands scheint begrenzt zu sein: „Ich werd' überall im Land nur Lady Kaktus von alle genannt.“

Fieser Disput zwischen Engel und Teufel

Fies ging es beim Disput zwischen Engel (Anja Wagner) und Teufel (Jutta Visciani) zu. „Du mimst die Fromme und die Zarte, doch unterm Kleid, die dicke Schwarte.“ Die streiten sich ferner, wer wessen Seele nach dessen Tod verwalte. „So mancher da von dene Recke, hat gewaltig Dreck am Stecke“, frohlockt der Teufel, dessen Hölle jedoch gar nicht so qualvoll wie vermutet zu sein scheint. „Gruppensex für all das Pack, da sind wir gut, da sind wir stark.“ Am Ende kommt es zum klassischen Auswahlverfahren, als Engel und Teufel unisono sprechen: „Was ihr auch tat, ihr Rasselbande, bei einem von uns, da werdet ihr lande.“

Außerdem sangen Gisela Wiegand und deren Tochter Christine Schwab Schlager wie „Olé Fiesta, Fiesta hier am Main, kann genau so schön wie am Rio Grande sein,“ neben Hits wie „Fiesta Mexicana“ und „Das ist Wahnsinn, du spielst mit meinen Gefühlen.“ Petra Bohne und Maria Hau spielten hingegen den Sketsch mit dem neuen Bankautomaten, in dem ein Angestellter sitzt, der das Geld übergeben soll, was jedoch nicht klappt.

Die Männer bekommen ihr Fett weg

Das „Berjeler Dreigestirn“ aus Petra Bohne, Petra Kohlhepp und Pertra Frey philosophierte über den richtigen Umgang mit dem Partner. „Weißt du, dass man seine Liebste auf Hände tragen soll?“ „Hab ich doch, sieht nur bekloppt aus, wenn man de ganze Tag e Kist Bier mit sich träscht.“

Bei dem Auftritt „Berjel sucht das Super Fastnachtstalent“ moderierte Beate Keller. Die Jury aus Petra Bohne und Jutta Visciani sagte während der Vorträge dem Whisky entschieden zu. Am Ende verlassen alle als Sieger die Bühne. Das YMCA-Ballett tanzte in gewagten Kostümen. Heidi Hartwig und Mechthild Kretschmar sangen auf Bobbycars sitzend Playback zu „Im Wagen vor mir fährt ein junges Mädchen“.

In ihrem Vortrag ging Mechthild Kretschmar so schonungslos mit den Männern ins Gericht, wie sonst an Fastnacht nur die Männer, wenn sie Gewicht und Optik der Gattin bemängeln. Auch Frauen halten körperlich aus den Fugen geratene Männer selten für eine sinnliche Offenbarung: „Er geht auseinander, der komische Seppel, als wär' er kein Mann, als wär' er ein Kreppel. Willst du mal schmusen, merkst du es gleich, was du im Arm hälst, ist nur noch faul Fleisch.“

Rubriklistenbild: © Georg

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