Marktbummel

Pferdefleisch: umstrittene Delikatesse

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Statt Rostbratwurst gibt’s an Klaus Schneiders Marktstand Rossbratwurst.

Offenbach - Pferdefleisch ist im Moment in aller Munde –wenn auch teils unfreiwillig. Auf dem Offenbacher Wilhelmsplatz verkauft Klaus Schneider aus Krombach allerdings schon seit 15 Jahren Pferdefleisch aus seiner Heimat, dem Spessart. Von Bianca Beher

Die Debatte um illegales Pferdehack in der Rindfleischlasagne verfolgt der Metzger mit Distanz: „Der Skandal betrifft mich persönlich ja nicht, ich verkaufe ausschließlich hochwertiges Pferdefleisch! Dass es minderwertig sein soll, ist ein altes Vorurteil.“

Natürlich, es geht um Etikettenschwindel und Verbrauchertäuschung, aber eigentlich sei Pferdefleisch doch eine Delikatesse, betont der 52-Jährige: „Viele Menschen wissen gar nicht, wie gesund und bekömmlich Pferdefleisch ist.“ Das dunkle Fleisch zeichne sich durch seinen würzigen Geschmack aus. Es ist besonders mager, eiweißreich und cholesterinarm. Deshalb eignet es sich laut Schneider gut für Diabetiker, Allergiker sowie kalorienbewusste Verbraucher.

„Gerade die jungen Leute kaufen gern Pferdefleisch“

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Gerade in seinen Offenbacher Anfangszeiten hatte der Pferdemetzger mit Vorurteilen zu kämpfen. „Ja, da gab es dann schon mal ein paar Mädels, die mich vorwurfsvoll angeschaut oder was Blödes gesagt haben“, bestätigt Schneider. Aber das ist nun vorbei: Gerade die jungen Leute kaufen gern Pferdefleisch. Dass weniger ältere Leute Pferdefleisch essen, könnte daran liegen, dass es früher als „Arme-Leute-Essen“ galt. Das Pferd gehört zu den ältesten Nahrungsmitteln der Menschen, Höhlenmalereien weisen daraufhin, dass das Pferd ein beliebtes Beutetier in der Steinzeit war. Papst Gregor II. erließ 732 ein Verbot, Pferdefleisch zu essen. Heute aber verzichten viele Menschen aus moralischen Gründen auf den Verzehr dieses Fleisches.

Trotzdem ist der Andrang an Schneiders Marktstand groß, er ist der einzige Pferdefleisch-Anbieter auf dem Offenbacher Markt. Freitags kommen 90 Prozent Stammkunden, samstags lockt ein Grillstand die Laufkundschaft an. „Einige Kunden von weiter her machen sogar extra Tagesausflüge zum Wilhelmsplatz, nur um am Grillstand meine Spezialitäten zu kosten“, erklärt Schneider stolz. Seine Kunden begrüßt er mit einem herzlichen „Grüß dich“, erkundigt sich während des Verkaufs von Rossbratwurst und Pferdesalami nach dem Befinden der Frau.

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Am beliebtesten sind die Siede-, Fleisch und Schinkenwurst vom Pferd. In den Sommermonaten gehen besonders viele Bratwürste über den Tisch. Auch die Salami ist ein bei den Kunden begehrter Klassiker. Woher sein Fleisch kommt? Das weiß Schneider ganz genau. Die Pferde kommen von umliegenden Höfen der Metzgerei Schneider, die Herkunft der Tiere ist dem Familienbetrieb wichtig.

Alle 14 Tage schlachtet er die Tiere selbst. Das ist auch sein Erfolgsgeheimnis: „Bei mir wissen die Leute, was sie essen“, erklärt der Metzger. „...und sie empfehlen es dann auch weiter“, beendet ein Kunde Schneiders Satz und beißt beherzt in sein Siedewürstchen mit Senf.

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