Pferdekoppel hinter der Obermühle

Veterinäramt macht ernst

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„Waschbärin“ ist eine von neun Katzen auf dem Grundstück. „Katzenmama“ Sabine Cinner sorgte dafür, dass diese im Fall einer Räumung untergebracht werden. 

Bieber - Spaziergängern in den Bieberauen ist es schon aufgefallen: Von den drei Pferden auf dem Koppelgrundstück hinter der Obermühle ist nur noch eins übrig. Und das bietet keinen erfreulichen Anblick. Von Veronika Schade 

Wallach Primos hat eine chronische Bronchitis, atmet schwer, leidet neben der Krankheit an Einsamkeit. „Es tut mir weh, dass er der Leidtragende an dieser Geschichte ist“, sagt die einstige „Koppelkämpferin“ Sabine Cinner. Nun will das Veterinäramt eingreifen. Doch der Reihe nach: Fast zwei Jahre sind vergangen, seit die Stadt Pächter Gerhard N. die Räumung ankündigte, da Pferdehaltung auf diesem Gelände rechtswidrig sei. Seitdem kämpften er und seine Mitstreiterin um den Erhalt des Areals, unter anderem öffentlichkeitswirksam mit einer Unterschriftenaktion, bei der mehr als 1000 Menschen zugunsten des beliebten Bieberer Spaziergänger-Ziels signiert haben.

Seit genau 40 Jahren hält N. dort Pferde. Eine Duldung seitens der Stadt waren sein und Sabine Cinners erklärtes Ziel. Die 58-Jährige sprach mit Ämtern und Bürgermeister Peter Schneider. Viele Monate tat sich nichts. Doch als die Stadt erneut signalisierte, nicht von ihren Räumungsplänen abrücken zu wollen, wurde für Cinner die Lage zu unsicher. Sie brachte ihre Stute Hexe im Dezember in einem anderen Stall unter. N. verkaufte den schwarzen Wallach Paddy. Wohin, weiß seine Mitstreiterin zu ihrer Enttäuschung nicht. Dies und weitere Diskrepanzen führten zum Zerwürfnis: Cinner ist mittlerweile auf dem Gelände unerwünscht.

Cinner fühlt sich weiterhin verantwortlich

Für die Tiere fühlt sie sich weiterhin verantwortlich. Stets kümmerte sie sich um die freilebenden Katzen dort, von denen noch neun übrig sind. Nach wie vor hat sie ein Auge darauf, dass es ihnen gut geht. Mit Tierschutzvereinen ist sie in Kontakt und sie sorgte dafür, dass die Katzen im Falle eines Abrisses eine neue Bleibe bekommen. „Es gibt zum Glück Alternativen“, sagt sie erleichtert. Größere Sorgen bereitet ihr das Pferd Primos. Wegen seiner chronischen Bronchitis kriegt es nur noch schwer Luft, produziert asthmatische Geräusche, wirkt teilnahmslos. „Alleinsein ist für das Pferd als Herdentier völlig unnatürlich“, nennt Cinner noch einen Grund für den schlechten Zustand des 17-Jährigen. Sein Eigentümer kümmere sich nicht um adäquate medizinische Versorgung, sie selbst komme wegen des „Hausverbots“ nicht mehr an den Wallach heran. Es sei traurig, dass er nun so leiden müsse. „Hätte die Stadt uns die Duldung zugesagt, hätte es gar nicht so weit kommen müssen.“

Pferd Primos leidet an Bronchitis. Das Veterinäramt will eingreifen.

Trotzdem ruht ihre Hoffnung jetzt ausgerechnet auf der Stadt. Dem Veterinäramt. Dem hat sie mehrfach geschrieben und sogar ein Video geschickt, in dem Primos’ Atembeschwerden deutlich zu sehen sind. „Wir waren vergangene Woche auf dem Grundstück“, bestätigt Amtsleiterin Karin Haßinger. „Wir haben die Haltung dort im massiven Blick.“ Da es sich um eine laufende Maßnahme handele, will sie nicht mehr verraten. Nur so viel: „Es läuft eine Verfügung. Wir müssen dem Betroffenen etwas Zeit geben, sich zu äußern.“ Doch es sei denkbar, noch im Laufe dieser Woche Nägel mit Köpfen zu machen.

Sabine Cinner ist bereit, sich des Pferdes anzunehmen. „Wir hätten einen Platz, das Amt muss es nirgends unterstellen“, betont sie. Sie bietet sogar an, ihn zu kaufen – für mehr als den Schlachtpreis. „Wenn er richtig medizinisch versorgt wird, kann er es noch packen“, ist sie optimistisch. Wie auch immer es für Primos ausgeht – die Zeiten der Pferdekoppel in Bieber scheinen bald vergangen zu sein...

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