Große Mängel

Heimplatzsuche immer frustrierender: Pflegesystem in Hessen am Anschlag

Die Heimplatzsuche in Hessen wird immer frustrierender. Verbände können sich eine „Heimfinder-App“ gut vorstellen. (Symbolbild)
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Die Heimplatzsuche in Hessen wird immer frustrierender. Verbände können sich eine „Heimfinder-App“ gut vorstellen. (Symbolbild)

Es brodelt in Hessens Sozialverbänden: Der Notstand bei Pflegeheimplätzen, der zunehmende Fachkräftemangel und massive Zweifel am System der Pflegestützpunkte sorgen für wachsende Unruhe.

  • Pflege in Hessen am Anschlag
  • Heimplatzsuche immer frustrierender
  • Heimfinder-App könnte helfen

Offenbach – Aktueller Auslöser der Debatte übers kränkelnde Sozialsystem ist ein neidvoller Blick nach Nordrhein-Westfalen. Als erstes Bundesland wird dort eine App eingeführt, mit der flächendeckend und tagesaktuell freie Pflegeplätze angezeigt werden. Für Betroffene, die meist frustrierende Erfahrungen bei der Suche nach einem freien Heimplatz machen, ist das eine enorme Erleichterung. Nach Meinung von Caritas, Diakonie und VdK sollte das Projekt auch in Hessen genau unter die Lupe genommen werden. „Wir würden die Möglichkeit einer einfachen digitalen Suche nach Heimplätzen sehr begrüßen“, sagt Michael Klein, Caritasdirektor in Offenbach, auf Anfrage dieser Zeitung.

Pflegesystem in Hessen am Anschlag: Diakonie kann sich Heimfinder-App vorstellen

Auch Vittoria Brunetti, Pflegeexpertin bei der Diakonie Hessen, kann sich eine App für Hessen vorstellen und erläutert: „Wichtig wäre es, dass es eine zentrale App gibt und nicht unzählige verschiedene. Denn bereits heute gibt es ähnliche Portallösungen.“

Ähnlich der Sozialverband VdK Hessen-Thüringen: „Alles, was die schwierige Suche nach einem Pflegeplatz erleichtert, wird von uns begrüßt.“ Verbandssprecher Gerd Fischer: „Wichtig ist auch, dass Menschen, die keine App bedienen können, entsprechende Unterstützung bei der Pflegeplatzsuche erhalten.“

Pflege in Hessen unter Druck: Ministerium tritt bei Heimfinder-App auf die Bremse

Dagegen steht das Sozialministerium in Wiesbaden beim Thema „Heimfinder App“ auf der Bremse. Das Angebot an Unterstützungsmöglichkeiten sei in Hessen ausreichend, heißt es. Versicherte könnten sich bei ihrer Pflegekasse über die Beratungsmöglichkeiten informieren. Zudem wird auf die Pflegestützpunkte in allen Landkreisen verwiesen. Betroffene könnten dort Infos über pflegespezifische Themen und über Heimplätze einholen. Das Unterstützungsnetzwerk werde nun weiter ausgebaut, heißt es aus dem Pressereferat des Sozialministeriums.

Wie überfällig das ist, machen die Sozialverände deutlich. Laut Caritas fehlen längst Kapazitäten für eine flächendeckende Beratung von Pflegebedürftigen; auch sei sie oft nicht individuell genug. Caritas-Direktor Klein: „Gerade weil die gesetzliche Lage zu den verschiedenen Anspruchsmöglichkeiten der Pflegebedürftigen hoch komplex und undurchsichtig ist, muss eine gute Beratung gewährleistet sein. Bei dem System der Pflegestützpunkte besteht ganz klar Handlungsbedarf seitens der Landesregierung.“

Diakonie zum System der Pflegestützpunkte in Hessen: „Mangelhaft“

„Mangelhaft“ benotet es auch die Diakonie Hessen. „Es gibt nicht genügend Pflegestützpunkte“, bestätigt Pflegeexpertin Vittoria Brunetti. In Rheinland-Pfalz sei das System bürgernäher; die Stellen seien dort zudem mit Mitarbeitern der Sozialarbeit oder mit ähnlich Qualifizierten besetzt.

Rüge auch vom VdK: Er tritt vehement für die personelle Aufstockung der zentralen Pflegestützpunkte sowie den Ausbau von Zweigstellen in der Fläche ein – „damit wohnortnah Ansprechpartner zur Verfügung stehen“, so Verbandssprecher Fischer. Neben dem Ausbau von Informationsangeboten ist aus Sicht des Sozialverbands entscheidend, dass der überall deutlich spürbare Fachkräftemangel angegangen wird. Der Verband fordert daher in Hessen eine Ausbildungsoffensive.

VON PETER SCHULTE-HOLTEY

Offenbar im Zusammenhang mit den neuen Pflegepersonaluntergrenzen in Krankenhäusern ist es im osthessischen Landkreis Hersfeld-Rotenburg zu einem Todesfall gekommen.

Einem chronisch kranken Mann aus Offenbach geht es immer schlechter. Die Krankenkasse sorgt mit ihrer Entscheidung für Entsetzen.

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