Pflegende auf der Suche

Offenbach ‐ Wenn die Oma den Opa pflegt, oder eine Tochter ihre Mutter, werden sie dafür mit Pflegegeld entschädigt. Etwa halb so viel wie ein professioneller Pflegedienst kostet das die Pflegekassen jeden Monat. Ob die zu pflegende Person auch optimal versorgt wird, müssen Pflegedienste regelmäßig überprüfen. Von Katharina Platt

Alle sechs, bei Pflegestufe drei sogar alle drei Monate, kommen die Pflegeberater zu den Familien ins Haus, überprüfen die Pflegeleistung und beraten die Angehörigen. Diese Leistung und damit die gesamte ambulante Pflege stellt der Caritasverband Offenbach nun ein. „Der ganze Pflegebereich wird umstrukturiert“, erklärt Ute Kern-Müller, Pflegedienstleiterin bei der Caritas.

Und auch der ambulante Pflegedienst, also die häusliche Pflege durch professionelles Personal, wird ab 1. Januar eingestellt.

Stattdessen will die katholische Hilfsorganisation neue Schwerpunkte setzen und sich dazu von alten Strukturen lösen. Genaue Angaben, was sich im neuen Jahr bei der Caritas ändern wird, wollte Ute Kern-Müller noch nicht verraten.

Diakonie für viele Patienten die favorisierte Alternative

Mit einem Brief hat der Verband den Patienten mitgeteilt, dass die ambulante Pflege und die Pflegeberatung gestrichen wird. Eine Liste mit Adressen anderer Pflegedienste und der Hinweis, man würde die Patienten bei der Suche nach einem neuen Dienst unterstützen, war angefügt.pfelge

Nun steht das Telefon der Diakoniestation in der Ludo-Mayer-Straße nicht mehr still. Als einziger weiterer kirchlicher Anbieter, stellt die Diakonie für viele Patienten die favorisierte Alternative dar. Weil auch bei ihr die Kapazitäten begrenzt sind, musste Pflegedienstleiterin Divna Krauss einige Anrufer an andere Pflegedienste verweisen. Elf Patienten konnte sie in die ambulante Pflege übernehmen und 12 Angehörigen eine regelmäßige Pflegeberatung zusagen.

Mitarbeiter müssen sich hingegen nicht sorgen

Was möglich ist, haben wir gemacht“, so Divna Krauss. Sogar ihren Urlaub im neuen Jahr haben einige Pflegedienstmitarbeiter zurückgestellt, um die Flut an neuen Patienten bewältigen zu können. 90 Patienten hat die Diakonie bisher professionell gepflegt. 2010 werden es über hundert sein. Die etwa 90 Angehörigen, die regelmäßig von der Caritas beraten wurden, müssen sich nun an einen anderen Dienst wenden. „Es ist unser Wunsch, dass alle Patienten und Kunden gut unterkommen“, betonte Ute Kern-Müller.

Die Mitarbeiter müssen sich hingegen nicht sorgen: Alle neun, von der Umstrukturierung betroffenen, bleiben Angestellte der Caritas. Sie werden im unstrukturierten Pflegebereich eingesetzt oder bei den Pflegestationen der Caritas im Kreis unterkommen.

Die pflegenden Angehörigen müssen sich nun also nach neuen Beratern umsehen. Dies wird vielleicht nicht ganz so einfach wie die Suche nach einem neuen Pflegedienst, denn nicht jeder bietet die schlecht bezahlte und aufwendige Beratung, die jedoch gesetzlich vorgeschrieben ist, an.

Rubriklistenbild: © dpa

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