Von der Pflicht befreit

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Rumpenheim (mk) - Die Freiwillige Feuerwehr Rumpenheim verfügt über einen ausgewählten Fuhrpark. Dazu gehören unter anderem Mehrzweck- und Schlauchboot, Hilfeleistungslösch- und Löschgruppenfahrzeug. Die Fachleute rasseln die gängigen Abkürzungen runter: HLF 10, LF 8/6, LF 16 TS.

Der Laie erstarrt da heute ehrfürchtig. Als die Feuerwehr Rumpenheim 1872 gegründet wurde, war das anders. Da bestand die Ausrüstung aus ein paar Feuerleitern, Feuerhaken sowie einer Pumpe, die mit Muskelkraft zu bedienen war.

Das einzige, was in großer Zahl vorhanden war, waren Ledereimer. Diese wurden mit dem sogenannten Feuergeld beschafft, das jedes neuvermählte Paar zu zahlen hatte. Auch im Personalwesen hat sich einiges geändert: Seinerzeit gehörte jeder Rumpenheimer per Gesetz zur sogenannten Pflichtfeuerwehr. Half er nicht bei der Brandbekämpfung, „drohten hohe Geldstrafen“, heißt es in Festschriften.

Bei Alarm musste jeder Mann helfen

Bei Alarm musste jeder Mann helfen. Fernbleiben war nicht gestattet. Bei Krankheit war für Ersatz, die Ehefrau oder ein anderes Familienmitglied, zu sorgen. Geschah das nicht, war eine Strafe fällig: 1 Gulden und 30 Kreuzer, für die damalige Zeit eine hohe Summe.

Es bedurfte strenger Disziplin, um mit der bescheidenen Ausrüstung einen Brand zu bekämpfen, der leicht das ganze Dorf vernichten konnte. Alarmiert wurden die fünf sogenannten Löschrotten (Rettung, Pumpe, Löschen, Wassertransport, Meldeläufer) durch das Läuten zweier Kirchturmglocken, wenn es im Ort brannte. Läutete lediglich eine Glocke, brannte es außerhalb Rumpenheims.

Diese strengen Vorschriften stammen aus dem Jahr 1872, als sich mehrere Rumpenheimer zusammenschlossen, um bei einem Feuer freiwillig zu helfen und nicht länger aus der gesetzlichen Pflicht heraus. Es ist möglich, dass die Gründungsmitglieder aus der Schlosswehr stammten, einer privaten Feuerwehr zum Schutz des landgräflichen Schlosses. In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts zählte eine Namensliste 84 Männer der Pflicht- und 15 Männer der Freiwilligen Feuerwehr auf. Ob dabei die Männer der Schlosswehr eingeschlossen sind, lässt sich heute nicht mehr feststellen.

1912 der größte Brand in Rumpenheim

Nach der Chronik brach in der Nacht zum 26. Mai 1912 der größte Brand in Rumpenheim aus: Die Feuersbrunst in der Möbelfabrik Kann konnte im 40. Jahr des Feuerwehr-Bestehens nur mit Hilfe der Wehren aus Bürgel, Mühlheim, der Frankfurter Berufsfeuerwehr und der Cassella-Werksfeuerwehr erst nach Tagen völlig gelöscht werden. Der größte Arbeitgeber (etwa 300) im Ort brannte bis auf die Grundmauern nieder, der Schaden belief sich auf 142 500 Goldmark – eine gewaltige Summe.

Die Rumpenheimer Wehr feiert das 140-jährige Bestehen am Samstag, 20. Oktober, im Bürgerhaus. Der gesellige Festabend mit Musik, Tanz und dem Duo Chic beginnt um 19.30 Uhr. Charly Engert moderiert. Der Eintritt kostet acht Euro.

Ebenfalls dargelegt sind die Standorte der Rumpenheimer Floriansjünger: zunächst das Gerätehaus in der Prinz-Georg-Straße, von 1981 bis 2010 das denkmalgeschützte ehemalige Marstallgebäude des Schlosses, heute die neue Wache am Mainzer Ring, „welches alle Anforderungen in Punkto Unterbringung, Lagerung und Unfallschutz erfüllt“. Es ist das bislang letzte Kapitel der Wehrhistorie. 

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