Wenn Physik Spaß macht

Offenbach ‐ Sie sehen aus wie zwei Kurven aus einer Holzeisenbahn. Aneinander liegen sie so auf dem Tisch, dass ihre unteren Enden miteinander abschließen. Um den Tisch herum steht eine Gruppe Zweitklässler und schaut fragend auf das, was da vor ihnen liegt. Von Georg Buschmann

Ein Stück ist deutlich größer als das andere, das scheint klar zu sein. Trotzdem sagt ein Mann im roten T-Shirt: „Beide Stücke sind gleich groß.“ Eine optische Täuschung sei dort aufgebaut. „Unser Auge kann nur die beiden nebeneinander liegenden Seiten miteinander vergleichen.“ Weil hier die (lange) äußere Seite der einen Kurve an die (kurze) innere der anderen grenzt, entsteht der Eindruck, die Teile seien unterschiedlich groß.

Die staunenden Kinder sind Schüler der Grundschule Bieber. Gestern tauschten sie das Schulgebäude gegen das KOMM-Einkaufscenter im Stadtzentrum. Noch bis Freitag, 19. Februar, sind dort elf Exponate zum Thema Technik ausgestellt. Die Besucher können sich etwa in einen Verzerrspiegel betrachten, Bälle schweben lassen oder optische Täuschungen entdecken.

„Könnten noch ein paar Dinge mehr sein“

Der Mann im roten T-Shirt ist der Flensburger Student Helge Thull. Er organisiert die Ausstellung und sagt, Kinder würden bei den Experimenten meist intuitiv das Richtige tun. Erwachsene seien oft zu „verkopft“.

Gebaut wurden die Exponate von Studenten der Universität Flensburg. Das Einkaufszentrum hat sie gemietet und stellt sie - für die Besucher kostenlos - aus. Eigentlich sei die Ausstellung noch größer, so Thull. Weil aber vor Ort nicht genug Platz ist, musste sie abgespeckt werden.

Die Lehrerin der Klasse 2c, Brigitte Schäfer, findet das schade. „Es könnten noch ein paar Dinge mehr sein, damit man hier eine ganze Stunde verbringen kann.“

Ihre Grundschüler mussten sich jeweils zu zweit ein Ausstellungsstück anschauen und es heute in der Schule erklären. Sie sollten lernen, Dinge genau zu beschreiben. Die Experimente selbst seien jedoch nicht Teil des Unterrichts, so Schäfer. „Hier dürfen die Kinder einfach selbst über das Ausprobieren Freude an der Physik haben.“

Stangen, auf denen eine Metallkugel ruht

Lola aus der 2c hat die Abwechslung vom Schulalltag gut gefallen. Das aufgeweckte Mädchen hat sich zum Erklären einen Lüfter ausgesucht, über dem sie einen Ball schweben lässt. „Wegen der kalten Luft kann der fliegen“, sagt sie bestimmt. Aber nicht alles fand bei ihr so viel Gegenliebe. Der Tastpfad, bei dem sie Gegenstände erfühlen musste, sei „langweilig“ gewesen. „Und bei manchen Sachen habe ich nicht verstanden, was ich machen muss.“ Aber dafür ist ja Helge Thull da. Er erklärt ihr jetzt, wie sie mit Bauklötzen möglichst weit über eine Kante hinweg baut, ohne den Boden zu berühren.

Ihr Mitschüler Koranit versucht sich derweil an einem Gebilde mit zwei Stangen, auf denen eine Metallkugel ruht. Konzentriert schiebt er die Stangen an einem Ende so auseinander, dass die Kugel sich bewegt. „Das liegt an der Schwerkraft“, sagt der Zweitklässler stolz und lacht. „Man darf aber nicht zu weit aufmachen.“ Und er demonstriert, dass die Kugel dann aus ihrer Halterung fällt. „Später will ich mal Physiklehrer werden“, erzählt er und strahlt über das ganze Gesicht.

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