Phantom heult am Kaiserlei

Offenbach (mad/ale) ‐ Es war ein Signalton, den es eigentlich nicht mehr hätte geben dürfen, der in der Nacht zu gestern zahlreichen Offenbachern den Schlaf raubte.

Gegen 0.35 Uhr begann aufgrund eines technischen Defekts eine Sirene auf dem ehemaligen Siemens-Hochhaus in der Berliner Straße zu heulen. Der gnadenlos auf- und abschwellende Ton war mehr als eine Stunde vom Dach des leer stehenden Gebäudes zu hören, erst gegen 1.45 Uhr gelang es der Feuerwehr, ihn abzustellen.

Das mit dem Abstellen hat so lange gedauert, weil es die Sirene eigentlich nicht mehr hätte geben dürfen“, erzählt Uwe Sauer, Chef der Offenbacher Berufsfeuerwehr. Denn Anfang der 90-Jahre wurden in der Stadt die bis dahin flächendeckend installierten Sirenen, die vor Feuer, Katastrophen und Kriegsangriffen warnen sollten, demontiert. Die auch technisch veralteten Relikte aus der Zeit des Kalten Krieges hielt man bundesweit für entbehrlich. Heute setzt man in Notfällen auf Durchsagen der Polizei und im Rundfunk.

Sauer: „1994 wurden die insgesamt 20 Geräte im Auftrag des Regierungspräsidiums Darmstadt von einer Privatfirma abgebaut. Das haben wir zwei Jahre später sogar schriftlich bekommen.“

Das Reinkommen ins Gebäude war das Einfachste

In der Liste befand sich auch die Sirene auf dem Siemens-Haus. „Zumindest wurde der Abbau von dem Unternehmen in Rechnung gestellt“, zitiert der Feuerwehrchef aus seinen Unterlagen.

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Weil da etwas heulte, was es offiziell nicht mehr gab, mussten die Feuerwehrleute bei ihrem nächtlichen Einsatz erst einmal klären, woher der Heulton kam. Als das klar war, konnten die Einsatzkräfte loslegen. Wobei das Reinkommen ins Gebäude noch das Einfachste war. Hatten die Brandschützer doch einen Schlüssel fürs Hochhaus. Den Knopf zum Ausschalten der Sirene zu finden war schon schwieriger. Bewaffnet mit einer Taschenlampe suchten sie die unbeleuchtete Immobilie ab, bevor sie in der Pförtnerloge fündig wurden, den Schalter drückten und die Anwohner erlösten.

Viele Offenbacher haben bei uns angerufen, und das ist auch in Ordnung so. Es hätte ja alles mögliche passiert sein können“ hat Polizeisprecher Ingbert Zacharias Verständnis für die Aufregung der Anwohner.

Rubriklistenbild: © pixelio/Jürgen Treiber

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