Phileas Laoutides, ein Offenbacher mit griechischen Wurzeln

Weltbürger mit Heimatgefühl

+
„Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“ Länderbote Phileas Laoutides hat den Aufruf des „Hessischen Landboten“ ins Griechische übersetzt.

Offenbach - Eine Büste des griechischen Dichters Sophokles steht auf dem Tisch in dem großen, hellen Zimmer. Im Bücherregal liegt Homers „Ilias“ gleich neben den Fabeln des Äsop. Man ahnt, da wohnt jemand mit Beziehung zu Griechenland. Von Sebastian Schwarz

Am Schreibtisch sitzt Phileas Laoutides, Offenbacher mit griechischen Wurzeln. Er gehört zu den 111 „Länderboten“, die in der gleichnamigen Austellung im Klingspormuseum vertreten sind. 1975. Als junge Studenten kommen Phileas’ Eltern aus dem sonnigen Hellenenstaat in die Bundesrepublik. Sein Vater stammt aus Thessaloniki, die Mutter von der Insel Korfu. Kennen lernen sich die beiden in Offenbach, wo einige Jahre später Sohn Phileas geboren wird. Und der ist, im Gegensatz zu manchem Offenbacher, durchaus stolz auf seine Heimatstadt. „Ich mag Offenbach sehr“, sagt er. Geht es nach ihm, ist der schlechte Ruf unbegründet. „Die Stadt hat sich sehr gewandelt. Hier gibt es noch unglaublich viel Potenzial zu entdecken“, glaubt der Architekturstudent.

Wie dieses genutzt werden kann, dafür hat er eine Idee. „Die Stadt sollte sich mehr trauen. Vor allem sollte sie mehr Vertrauen in die Wünsche und Ideen der Bürger setzen“, so seine Empfehlung an die Stadtoberen. Mit 16 anderen Studenten, Architekten, Designern und Künstler lebt Laoutides im Wohnbüro, einem Atelier in den ehemaligen Räumen der Industrie- und Handelskammer. Die Türen stehen jederzeit jedem offen. „Wir haben ein freundliches und familiäres Miteinander“, sagt er. Ihn erinnert das an das Miteinander in Griechenland. „Dort hat die Familie einen hohen Stellenwert“, erzählt er. „Der Zusammenhalt ist stark, man unterstützt sich gegenseitig. Zur Familie gehört auch der Freundeskreis.“ In Deutschland hingegen hat er den Eindruck, dass man die Familie kleinschreibt: „Vater, Mutter, Großeltern – das war’s.“

Das Geburtsland seiner Eltern bereist der junge Mann, der sich als Kosmopoliten bezeichnet, jedes Jahr für zwei Monate. In Athen, Korfu und Thessaloniki besucht er Onkel, Tanten, Cousins, Cousinen und Großmutter. Nach seinem Abitur 2010 ist er ein halbes Jahr dort gewesen. „Ich hatte einfach Lust, die Heimat meiner Eltern besser kennenzulernen“, erzählt Laoutides. In der Zeit war er auch in der Hauptstadt Athen. Was er dort gesehen hat, war für den heute 22-Jährigen ein Schock. Damals wütete die Eurokrise mit voller Härte. „Viele Läden waren geschlossen, auf den Straßen waren überall Bettler“, erinnert er sich. „Es gab unheimlich viel Armut, viele Jugendliche haben ohne Job auf der Straße gesessen.“ Besonders ärgert ihn, dass seiner Meinung nach nichts von der Hilfe aus Europa bei der Bevölkerung ankommt. „Das Geld verschwindet einfach in den Banken“, glaubt er. Dennoch ist er überzeugt, dass Griechenland gestärkt aus der Krise hervorgehen wird. „Jede Krise bringt neue Lösungswege zutage“, ist der junge Mann zuversichtlich.

Nacht der Museen in Offenbach

Nacht der Museen in Offenbach

Auf seine nächste Reise nach Griechenland freut Laoutides sich schon. Nächstes Jahr Ostern ist es soweit. „Im Frühjahr ist es am schönsten. Das sollte man einmal im Leben gesehen haben.“ Besonders angetan hat es ihm neben der frühjährlichen Farbenpracht auch das Meer. „Die warme, salzige Meeresluft, einfach mit Freunden nach der Arbeit ins Wasser zu steigen und eine Runde zu schwimmen – das vermisse ich sehr bei uns“, sagt Laoutides mit ein wenig Fernweh in der Stimme. Seinen kommenden Urlaub will er aber nicht nur am Strand verbringen. Der passionierte Wanderer hat sich vorgenommen, auf die Gipfel des Olymp zu steigen, des höchsten Gebirges im Land und zugleich mythischer Sitz der olympischen Götter rund um Göttervater Zeus.

Mehr zum Thema

Kommentare