Pioniere am Feldherrnhügel

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Passt: Arbeiter bestücken im Werk in Portugal den noch nicht ganz fertigen Elektro-Bus versuchsweise schon mal mit einem Paket Batterien.

Offenbach ‐ Volker Lampmann steht unter Strom. Kein Wunder, die Zeit drängt. Bis zum 30. Juni müssen er und sein Team von der Leitstelle Elektromobilität bewiesen haben, dass es funktioniert mit einem bundesweit einzigartigen Projekt im Herzen der Stadt. Von Matthias Dahmer

Dann läuft nämlich das Förderprogramm aus, das der Bund der Modellregion Rhein-Main spendiert hat und zu dem das Vorhaben gehört. Unterhalb des sogenannten Feldherrnhügels, auf dem freien Platz an der Ecke Berliner Straße/Schlossstraße, sollen „ab Mitte März, spätestes Ostern“, so Leitstellen-Chef Lampmann, ausleihbare Elektro-Fahrräder und Strom-Autos den mobilen Offenbacher zum Umstieg auf den Antrieb der Zukunft bewegen. Demnächst beginnen auf dem Areal die Vorarbeiten dafür. Geplant sind der Bau einer Elektro-Tankstelle für zwei dort stationierte stadttaugliche Stromer des norwegischen Modells Think City sowie drei abschließbare Fahrradboxen, in die jeweils fünf E-Räder, sogenannte Pedelecs, passen. „Wir werden drei verschiedene Typen von Pedelecs anbieten“, sagt Janine Mielzarek von der Leitstelle.

Wie es genau ablaufen wird mit der Ausleihe der lautlosen Fortbewegungsmittel und was es den Kunden kostet, steht im Detail noch nicht fest. Weil der Rhein-Main-Verkehrsverbund mit im Boot ist, wird die Buchung der Fahrzeuge wohl über die RMV-Mobilitätszentrale laufen. Für die Autos ist ein Car-Sharing-System vorgesehen. Bei den Preisen will man „nicht deutlich teurer sein als die herkömmliche Leihgebühr“, formuliert Janine Mielzarek.

„Wir müssen Neugierde erzeugen“

Volker Lampmann legt Wert auf die Feststellung, seine Leitstelle leiste mit dem Projekt absolute Pionierarbeit. So müssen etwa die in Serie gefertigten Pedelecs für die Nutzung im Massenbetrieb umgerüstet werden. Sie erhalten größere Steckdosen, damit sie in den Boxen problemlos aufladbar sind. Vorgesehen ist, dass der Nutzer beim Zurückbringen das E-Rad mittels in der Box installiertem Stecker wieder ans Stromnetz hängt. Ob das so funktioniert und wie praktikabel das alles überhaupt ist - auch das gehört zur Pionierarbeit der seit Sommer 2009 in Offenbach angesiedelten Leitstelle.

Das Ausprobieren ist so etwas wie der Grundgedanke, mit dem die Modellregion Rhein-Main, eine von bundesweit acht, angetreten ist. Volker Lampmann: „Unsere Aufgabe ist die Marktvorbereitung, das heißt, wir müssen auch Neugierde erzeugen.“

Status Leitstelle noch bis 31. August

Das soll auch der wohl wichtigste Baustein, das Sahnehäubchen auf dem regionalen elektromobilen Konzept: der erste reine E-Bus Deutschlands in Standardlänge (zwölf Meter). Er soll auf der Linie 103 zwischen Mühlheim und Frankfurt rollen und wird derzeit von der Firma Caetano Bus in Gaia bei Porto in Portugal hergestellt. Vertreiber ist die Contrac GmbH in Wiesbaden. Auf Basis eines Modells, das weltweit im Flughafen-Vorfeldverkehr eingesetzt wird, bauen die Portugiesen eine Elektroversion, dessen Heck mit sieben, insgesamt 1750 Kilo schweren, Batterie-Paketen bestückt ist. Volker Lampmann hofft, dass in den nächsten Tagen die Botschaft aus Portugal kommt, dass das Fahrzeug fertig ist. „Nach Testfahrten braucht der Bus dann noch die Zulassung“, sagt der Leitstellen-Chef. Er geht davon aus, dass der symbolträchtige 103er zeitgleich mit den Fahrzeugen auf dem Feldherrnhügel zur Verfügung steht.

Den Status der Leitstelle Elektromobilität hat Offenbach formell nur noch bis zum 31. August dieses Jahres. Wie es dann weitergeht, ist offen. Da es aber erklärter Wille des Bundesverkehrsministeriums ist, bei der Technologie nicht abgehängt zu werden, sprich: sie weiter zu fördern, und das Lampmann-Team an Folgeprojekten bastelt, ist der Blick in die Zukunft ein positiver.

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