Pioniere am Waldrand

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Allen Unkenrufen zum Trotz tut sich was in Waldheim-Süd. Die Wände des ersten privaten Hauses erheben sich auf dem erschlossenen Gebiet, auf öffentlichen Flächen geht es schon um Details wie die Gestaltung des Kinderspielplatzes.

Offenbach - Mitten auf der riesigen freien Fläche erhebt sich ein künstlicher Hügel mit einer Kinderrutsche. Landschaftsgärtner sind momentan dabei, den Boden um Zierfelsen herum zu gestalten. Von Thomas Kirstein

Sackgassen führen ins Nichts, das aber gut beleuchtet. Der Weg quer übers Areal will, wie die frisch gesetzten Ahorn-Bäumchen zeigen, einmal eine richtige Allee werden. Ein Verkehrskreisel ist üppig mit Lavendel bepflanzt. Und nicht weit davon beweisen endlich vier Wände und ein Dach, dass teils hämischer Spott über ein weiteres gescheitertes Offenbacher Projekt verfrüht war. Was viele Ende vergangenen Jahres nicht für möglich hielten: In Waldheim-Süd ist das erste Richtfest gefeiert worden.

Die vierköpfige Familie eines Bankmitarbeiters verwirklicht sich dort auf 450 Quadratmeter Grund ihren Traum vom Eigenheim, das ihnen 173 Quadratmeter Wohnfläche bieten wird. Der Börsenhändler ist vor 15 Jahren aus Hamburg ins Rhein-Main-Gebiet gekommen. Noch wohnt er mit Frau und Kindern in einer Wohnung in Tempelsee. Man hat in Offenbach gesucht; da sich Bürgel-Ost wegen der Eigentumsverhältnisse verzögert, kam Waldheim ins Spiel. Nähe zum Wald, gute Anbindung, großzügige Grünplanung gefielen. Im Herbst soll Einzug sein. „Wir hoffen, dass wir nicht allzu lang dort allein sind“, sagt der Bauherr.

Sie werden nicht auf Dauer einsam in der neuen Heimat am Waldrand bleiben. Dieter Lindauer, Prokurist der Stadtwerke-Holding (SOH) und zweiter Geschäftsführer der Offenbacher Projektverwaltungs GmbH, kann die Familie beruhigen: Im Mai ist Baubeginn für drei „Kettenhäuser“ (Einzelhäuser mit Nebenräumen als Verbindungsgliedern) und fünf Reihenhäuser eines großzügigen, acht Meter breiten Typs.

Die Pionier-Familie von Waldheim-Süd entspricht nahezu exakt dem Durchschnittsprofil aus einer Online-Marketing-Erhebung der Stadtwerke: Demnach haben an einem Neubau in Waldheim-Süd Interessierte ein gehobeneres Einkommen, im Durchschnitt zwei Kinder (aller Altersstufen von der Krippe bis zum Gymnasium), liebäugeln mit energiesparender Bauweise - und drei Viertel von ihnen wohnen bereits in Offenbach.

In der nächsten Woche werden die Stadtwerke eine große Vermarktungs-Kampagne starten. Details will Lindauer noch nicht verraten. Beispielsweise den neuen Namen - die Notlösung „Waldheim-Süd“ hat ausgedient.

Sicher ist: Schon die 7,6 Hektar des ersten Bauabschnitts mit seinen 120 fertig erschlossenen Grundstücken werden von Vielfalt und Großzügigkeit geprägt sein. In der Preisspanne von 210 000 und 320 000 Euro gibt es Einfamilien-, Doppel, Reihen- und Kettenhäuser. Hinzu kommen 80 Einheiten im Geschosswohnungsbau.

Der Quadratmeter der unterschiedlich großen Grundstücke kostet zwischen 360 und 400 Euro. Sind einmal alle Parzellen verkauft, war der erste Teil des Projekts Waldheim-Süd für die Stadtwerke ein Nullsummenspiel: Der Erlös von 13,5 Millionen Euro deckt die Beseitigung des alten Wohngebiets Lohwald wie die Erschließungskosten.

Selbst an der Aussicht auf ein solches Ergebnis war längere Zeit zu zweifeln. Ursprünglich wollte die Stadt-Firma Rumpenheim-Südwest das Areal analog zum Baugebiet vermarkten, dem sie ihren Namen verdankt: durch bestmögliche Ausnutzung des vorhandenen Raums dank kleiner Grundstücke für uniforme Reihenhäuser mit bescheidenem Platzangebot. Für diese Offerte blieb die Kundschaft aber aus. Man zog die Notbremse; die Firmen-Mutter Stadtwerke soll’s mit neuem Konzept richten.

„Wir wollten mit dem Aufschlag hohe Qualität vorgeben“, begründet SOH-Chef Joachim Böger, warum es etwas länger mit dem Start gedauert hat. Einem Bauträger, der auf neun Grundstücken 14 Reihenhäuser in einfacher Bauweise errichten wollte, hat man abgesagt.

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