Frauenbeauftrage

Offenbach: Pionierin der Gleichstellung - Karin Dörr geht in Ruhestand

Am Freitag wird Karin Dörr 62 Jahre alt. Am morgigen Donnerstag hat sie ihren letzten Tag als Leiterin des Offenbacher Frauenbüros. 
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Am Freitag wird Karin Dörr 62 Jahre alt. Am morgigen Donnerstag hat sie ihren letzten Tag als Leiterin des Offenbacher Frauenbüros.

Seit mehr als 30 Jahren engagiert sich Karin Dörr in Offenbach für die Gleichberechtigung der Geschlechter. Morgen geht die Frauenbeauftragte in den Ruhestand. 

Offenbach - Im Gespräch mit unserer Zeitung blickt sie auf drei spannende Jahrzehnte zurück, in denen sich viel getan hat – an deren Ende aber noch längst nicht alle Probleme behoben sind.

„Anfang der 90er Jahre haben wir es mal auf der Seite Eins einer bekannten Boulevardzeitung geschafft“, erinnert sich Dörr. „Da lautete die Schlagzeile: ‘OB haut Fummlern auf die Finger’.“ Ob es nun eine Auszeichnung sei, in einem solchen Blatt zu erscheinen, wolle sie dahingestellt lassen. Aber eines zeigt die historische Schlagzeile ganz eindeutig: Dörrs Arbeit hat Wellen geschlagen. Ihr Frauenbüro im Rathaus war 1990 noch brandneu.

„Ich hab 1984 bei der Stadt angefangen“, richtet Dörr den Blick zurück. „In meinem Erstberuf bin ich Sozialarbeiterin gewesen und habe in der Beratungsstelle ‘Club 32’ für Jugendliche in Berufsnot gearbeitet.“ Fünf Jahre später wird in der Stadtverwaltung eine Stelle ausgeschrieben, die für Dörr schließlich zur Berufung werden soll: „Interne Frauenbeauftragte“ hieß sie damals noch. „Der Frauenförderplan war zu diesem Zeitpunkt etwa ein Jahr in Kraft gewesen, und es war meine Aufgabe, ihn für die Rathausbeschäftigten mit Leben zu füllen.“ Die konkrete Mission: Den Frauenanteil in der Verwaltung erhöhen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern. „Es gab auch erstmals eine Grundlage für Teilzeitbeschäftigung.“

Das Frauenbüro in seiner heutigen Form existiert damals noch nicht. Stattdessen herrscht in der Stadtverwaltung eine strikte Aufgabenteilung: Während Karin Dörr sich ausschließlich um die Belange der Beschäftigten im Rathaus kümmert, ist die Kommunale Frauenbeauftragte Ilona Hakert, die ein Jahr vor ihr eingestellt wurde, für die Bürgerinnen der Stadt zuständig. Grundlage dafür ist das Hessische Gleichberechtigungsgesetz.

Wenn sie auf ihre Anfangszeit – und die Schlagzeile in der eingangs erwähnten Boulevardzeitung – zurückblickt, fällt ihr sofort wieder ein, wie turbulent es damals zuging. „Es gab einen Tag der offenen Tür, und eine Bürgerin beschwerte sich, sie sei dort sexistisch angepöbelt worden.“ Anlass genug für Dörr und Hakert, im Rathaus ihre erste Fortbildung anzubieten. „Es ging darum, zu thematisieren: Was ist das eigentlich, sexistische Beleidigung, sexuelle Belästigung? Ein Arbeitgeber, eine Firma muss auf diesem Gebiet auch aktiv werden, und das hat der Oberbürgermeister uns damals zur Aufgabe gegeben.“ Tatsächlich habe eine Vielzahl der Kollegen teilgenommen.

„Wir haben uns damals auch spezielle Trainer dazugeholt“, erinnert sich Dörr.

2004 wechselt Ilona Hakert zu einem anderen Arbeitgeber. Das Frauenbüro ist inzwischen fest im Rathaus implementiert, und Karin Dörr übernimmt die Leitung. Seitdem hat sich in ihrem Arbeitsfeld einiges getan. Die Gleichberechtigung von Frauen und Männern ist inzwischen in vielen Köpfen angekommen. Beendet ist die Mission des Frauenbüros aber noch lange nicht.

Welche Baustellen es nach wie vor gibt? „Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist ein echter Dauerbrenner“, so Dörr. „Seit ich denken kann, ist das schon immer ein Thema.“

Einerseits findet sie es deprimierend, dass das Thema immer noch so sehr „in der Frauenecke verankert“ sei, andererseits gebe es aber auch immer mehr Väter, die sich miteinbringen wollten. „Ich bin hoffnungsvoll, aber wie haben im Büro oft das Gefühl, wir seien Gebetsmühlen.“ Zum Glück gebe es inzwischen auch Unternehmen mit eigenen Kitas. „Es gibt eine Bandbreite von tollen Entwicklungen“, räumt sie ein.

Im Ruhestand will Karin Dörr viel lesen und ihrer Leidenschaft für historische Themen nachgehen. Ihre Nachfolge als Leiterin des Frauenbüros wird die promovierte Soziologin Inga Halwachs aus Gelnhausen antreten.

(Marian Meidel)

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