Mit Pistole Sex erzwungen

Offenbach - Drei mutmaßliche Vergewaltiger aus Offenbach stehen seit gestern vor dem Landgericht. Vor zehn Jahren begann Stefan C. seine bisher einzige Karriere mit einer Sachbeschädigung. Von Marcus Reinsch

Dass sich der heute 26-Jährige seitdem kaum eine Gelegenheit entgehen ließ, tiefer im Sumpf der Kriminalität zu versinken, war gestern im Landgericht Darmstadt daran zu sehen, was man nicht sah: Der Richter verschwand fast hinter dem Aktenstapel mit C.s Vorstrafen. Körperverletzung, Beleidigung, Hausfriedensbruch, Drogenhandel – Er kam immer mit Jugendarrest, Geldstrafen und Bewährung davon. Darauf darf er nun nicht mehr hoffen, falls ihm bewiesen wird, was der Staatsanwalt in die Anklageschrift geschrieben hat.

C. soll in der Nacht vom 1. auf den 2. Juni 2007 in einer Offenbacher Wohnung Sarah L. eine Pistole an den Kopf gehalten und sie zum Oralverkehr gezwungen haben. Unter anderem. Mit auf der Anklagebank sitzen der Iraker Dilovan M., 25, und der Italiener Andrea B., 24, in dessen Appartement sich die Tat abspielte und der das Geschehen mit einem Handy gefilmt und das Opfer mindestens einmal angefasst haben soll. Als C. mit L. fertig war, soll M. die verängstigte Frau ins Bad gezerrt und unter Drohungen („Wenn du das jetzt nicht tust, weißt du, was passiert!“) anal vergewaltigt haben - bevor er und C. sie mindestens noch zweimal zu Oralsex nötigten.

Das Opfer tritt als Nebenklägerin auf; sie wird erst am 27. August aussagen, dem zweiten von vier angesetzten Verhandlungstagen. Die Angeklagten schwiegen zu den Vorwürfen, erzählten nur von ihrem Werdegang. Es sind haarsträubende Geschichten, die aber kaum als Mitleidsbonus taugen dürften.

Die kriminelle „Karriereleiter“ systematisch erklommen

Stefan C. wurde 1983 in Gotha geboren, wuchs mit seinem Bruder bei der Mutter auf, bevor die Familie 1988 zum Vater, einem reisenden Profiboxer aus Offenbach, übersiedeln durfte. Hier besuchte er die Friedrich-Ebert-Schule, machte den Hauptschulabschluss, brach 2003 die Realschule ab. Da hatte sein Vater das Weite gesucht, und die Mutter war mit ihrem Freund nach Bayern gezogen. C. arbeitete am Fließband, war mal Paketzusteller, mal Speditionsfahrer, bis er 2007 seinen Führerschein verlor - Unfallflucht. Ärzte bescheinigten ihm Arbeitsunfähigkeit. Bevor er sich wegen der Vergewaltigung von L. stellte, jobbte er im Lager, trank, rauchte täglich Haschisch – „10 bis 15 Gramm!“

Die Staatsanwaltschaft wirft Stefan C. weitere Taten vor. Am 5. Juli 2008 soll er, mit mehr als zwei Promille Alkohol im Blut, einem Rettungsassistenten vor der Notaufnahme der Städtischen Kliniken ins Gesicht geschlagen und getreten haben. Gegen seine Festnahme wehrte er sich, und als ein Polizist ihn am Spucken hindern wollte, biss er ihm in den Finger. Auch dafür, und für Beleidigungen wie „Wichser“, „Hurensohn“ und „Schwuchtel“, wird sich der damals mit Pfefferspray gebändigte C. verantworten müssen.

Andrea B., dessen im Jahr 2000 beginnendes Vorstrafenregister mehrmaliges Fahren ohne Führerschein, Raub mit gefährlicher Körperverletzung, Diebstähle, Betrug, Urkundenfälschung und Drogendelikte hergibt, kam als Neunjähriger mit Eltern und jüngerer Schwester nach Deutschland. Die Familie wohnte im Westerwald, dann in Offenbach, wo sich der Vater nach wenigen Jahren von der Mutter trennte. Die Hauptschule schaffte B. nicht, er ging lieber Jobben. Momentan arbeitet er für 420 Euro netto in einer Autowerkstatt, macht sich Hoffnung auf eine Ausbildung.

Dilovan M. kam Anfang der Neunziger nach Deutschland, seine Eltern holten ihn aus dem Irak nach. Er hat acht Geschwister und keinen Schulabschluss. Für die Hauptschule war er nach Ehrenrunden zu alt, die Gewerblich-Technische Schule in Offenbach brach er 2001 nach wenigen Monaten ab. Er arbeitete für einen Reifenhersteller, am Flughafen, war Warenhausdetektiv und zuletzt, bis zu seiner Festnahme, Eisenflechter auf einer Baustelle. Am Flughafen, sagte er, habe er es nach zweieinhalb Jahren bis zum stellvertretenden Schichtleiter gebracht. Doch dann ging’s um polizeiliche Führungszeugnisse, und das bedeutete den Rauswurf. Sein Vorstrafenregister berichtet von schwerer Körperverletzung, schwerer räuberischer Erpressung, Drogen und vorsätzlicher Trunkenheit im Straßenverkehr.

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