Plakate fördern Kulturaustausch

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Die Ausstellung kann bis zum 21. Mai täglich von 12 bis 20 Uhr in der Ausstellungshalle des alten Schlachthofs, Ernst-Griesheimer-Platz 7, besichtigt werden.

Offenbach ‐   „Herzlich willkommen in Offenbach“, rief Bernd Kracke seinen chinesischen Gästen in holprigem Mandarin zu, und diese quittierten den freundlichen Empfang durch den Präsidenten der Hochschule für Gestaltung (HfG) mit Beifall. Von Claus Wolfschlag

Offenbach ist nämlich im Mai der Austragungsort der 1. „Grafikdesign Biennale Deutschland China“ auf deutschem Boden. Dahinter verbirgt sich eine umfangreiche Ausstellung aktueller grafischer Werke aus beiden Ländern und eine dreitägige zweisprachige Vortragsreihe zum Thema in der Aula der HfG.

Ziel dieser Veranstalter-Kooperation der HfG und des Vereins „Deutsch-Chinesischer Kulturaustausch für Kunst und Design“ (DCKD) ist es, „die gegenseitige Faszination und das Interesse zweier großer Kulturnationen aneinander“ zu fördern. „Hierdurch wird der internationale Kulturstandort Offenbach weiter unterstützt“, sagte Kracke bei der Vorbesichtigung der Ausstellung. Und auch Jian Guo von der DCKD freute sich, dass deutsches Grafikdesign dadurch in China noch bekannter werde, ebenso wie chinesisches in Deutschland.

Mehr als 300 Plakate und 150 Bücher von mehrheitlich jungen chinesischen und deutschen Designern werden in der großen Halle des alten Schlachthofs präsentiert. Eine deutsch-chinesische Jury hatte die Arbeiten ausgewählt, die zu etwa zehn Prozent von Studenten stammen. Wellenartig werden die Grafiken in der hohen Backsteinhalle dem Besucher präsentiert – chinesische Plakate zuerst, dann eine deutsch-chinesisch gemischte Zone, dann eine Art Buchladen, der in eine deutsche Zone übergeht, um dann schließlich wieder in ein gemischtes Areal zu münden.

Die mehr als 100 Jahre alte Halle, zu ihrer Zeit das modernste Schlachthaus der Welt, wurde aus logistischen Gründen gewählt. „Wir sind leider nicht direkt in der City. Das ist ein Nachteil“, erläuterte HfG-Professor Klaus Hesse, der als organisatorischer Motor auf deutscher Seite fungierte. „Aber Offenbach hat eben nicht so viele angemessene Örtlichkeiten. Die Halle hat eine schöne Atmosphäre, kann wunderbar genutzt werden. Außerdem können wir die chinesischen Gäste hier im Hotel unterbringen.“

Die Offenbacher Veranstaltung ist der deutsche Gegenpart zur 1. Grafikdesign Biennale, die 2009 in der alten chinesischen Kaiserstadt Xi’an stattgefunden hatte. Xi’an ist mittlerweile eine Zehn-Millionen-Metropole, und insofern verwundert es nicht, dass die dortige Veranstaltung vergangenes Jahr fast 120 000 Besucher angezogen hat. Von dieser Größenordnung kann man in Offenbach nicht ausgehen, es sei denn, sämtliche Einwohner der Lederstadt würden zum früheren Schlachthof pilgern. „10 000 Besucher erwarten wir aber“, erklärte HfG-Präsident Kracke.

Auch Klaus Hesse ist zuversichtlich. Es gebe Anmeldungen von Chinesen, die die Schau besichtigen wollten; viele chinesische Studenten aus Mainz, Kassel, Darmstadt und Frankfurt hätten bereits Interesse bekundet. „Natürlich richtet sich die Ausstellung in erster Linie an ein Fachpublikum, denn sie ist von nationaler Bedeutung für die Fachszene“, erläuterte Hesse. „Darüber hinaus erwarten wir aber ein allgemeines Publikum, Besucher, die ein generelles Interesse an Grafikdesign und an China haben.“

Hesse betonte für die deutsche Seite die individuellen Grundlagen der Grafiken. Das Bauhaus und die Moderne hätten Unterschiede zwischen den Kulturen verwischt, die somit nur noch anhand der Schriftzeichen erkennbar seien, äußerte er während der Vorbesichtigung der Ausstellung.

Weit herkunftsbewusster legte Bi Xuefeng, Vorsitzender der bedeutenden Shenzen Graphic Designer Assiocation, Wert auf die unterschiedlichen Entwicklungen in West und Ost. „Tradition und moderne Technik sind heute im chinesischen Design verbunden“, sagte Bi Xuefeng. Das moderne chinesische Design sei allerdings jung, erst 20 Jahre alt. Natürlich liege das an kulturpolitischen Veränderungen der letzten beiden Jahrzehnte. Unter Mao sei alles politisch dominiert gewesen. „Heute herrscht in China ein starkes Denken in Business-Kategorien. Das aber hat auch Auswirkungen auf den künstlerischen Stil“, so der Vertreter des chinesischen Designer-Verbands. China habe dabei viel von Deutschland gelernt. Die Rezeption des Bauhaus-Stils sei in China viel stärker als gegenwärtig in Deutschland.

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