Aus für den plakativen Wildwuchs

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Hölzerne Dreieckständer mit zerfledderten und aufgeweichten Plakaten soll es in Offenbach bald nicht mehr geben. Die Werbe-Zukunft ist metallen (rechts).

Offenbach ‐ In nur wenigen Städten Deutschlands dürften Straßen und Kreuzungen derart üppig mit Reklameständern garniert sein wie in Offenbach. „In dieser Ausprägung ist das Phänomen in dieser Republik nur selten anzutreffen“, sagt Ordnungs- und Sauberkeitsdezernent Paul-Gerhard Weiß über die Vielfalt aus Werbeträgern. Von Thomas Kirstein

Illegal ist der momentan schwer unübersichtliche Zustand übrigens nicht. Veranstalter und Verkäufer haben in der Regel eine Gebühr entrichtet. Da die Legalität aber die Verschandelung nicht mildert, soll jetzt eine geänderte Satzung „über Sondernutzungen an öffentlichen Straßen und über Sondernutzungsgebühren“ dem Schilderwildwuchs ein Ende bereiten. Haupteffekt, wenn die Stadtverordneten zugestimmt haben: Die derzeit sehr häufigen, teilweise nur noch als Reste vorhandenen hölzernen Dreiecksständer werden - außerhalb von Wahlkampfzeiten - aus dem Stadtbild verschwinden.

Kommerzielle Anbieter vom Straßenrand wie Jeans-Geschäfte oder Autohäuser müssen künftig auf Flächen von Plakatwerbungsfirmen ausweichen. Private Kulturveranstalter wie den Wiener Hof soll der Bannstrahl aber nicht treffen.

Für Kulturveranstalter, Vereine und gemeinnützige Institutionen stehen metallene Ständer zur Verfügung, von denen die städtische Servicegesellschaft OSG 2008 die ersten hundert Stück angeschafft hat. Die Nutzung ist kostenpflichtig: Pro Tag und Plakat werden 27 Cent fällig, Vereine kommen 20 Prozent billiger weg. Je nach Menge und Aushängedauer können da schon 300 Euro zusammenkommen.

Sämtliche Werbedrucke, es geht nur noch das Format DIN A 1, sind dann bei Günter Doll und seiner Zentralen Kultur- und Sportverwaltung abzugeben. Verteilt und in die vorhandenen Rahmen gehängt werden sie von einem externen Dienstleister, dem die Stadt 20.000 Euro im Jahr dafür zahlt, dass er jede Woche die Standorte abfährt.

Metallständer haben sich laut Matthias Müller bewährt

„Die Kosten werden von den Gebühren gerade gedeckt werden“, sagt Pressesprecher Matthias Müller, der auch Chef der neuerdings für die Vermarktung zuständigen OSG ist. Vorher war die Vermietung solcher öffentlichen Flächen Sache des Ordnungsamts, dessen Leiter Peter Weigand aufatmet, dass nur noch die Politwerbung in sein Metier fällt: „Wir sind schon froh, dass wir das nicht mehr genehmigen müssen.“

Die Metallständer haben sich laut Matthias Müller bewährt. Dass von hundert nach anderthalb Jahren noch 90 intakt sind, nennt er eine gute Quote. Weitere 60 sind bestellt, allerdings nicht mehr wie bisher aus Aluminium, was sich als zu leicht erweisen hat. Jetzt kommt standfesteres Eisen auf die Gasse.

Weitere Werbeflächen sind noch Zukunftsmusik: Müller stellt sich Kulturlitfasssäulen an exponierten Stellen wie den S-Bahn-Ausgängen vor. Am Kaiserlei soll es einen acht Meter hohen „Kulturturm“ geben, auf dem für örtliche „Mega-Events“ getrommelt wird, etwa für die Capitol Classic Lounge oder die Bilderbuchausstellung im Klingspormuseum.

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