Noch viele Fragen offen

Marktplatzumbau: Planungen werden konkret

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Die Planungen für den Umbau des Marktplatzes gehen in die entscheidende Phase. Sehr emotional diskutiert wurde bereits am Montag im Politischen Salon. Heute Abend sind die Bürger und Einzelhändler in der Rudolf-Koch-Schule gefragt: Sie sollen sich an der konkreten künftigen Gestaltung beteiligen. Soll das Pflaster rot, gelb oder blau sein? Mit detaillierten Überlegungen sollen sich möglichst viele Offenbacher in die Entwurfsplanung für den künftigen Marktplatz einbringen. Im Politischen Salon wurde indes noch über ganz grundsätzliche Fragen nachgedacht.

Offenbach - Der Umbau des Wilhelmsplatzes ist abgeschossen, am Stadthof laufen die Arbeiten, das letzte große städtebauliche Projekt in der Innenstadt ist die für 2015 vorgesehene Neugestaltung des Marktplatzes. Von Fabian El Cheikh

Konkret geht es um die Einrichtung eines geteilten Raums („Shared Space“), in dem Fußgänger und motorisierter Verkehr gleichberechtigt sind.

Beim Politischen Salon von Arbeiterwohlfahrt und Volkshochschule am Montagabend skizziert SPD-Verkehrspolitikerin Ulla Peppler noch einmal die Zielvorgaben der Stadtplaner: „Das Tor zur Innenstadt soll attraktiver werden, der Durchgangsverkehr rausgehalten, der Platz besser als solcher erkannt und eine optische Verbindung von der Fußgängerzone in der Frankfurter Straße zum Wilhelmsplatz geschaffen werden.“

Einbindung der Bürger

War die Einbindung der Bürger beim Umbau des gastronomischen Karrees mit seinem beliebten Wochenmarkt noch begrenzt, hat die Stadt bei ihren 4,3 Millionen Euro schweren Plänen für den Marktplatz von Anfang an auf einen intensiven Dialog nicht nur mit Anliegern, sondern mit allen Einwohnern gesetzt. Unter der Maxime „Der Marktplatz geht uns alle an“ sollen sich möglichst viele mit ihren Wünschen und Ideen einbringen: S-Bahnfahrer, Radler, Fußgänger, Autofahrer, Gewerbetreibende, Parkhausbetreiber.

Konsens – das zeigte schon die Debatte über die Umgestaltung des Wilhelmsplatzes – ist da kaum zu erwarten, schon gar nicht bei so emotional besetzten Themen wie Verkehr und Einzelhandel. Wie schwierig es zugleich ist, Kompromisse zu finden, zeigt sich bei der Diskussion im Else-Hermann-Haus.

Auch dort sind sie alle vertreten: Der überzeugte Busfahrer, der am liebsten die Mainstraße komplett für den Individualverkehr sperren würde, der Radfahrer und Fußgänger, der sich mehr und breitere Wege wünscht, der Autofahrer, der die Innenstadt nur dann weiter ansteuert, wenn er sein Fahrzeug bis vors Geschäft steuern darf, die Marktbeschickerin, die am liebsten neue Parkhäuser bauen lassen würde, damit auch hohe Fahrzeuge hinein passen und der Architekturkritiker, der glaubt, eine Aufwertung des Marktplatzes gelinge nur, wenn unansehnliche Häuserfassaden gesprengt würden.

Maximalforderungen werden laut

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Maximalforderungen werden laut – und viel Kritik am bislang bekannten Verkehrskonzept. 2007 beschlossen, sieht es die ringförmige Erschließung der Innenstadt vor. „Darauf ist auch das neue Parkleitsystem ausgerichtet“, so Peppler. Das Konzept ziele vor allem auf eine Kappung des Durchgangsverkehrs: Wer von der Berliner Straße auf den Marktplatz abbiegt, wird nicht mehr bis zur Waldstraße durchfahren können. Gleichzeitig soll die Bieberer Straße vom Großen Biergrund her bis zum Wilhelmsplatz in beide Richtungen geöffnet werden. „Vorgesehen ist, dass Busse künftig den Wilhelmsplatz auch von der östlichen Seite aus bedienen“, ergänzt Moderator Bruno Persichilli. Das Publikum zeigt dafür wenig Verständnis: „Das war doch bisher auch nicht notwendig“, heißt es. Ein großes Verkehrschaos rund um Offenbachs schönsten Platz wird befürchtet: „Der Autoverkehr wird sich dann durch den Wilhelmsplatz drücken und dort stauen!“ Ob bei dieser Planung überhaupt noch Platz für den Radfahrer ist, will jemand wissen. „Schon jetzt müssen wir entweder verkehrswidrig gegen die Einbahnstraße fahren oder verbotenerweise den Bürgersteig benutzen.“ Eigentlich sollten, so die Ansicht vieler an diesem Abend, doch die Gehwege verbreitert und mehr Raum für Radfahrer geschaffen werden. „Dafür müsste aber die Bieberer schmaler werden, zwei Busse kommen dann nicht mehr aneinander vorbei.“

Die Ansicht, dass das Verkehrskonzept „noch nicht der Weisheit letzter Schluss ist“, vertreten auch die CDU-Politiker Dominik Mangelmann und Michael Weiland. So sehe das Konzept zwar eine Verkehrsberuhigung mit Maximalgeschwindigkeiten von 20 km/h vor, „das aber wäre mehr als dis bisher erlaubte Schrittgeschwindigkeit entlang des Wilhelmsplatzes“. Es gebe noch eine Reihe von Schwachstellen, wendet Weiland ein. „Die Bieberer Straße ist erst nachträglich einbezogen worden und wir sehen dort noch einige verkehrliche Herausforderungen aufgrund der Enge.“

Nackt im Auto? Was im Verkehr erlaubt ist und was nicht

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Weiland vertritt im Verein „Wir für Offenbach“ die gewerblichen Interessen im Zusammenhang mit dem in Arbeit befindlichen städtischen Masterplan für Wohnen, Gewerbe und Verkehr. Und genau diesem werde mit dem Marktplatzumbau vorweg gegriffen, kritisiert die CDU, die als einzige Fraktion im Stadtparlament das Vorhaben rundheraus ablehnt.

„Durchgepeitscht“ werde das Projekt, kritisiert Bauexperte Dominik Mangelmann, um noch rechtzeitig bis Ende 2014 die Fördermittel aus dem Landestopf „Aktive Kernbereiche“ abschöpfen zu können. „Hier werden die Fenster gesetzt, bevor die Wände stehen. Die Planung sollte so aufgebaut sein, dass der Platz am Ende funktioniert, und nicht aufgrund von Zeitdruck erfolgen.“ Ohnehin sei noch nicht geklärt, wie sich die Stadt die Beteiligung der Anlieger vorstelle. „Nach unseren Berechnungen müsste allein ,Koffer Roth’ 200.000 Euro zum Umbau beisteuern.“

Ulla Peppler wendet ein, dass die Stadt, „um wenigstens etwas verändern zu können“, auf Fördermittel angewiesen sei. „Die Geschäfte profitieren davon!“ Das hätten ähnliche Projekte in Frankfurt oder Mainz nachweislich gezeigt. Sie arbeite daran, die Meinungen der Menschen zu verändern, für die „alles besser werden muss, sich aber bloß nichts ändern darf“.

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