Nur auf Plastik in die neue Halle

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Eine wacklige Angelegenheit: Auf diesen Kugeln hüpften und balancierten die akrobatischen Scholl-Schülerinnen.

Offenbach - Die neue Turnhalle der Geschwister-Scholl-Schule (GSS) wird zwar nicht mit Samthandschuhen angepackt, darf aber nur mit Schuhüberziehern aus Plastik betreten werden. Von Katharina Hempel

Nur mit diesem blauen Einheitslook an den Füßen konnten sich die Besucher, Lehrer und Schüler, die gestern zur Einweihungsfeier gekommen waren, das neue Sportgebäude an der Erich-Ollenhauer-Straße von Innen anschauen. Immerhin: Einige hatten mitgedacht und ihre Sportschuhe oder Anti-Rutsch-Socken gleich mitgebracht.

Nachdem alle ihren Platz gefunden haben, lässt ein tosender Trommelwirbel die Halle erbeben. Ralf Sommer gibt den Takt vor, die zehn Schüler aus seiner Trommel-AG folgen ihm im gleichen Rhythmus.

Dieser musikalischen Einleitung folgen Ansprachen von Oberbürgermeister Horst Schneider und der Schulleiterin Fanni Mülot. Beide betonen ihre „Freude auf neue Möglichkeiten“. Und davon wird es in der neuen Halle künftig viele geben, hoffen die Verantwortlichen. Zwei Felder, die sich durch einen Vorhang trennen lassen, bieten mehr Raum für die Schüler, deren außerschulischen Aktivitäten und Vereine.

Turnhalle für Haupt- und Realschüler in 22 Klassen

Die alte Sportstätte der Integrierten Gesamtschule wurde vor ziemlich genau einem Jahr abgerissen. „Am fünften November 2010 fand hier unser letzter Sportunterricht statt“, erinnert sich Direktorin Mülot. Selbst mit einem besonders kreativen Lehrplan konnte sie auf dem einzigen Feld nicht alle Sportstunden für 560 teils ganztags unterrichtete Haupt- und Realschüler in 22 Klassen unterbringen.

Ein Neubau lohnte sich mehr als eine Sanierung der alten Halle, die ohnehin nicht mehr den Normen entspach. Dafür musste die Stadt aber auch tiefer in die Tasche greifen, eine Million Euro mehr als ursprünglich geplant ausgeben. Aber an den Gesamtkosten von 3,7 Millionen beteiligte sich auch der Bund mit 1,1 Millionen.

„Eine ganz neue Dimension“

Das neue Gebäude biete nun „eine ganz neue Dimension“ meint Schulleiterin Mülot. „Sie haben eben zum ersten Mal zwei Klassen gleichzeitig in dieser Halle erleben dürfen“, freut sie sich nachdem eine Einradformation um Verkehrshütchen gekurvt ist. Anschließend greift eine knapp 50 Schüler starke Tanzgruppe zu grünen Pom-Poms. Ausgestattet mit den wuscheligen Cheerleader-Utensilien tanzen sie unter Anleitung von Sportlehrerin Alice Schütte zu einem aktuellen Musikhit.

Der DJ hätte die Anlage noch viel lauter drehen können, die Anwohner hätten es wohl trotzdem nicht mitbekommen. Das verdanken sie dem Hanauer Architekten Rainer Krebs. An der Nordseite der neuen GSS-Halle gibt es keine Fenster und damit dringt weder Lärm noch Licht in das Wohngebiet, das an diese Seite angrenzt. „Wir haben bei unseren Planungen versucht, die Lärm- und Lichtemissionen gering zu halten. Der Verbrauch dieser Halle liegt nun 30 Prozent unter der Energiesparverordnung“, erläutert der Architekt.

Zum Ende folgt eine Akrobatiknummer. Statt in blauem Plastik balancieren die Füße der fünf Schülerinnen auf bunten Kugeln über den neuen Boden.

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