Suche nach Parkmöglichkeiten ein Glücksspiel

Platzmangel im Stadtzentrum

+
Das Podest eines Restaurants an der Groß-Hasenbach-Straße sorgt für Unmut.

Offenbach - Die Verkehrssituation an Schulen ist oft prekär, die Unfallgefahr entsprechend hoch. . Um das Chaos zu vermindern, rät die Stadt vom Mama-Taxi ab. Von Eva-Maria Lill

Dass es allerdings auch Fälle gibt, in denen allmorgendliche Lauf-Ertüchtigung keine Alternative ist, wird oft nicht bedacht. Besonders Schulen mit Inklusionsprogramm benötigen ausreichend Parkplatz, was in der Innenstadt nicht ganz so einfach umzusetzen ist. Wenn dazu noch Restaurantanlagen die Situation verschärfen, kochen die Gemüter hoch.

So bei Frau R., die ihre Enkelin regelmäßig von der Erich-Kästner-Schule abholt. Am Eingang Groß-Hasenbach-Straße gibt es laut ihrer Aussage während der Stoßzeit Falschparker en masse. Auf der einen Straßenseite besteht absolutes, auf der anderen eingeschränktes Halteverbot. Auf Höhe eines Lebensmittelladens dürfen bloß Anlieferer ihren Wagen abstellen. Zahl der regulären Parkmöglichkeiten: vier, plus zwei Behindertenparkplätze. Außerdem blockiert ein Restaurantpodest gut sechs Meter Fahrbahn. Besonders ärgerlich: Die fest installierte Außenanlage wird naturgemäß lediglich im Sommer genutzt.

„Die Erich-Kästner-Schule ist eine Grundschule, die auch Kinder mit Beeinträchtigung unterrichtet. Meine Enkelin leidet zum Beispiel unter einer Muskelschwäche und kann nicht meilenweit bis zum Schuleingang laufen“, empört sich R. Manchmal muss sie sogar auf das KOMM-Center ausweichen. „Sollen die Eltern in gebührenpflichtige Parkhäuser fahren? Das kostet Zeit und Geld, die sie sicher lieber für ihre Kinder einsetzen würden.“ Ausweichmöglichkeiten sind rar gesät. An der Bleichstraße muss ein Parkticket gezogen werden, für R. keine Alternative. Dort gilt: Sobald der Fahrzeugführer das Auto verlässt, muss er zahlen. „Solange nur das Kind aussteigt, gilt es als Halten, und man braucht kein Ticket“, erklärt Ordnungsamts-Chef Peter Weigand. Er rät, dass gesunde Kinder rechtzeitig üben, selbstständig zum Unterricht zu laufen. „Das entschärft die Situation. Parken an Schulen ist immer schwierig, besonders in der Innenstadt.“

Auch das Restaurantpodest hat seine Daseinsberechtigung – und das schon seit Sommer 2005. Nach der Antragsstellung wurde es von der Verkehrskommission genehmigt. Die gesetzliche Grundlage dafür ist seit vierzehn Jahren unverändert. „Damals hat man entschieden, dass der Wegfall zweier Parkmöglichkeiten an der Schule zu verkraften sei“, weiß Weigand. Die Suche nach dem richtigen Plätzchen fürs Auto bleibt also Glücksspiel. Wenn das Chaos überhandnimmt, sind eben ausreichend gesicherte Querungsmöglichkeiten und nachsichtiges (Fahr-) Verhalten gefordert.

Kommentare