Nur noch ein Bürgermeister im Landkreis Offenbach

Pleiten, Pech und Pannen: CDU verliert in der Region an Boden

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Sonntagabend im Heusenstammer Schlossrathaus: Landrat Oliver Quilling (Mitte) gratuliert dem SPD-Vorsitzenden Rolf Lang (links) und dem Wahlsieger Halil Öztas (rechts).

Offenbach - Die CDU stellt nur noch einen Bürgermeister im Landkreis Offenbach. Die SPD ist auf dem Vormarsch, auch parteilose und grüne Kandidaten liegen gut im Rennen. Es läuft schlecht für die Christdemokraten in der Region. Von unseren Redaktionen

Die jüngsten Wahlen in der Region waren ernüchternd für die CDU: In Neu-Isenburg geht der parteilose Herbert Hunkel in seine zweite Amtszeit. In Mainhausen regiert nach der Bürgermeisterwahl weiterhin Ruth Disser (SPD). Und am Sonntag setzte sich in Heusenstamm der SPD-Kandidat Halil Öztas bei der Bürgermeisterwahl gegen Uwe Giebl von der Union durch. Der einzige „schwarze“ Lichtblick in den vergangenen Wochen: Bei der Landratswahl im Kreis Offenbach wurde Oliver Quilling (CDU) am 27. September klar im Amt bestätigt. Was ist los mit den Christdemokraten zwischen Offenbach und Dieburg?

Offenbach

Die Christdemokraten sind aktuell die stärkste politische Kraft mit 22 Sitzen im Parlament. Das reicht aber nur für die Oppositionsrolle. Dass die CDU in der Lederstadt regierte, ist lange her: 1977 errang sie 48,5 Prozent und scheiterte an der absoluten Mehrheit der Sitze, weil 80 Stimmen fehlten. Zusammen mit der FDP hatte das bürgerliche Lager die Mehrheit im Rathaus. Mit Bruno Knapp stellte die CDU-Fraktion erstmals den Stadtverordnetenvorsteher, drei Jahre später wählte das Parlament Walter Suermann zum Oberbürgermeister. Die „schwarze“ Ära endete 1985.

Teilcomeback zu Beginn der 1990er-Jahre: CDU und SPD vereinbarten angesichts der immensen Verschuldung der Stadt eine Zusammenarbeit, mit der nicht alle glücklich waren. Die Große Koalition verabschiedete ein Haushaltssanierungskonzept, mit dem Teile der Stadtverwaltung in Eigenbetriebe umgewandelt wurden.

Rodgau

Die über Jahrzehnte hinweg von satten Mehrheiten verwöhnte CDU musste sich nach erbittertem internen Streit mit ihrem eigenen Bürgermeister Alois Schwab in den vergangenen sechs Jahren neu sortieren. Das ist mehr oder weniger gelungen. Die Querelen bescherten der CDU-Fraktion im Stadtparlament dramatische Verluste. Sie schrumpfte bei den Wahlen 2011 von 22 auf 13 Sitze. Partei und Fraktion erhoffen sich im März 2016 natürlich ein weit besseres Ergebnis. Erst im September musste die Union mit ihrem Bürgermeister-Kandidaten Olaf Burmeister-Salg aber erneut eine deutliche Niederlage hinnehmen.

Rödermark

Die Christdemokraten mussten bei der Kommunalwahl 2011 Federn lassen, ihr Stimmenanteil sank von 47,7 auf 41 Prozent. Sie bildete daraufhin mit der Anderen Liste eine schwarz-grüne Koalition, die in der Stadtverordnetenversammlung mit einer Dreiviertel-Mehrheit regiert. Die Zusammenarbeit der einstigen Erzfeinde funktioniert zum Leidwesen der Opposition weitgehend reibungslos. Vieles deutet darauf hin, dass die CDU den Ersten Stadtrat Jörg Rotter als Kandidaten für die Bürgermeisterwahl im Jahr 2017 nominiert.

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Seligenstadt

Eine Riesenenttäuschung gab es dort Ende Juli für die CDU. Die favorisierte Kandidatin Claudia Bicherl schaffte 49,1 Prozent der Stimmen – 154 zu wenig, um das große CDU-Ziel Bürgermeisteramt zu erreichen. Damit scheiterte bereits der vierte Anlauf der Union seit 1992. Die entscheidende Frage an die Christdemokraten: Wie konnte es passieren, dass sich FDP-Kandidat Daniell Bastian, der im ersten Wahlgang am 12. Juli auf lediglich 25,6 Prozent oder 2 312 Stimmen kam, bei der Stichwahl schließlich siegreich auf 50,9 Prozent hinaufkatapultierte?

Dietzenbach

Obwohl die Dietzenbacher CDU in der Stadtverordnetenversammlung mit 14 Abgeordneten die größte Fraktion stellt, befindet sie sich in der Oppositionsrolle. Eine Kooperation aus SPD, WIR-BfD, Dietzenbacher Liste und Grüne vereint auf sich die Mehrheit der insgesamt 45 Sitze. In der jüngeren Vergangenheit musste die CDU außerdem zwei Wahlschlappen einstecken. Ihr Kandidat für den Posten des Ersten Stadtrats, Guido Kaupat, zog in der entscheidenden Sitzung seine Kandidatur zurück, um den Weg für einen externen Kandidaten frei zu machen. Es siegte aber SPD-Mann Dieter Lang. Bei der Bürgermeisterwahl Ende Juni unterlag CDU-Politiker Dietmar Kolmer (34,9 Prozent) deutlich dem parteiunabhängigen Amtsinhaber Jürgen Rogg (65,1 Prozent). Pikant: Rogg war lange Zeit CDU-Mitglied. Bislang hat es in Dietzenbach nur ein CDU-Mann auf den Chefsessel im Rathaus geschafft: Stephan Gieseler (2001 bis 2009). Der heutige Direktor des Hessischen Städtetages ist Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes.

Eppertshausen

Ein kleiner Lichtblick für die Union: CDU-Bürgermeister Carsten Helfmann holte 2014 das Amt zum dritten Male in Folge, und seine Partei hat eine satte Mehrheit im Parlament.

Münster

Seit drei Jahrzehnten ist die CDU hier mit der absoluten Mehrheit ausgestattet. Im vergangenen Jahr musste sie allerdings kräftig Federn lassen. Nicht nur, dass ihr Kandidat Udo Beutler bei der Bürgermeisterwahl klar dem Genossen Gerald Frank unterlag. Weil sich die Fraktion auch noch über eine Vereinsgeschichte mit ihrem finanzpolitischen Sprecher überwarf, der daraufhin das Handtuch warf, aber seinen Platz in der Gemeindevertretung behält, hat sie auch keine absolute Mehrheit mehr.

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Hanau

Die Hanauer CDU ist dagegen leidgeprüft. Nach der Abwahl der früheren CDU-Oberbürgermeisterin Margret Härtel im Jahr 2003 lähmten heftige innerparteiliche Auseinandersetzungen die Christdemokraten über Jahre hinweg. Einen wirklich aussichtsreichen Oberbürgermeister-Kandidaten ins Rennen gegen Claus Kaminsky (SPD) zu schicken, gelang der Union seither nicht mehr. Bei der Kommunalwahl 2011 kam die CDU in Hanau nur noch auf rund 27 Prozent der Stimmen und verlor somit auch ihre Stellung als politisch stärkste Kraft in der Stadtverordnetenversammlung. Seither bestimmen SPD, Grüne und „Bürger für Hanau“ die Geschicke in Magistrat und Stadtverordnetenversammlung.

Dieburg

Vielleicht zeigt ja der „Dieburger Weg“, wie es für die CDU mit der Rückkehr an die Macht in den Kommunen klappen könnte: In der katholisch geprägten Stadt verlor die erfolgsverwöhnte Union vor zehn Jahren den Bürgermeisterposten an den damals parteilosen Werner Thomas. Der ist heute noch im Amt, trat aber im Mai dieses Jahres der Union bei. Somit regiert in Dieburg wieder ein CDU-Bürgermeister – wie schon von 1945 bis 2005.

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