Planung von Bauprojekten

Plötzlich Lärmschutzzone des Flughafens

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Offenbach - Dort, wo sich einst der Gemeindesaal der Schloßkirche in der Arthur-Zitscher-Straße befand, soll bis Ostern die Kita der Gemeinde einziehen. Mittlerweile sind die Bauarbeiten in vollem Gange. Von Peter Klein

Auch in der Markusgemeinde an der Oberen Grenzstraße wird fleißig gebaut. Doch die Schwierigkeiten, die bis dahin aus dem Weg zu räumen waren, konnte sich so keiner vorstellen, wie Andreas Kunz-Schleich vom Vorstand des evangelischen Kirchengemeindeverbands am Beispiel der Schloßkirche beschreibt. Schließlich liegt sie wie fast ganz Offenbach in der Lärmschutzzone des Frankfurter Flughafens.

Im Zuge des Umbaus der Schloßkirche zur Diakoniekirche, zog zunächst das Diakonische Werk mit seinen Beratungsangeboten und seiner Verwaltung in das ehemalige Pfarrhaus. Im Frühjahr 2011 begann dann die Planung für die Kita. Sie soll im ehemaligen Gemeindesaal unterkommen, weiter weg von der vielbefahrenen Straße, mehr zum Garten hin. Dort, wo heute die Kinder ihre ersten Lebenserfahrungen machen, wird das Familienzentrum mit Müttertreff, Hausaufgabenbetreuung und anderen Angeboten entstehen.

Umnutzung der Räume

„Eigentlich geht es gar nicht um einen Neubau, sondern um eine Umnutzung der Räume, in deren Zug auch eine Gruppe für unter Dreijährige entsteht“, so Kunz-Schleich, der im Hauptberuf als Architekt tätig ist.

Als die Planungen begannen, war nur bekannt, dass die neue Startbahn kommt. Es gab noch keine Festlegung der Schutzzonen, und es war uns nicht bekannt, dass auch für die Umnutzung der Räume eine Genehmigung des Regierungspräsidiums notwendig ist. „Das konnte sich keiner vorstellen“, sagt Andreas Kunz-Schleich.

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Im Herbst stellte die Gemeinde den Bauantrag, den die Stadt zügig bewilligte, allerdings mit dem Vermerk „vorbehaltlich der Bewilligung des Regierungspräsidiums“. Denn mittlerweile waren die Lärmschutzzonen festgelegt und in diesen dürfen soziale Einrichtungen nur noch mit Ausnahmegenehmigung gebaut werden. Zunächst hieß es, ein formloser Antrag würde genügen. Der wurde gestellt und lange tat sich nichts.

Den Eindruck bestätigt Dieter Ohl, Pressesprecher des Regierungspräsidiums: Am 6. Oktober vergangenen Jahres wurde das Regierungspräsidium mit dem Lärmschutz durch das Innenministerium beauftragt. Eine Woche später wurden die Lärmschutzbereiche festgelegt, wieder eine Woche später ging die neue Landebahn in Betrieb. Wie damit umzugehen war, wusste zu diesem Zeitpunkt in Darmstadt niemand. Außerdem waren noch keine Mitarbeiter eingearbeitet. Ohl: „Der Erlass des Ministeriums, also die Ausführungsbestimmungen folgte erst im Juli dieses Jahres.“

Antrag inhaltlich begründet

Und die hatten es in sich: Zunächst musste der Antrag inhaltlich begründet werden. Die Kirche musste darlegen, dass überhaupt ein Bedarf an Kitaplätzen besteht. Dafür hat Hermann Dorenburg, bei der Stadtverwaltung zuständig für die Kitas, die Bedarfsplanung der Stadt für die einzelnen Stadtteile beim Regierungspräsidium vorgelegt. Es musste zudem begründet werden, dass es nicht möglich ist, die Kita außerhalb der Tagesschutzzone 2, also etwa in Bieber oder Rumpenheim zu bauen.

Da dies den kleinen Innenstadtkindern nun wirklich nicht zuzumuten ist, folgte dann die Baugenehmigung recht zügig. Voraussichtlich an Ostern werden die Kinder nach hinten ziehen, weg vom Lärm der Straße. Dort wird dann das Familienzentrum entstehen. Sicher ist indes: Den Lärm von oben werden beide Einrichtungen sowieso nicht mehr los.

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