Fachkräftemangel fest im Blick

Offenbach - Um den Fachkräftemangel entgegenzuwirken, bemühen sich Unternehmen mehr um den Nachwuchs. Doch fehlt vor allem bei den technischen Ausbildungsberufen das Interesse der Jugendlichen. Von Domenico Sciurti

Die Unternehmen in Stadt und Kreis Offenbach haben den demographischen Wandel fest im Blick. Um den Bedarf an Nachwuchskräften zu stillen, bereiten sich die Ausbildungsbetriebe entsprechend vor und bilden mehr aus: so die Kernaussage der Pressekonferenz gestern zur Entwicklung des Ausbildungsmarktes 2011/2012. Eingeladen hatten dazu Vertreter der Agentur für Arbeit Offenbach, der Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach sowie der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main.

„Der Markt entwickelt sich positiv“, sagte Thomas Iser, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Offenbach. Im Ausbildungsjahr 2011/12 gab es mehr Ausbildungsstellen und mehr Bewerber in und um Offenbach. Insgesamt listete die Arbeitsagentur zum Stichtag 30. September 1 562 Lehrstellen für das laufende Ausbildungsjahr auf - 2010/2011 waren es 1394, also 168 weniger. Bewerber gab es 117 mehr, 2 640 an der Zahl; im Jahr zuvor waren es noch 2523. Eine gute Voraussetzung, um den befürchteten Fachkräftemangel entgegenzuwirken, sagte Hans-Joachim Giegerich, Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Offenbach. „Im Jahr 2025 werden in Stadt und Kreis etwa 10 000 Fachkräfte fehlen.“ Deswegen freue er sich über das gestiegene Ausbildungsangebot.

Doch konnte die IHK in diesem Jahre ihre Ausbildungsplätze nicht komplett vermitteln. 1511 neue IHK-Ausbildungen wurden begonnen, im Vergleich zum Vorjahr gab es 2,1 Prozent weniger Vertragsabschlüsse. Die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main meldete für Offenbach hingegen konstante Zahlen: 473 neue Vertragsabschlüsse kamen zustande. Die Kreishandwerkerschaft stellte sogar eine Steigerung von acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr fest: Bisher unterschrieben 594 neue Azubis einen Vertrag.

Rund 87 Ausbildungsstellen unbesetzt

83 Jugendliche konnten laut Arbeitsagentur gar nicht vermittelt werden, kamen also weder in einen Betrieb, noch entschieden sie sich um, beispielsweise für ein Studium. Dies seien mehr als doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Demgegenüber blieben 87 Ausbildungsstellen unbesetzt. Kein Grund zur Sorge für Thomas Iser: „Nicht jedes Deckelchen passt auf ein Töpfchen“, kommentierte er. Jugendliche seien oft nicht für alternative Ausbildungsberufe offen, bennent er einen möglichen Grund. Das zeige sich beispielsweise daran, dass auf 30 Stellen des beliebten Ausbildungsberufes des Mechatronikers 100 Bewerbungen kämen. Gleichzeitig appellierte Iser aber an die Unternehmen, Bewerbern mehr Chancen einzuräumen, auch wenn sie nicht alle Anforderungen erfüllten.

Besonders bei den technischen Berufen sehen die Experten von Arbeitsagentur, Handwerkskammer und IHK einen besonderen Bedarf an Nachwuchs. Beklagt wird vor allem, dass Schüler sich oftmals für weiterführende Schulen entscheiden, obwohl sie dafür nicht qualifiziert seien. Wenn sie es dann nicht schafften, seien sie enttäuscht, außerdem führe das zu Brüchen im Lebenslauf.

Es sei „unnötig verlorene Zeit ohne Abschluss“, bekräftigte Bernd Sieber von der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main die allgemeine Stimmung der Runde. Besser ein guter Hauptschulabschluss als der abgebrochene Versuch, die Realschule zu machen, ergänzte Helmut Geyer, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Offenbach.

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