Plus von vier Millionen Euro

Erneut schwarze Zahlen beim Sana-Klinikum  

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Bis 2023 will das Sana-Klinikum 100 Millionen Euro in Neubauten und Technik investieren. Dazu zählt ein neues Verwaltungsgebäude auf der derzeitigen Freifläche an der Lortzingstraße (vorne). Der alte Verwaltungsbau (links) wird abgerissen, dort entsteht der fünfte Finger des kammförmigen Zentralbaus. Das immer noch alles überragende alte Bettenhaus (hinter dem roten Zentralbau) wird nicht vor 2023 fallen.

Offenbach - Der Erwerb des Offenbacher Klinikums zum Schnäppchenpreis von einem Euro im Jahr 2013 rechnet sich für den Sana-Konzern immer mehr. 2017 schreibt er zum dritten Mal in Folge schwarze Zahlen. Bis 2023 werden 100 Millionen in Medizintechnik und Neubauten gesteckt. Ein anhaltend schwieriges Geschäft ist die Rekrutierung von Pflegekräften. Von Matthias Dahmer 

Ursprüngliches Ziel war es, spätestens 2018 schwarze Zahlen zu schreiben. „Das haben wir deutlich übertroffen“, kann Sana-Geschäftsführer Sascha John gestern stolz verkünden. Der Abschied von den roten Zahlen gelang bereits 2015 mit einem Plus von 1,1 Millionen, 2016 waren es dann schon 2,8 Millionen, Ende vergangenen Jahres standen exakt 4,071 Millionen Euro unterm Strich. Der Gesamtumsatz ist 2017 um 8,75 auf 198,66 Millionen Euro gestiegen. Gleichzeitig stiegen die Patientenzahlen: 39.071 Menschen wurden stationär versorgt, rund 600 mehr als 2016, wie die kaufmännische Direktorin Melanie Zöller vorrechnet. Hinzu kamen 73.921 ambulante Fälle.

In baulicher Hinsicht war 2017 vor allem durch die Errichtung eines neuen Anbaus geprägt, in dem im Oktober 60 Betten für Wirbelsäulenorthopädie und Gefäßchirurgie geschaffen wurden. Ebenfalls neue Räume erhielt das Ambulante Onkologische Zentrum, das nunmehr ebenerdig im Erich-Rebentisch-Zentrum erreichbar ist. Auch der Zugang zum Hauptgebäude wurde neu gestaltet, sodass man jetzt schon die spätere Mitte des Klinikgeländes erkennen kann.

Seit Übernahme des Klinikums vor fünf Jahren summieren sich die Investitionen bis Ende 2017 auf mehr als 50 Millionen Euro. „In den kommen Jahren werden wir noch einmal 100 Millionen Euro investieren“, kündigt Geschäftsführer John an. Gemäß des „Masterplans“ bis 2023 sollen dieses Jahr mehrere Bauprojekte gleichzeitig angegangen werden. „Ein Krankenhaus, an dem nicht gebaut wird, steht still“, so John. So wird die Verwaltung mit ihren 108 Mitarbeitern, die bislang im 1959 errichteten Reinhold-Latzke-Haus im südlichen Teil des Klinikgeländes untergebracht ist, noch Ende des Jahres in einen viergeschossigen Neubau umziehen, der an der Lortzingstraße auf dem Areal der ehemaligen Schwesternwohnheime entsteht.

Nahezu parallel zum Neubau erfolgt eine Erweiterung der OP-Säle im Zentralbau – von derzeit acht auf dann elf. Dazu wird die Liegendkranken-Vorfahrt an der rückwärtigen Gebäudeseite überbaut. Nach Abriss des alten Verwaltungsbaus ist eine Erweiterung des Klinikums um einen fünften Finger in Richtung Süden vorgesehen. In dessen Untergeschoss kommen Zentral-Apotheke und Materialwirtschaft unter, die nach wie vor im Keller des ehemaligen Bettenhochhauses arbeiten. Dessen Abriss ist als vorläufiger Schlusspunkt der Um- und Ausbauten frühestens 2023 vorgesehen.

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Mit 687 Beschäftigten sind die Pflegekräfte die größte Berufsgruppe am – einschließlich ausgelagerter Dienstleistungen – 2200 Mitarbeiter zählenden Klinikum. Das Pflegepersonal zu halten ist vordringlichste Aufgabe für den seit 1. April bei Sana tätigen Pflegedirektor Mustafa Atas. Die Fluktuation sei groß, weshalb der Pflegeberuf auch für junge Menschen attraktiv gemacht werden müsse. Als „Pfund für uns“ angesichts eines leer gefegten Arbeitsmarkts sieht Geschäftsführer John dabei die Ausbildung. Mit regelmäßig mehr als 200 neuen Azubis zählt Sana zu den größten Ausbildungsbetrieben in Stadt und Kreis.

Hinzu kommt die Anwerbung ausländischer Pflegekräfte. Von 20 Vietnamesen, die zuletzt für Sana gewonnen werden konnten, sind noch 18 dabei. Insgesamt 30 ausländische Pflegekräfte absolvieren derzeit Lehrgänge zur Anerkennung ihrer Ausbildungsabschlüsse. Weil der Integrations-Aufwand enorm sei, könne man nicht unbegrenzt anwerben, sagt die kaufmännische Direktorin Melanie Zöller.

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Im Pflegebereich ging 2017 ein umfangreiches Fortbildungsprogramm und hessenweit die erste Weiterbildung für Notfallpflege an den Start. Zusätzlich können alle Mitarbeiter aus Medizin, Pflege und Rettungsdienst an einem Simulationstraining für Notfälle teilnehmen. Nach Angaben des ärztlichen Direktors Professor Norbert Rilinger sind 2017 zehn Millionen Euro in die Aufwertung der Medizintechnik geflossen, davon allein drei Millionen in einen neuen Linearbeschleuniger für die Strahlenklinik.

Außerdem hat das Klinikum in 2017 die neue Abteilung „Angiologie“ aufgebaut, die Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten für Gefäßpatienten anbietet. Durch die Gründung der Sektion „Palliativmedizin“ wird auch diesem wichtigen Bereich der medizinischen Versorgung eine stärkere Bedeutung eingeräumt. Weiterer neuer Schwerpunkt ist das „Cardiac Arrest Center Offenbach“, ein in der Region einzigartiges Zentrum, das eine notfallmedizinische Versorgung und eine intensivmedizinische Behandlung reanimierter Patienten nach plötzlichem Herzstillstand anbietet.

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