Podenco-Jahrestreffen

Jagdinstinkt ausgelebt

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Die hochbeinige Rasse, in Spanien und Portugal zu Jagdzwecken gezüchtet, eignet sich auch gut für Hunderennen.

Offenbach - Podencos gelten als wach und wendig, brauchen viel Freilauf. Den bekommen sie am Pfingstwochenende auf der Anlage des Frankfurter Clubs für Windhundrennen in Bürgel. Dort haben sich 200 Halter mit ebenso vielen Vierbeinern eingefunden. Von Harald H. Richter

2004 als hessisches Podenco-Treffen aus der Taufe gehoben, hat es sich etabliert. Mitglieder wie Gäste reisen in Wohnmobilen aus Sachsen oder Baden-Württemberg an und übernachten auf dem gemieteten Gelände. Die weiteste Anreise hat ein Flensburger. Vorsitzende Roswitha Schnee (Hanau) freut sich: „Wer hätte gedacht, dass sich das so entwickeln würde?“

Schlanke Körperform und fledermausähnliche Stehohren

Für Roswitha und Stefan Schnee sowie die heute 79-jährige Maria Grimm war es eine Herzensangelegenheit, sich für gequälte und ausgesetzte Hunde aus Spanien einzusetzen. „Tierschutz darf keine Grenzen kennen“, lautet ihr Credo – wohl wissend, dass auch hierzulande Tierheime voll sind mit Hunden, die auf ein Zuhause hoffen. Die Mitglieder von „Dogs and friends“ begreifen ihr Engagement indes als Grenzen überwindende Aufgabe.

In Spanien und Portugal werden Podencos und Galgos zur Meutejagd auf Kaninchen gezüchtet. Können sie diesen Anspruch nicht erfüllen, werden sie ausgesetzt, viele misshandelt. Einige finden in Deutschland ein Zuhause.

Es sind nicht nur die windhundähnlichen Jagdrassen, deren Merkmale schlanke Körperform und fledermausähnliche Stehohren sind, die sich auf dem Oval unweit des Mains tummeln. Labrador und Husky, Mops und Schäferhund beschnuppern einander, wie der Jack-Russell-Pinscher-Mischling schwanzwedelnd Interesse an einer Hundedame signalisiert, deren Rasse nicht zu bestimmen ist. Überall tönt munteres Gebell. Unterdessen sind Herrchen und Frauchen in Fachsimpeleien vertieft.

Herrchen ist zufrieden

Richard Stark aus Mainz-Kostheim nebst Familie ist mit drei Vierbeinern gekommen. Während Mischling Sammy und Podenco-Rüde Ringo die Anlage kennen, ist die ungefähr zwei Jahre alte Ribanna erstmals mit von der Partie. Sie ist für einen der 21 Läufe angemeldet, die der Verein in verschiedenen Klassen ausrichtet. Drei bis vier Tiere jagen den Flatterbändern der Rennmaschine hinterher, an der als Anreiz ein Stück Hasenfell befestigt ist. Freilich ist keine volle Runde zu absolvieren, sondern eine 100 Meter lange Strecke. Die besten Drei jeder Klasse bekommen Pokale, alle anderen Anerkennungsurkunden.

Zuhause kann Stark seinem Vierbeiner 1700 Quadratmeter Garten bieten – eine Anlage wie diese ist aber in der Region einmalig. Frauchen Petra Stoiber bringt Ribanna an den Start, während ihr Mann den Hund als Bezugsperson im Ziel empfangen will. Das erreicht die Hündin zwar nicht als erste ihres Laufs, weil Ribanna unterwegs durch irgendetwas abgelenkt ist und zu den Zuschauern abschwenkt. Aber das Herrchen ist zufrieden. Wichtig ist Stark, dass sein bewegungsfreudiger Hund Sozialverhalten erlernt.

Vom Wesen sind Podencos und Galgos verschmust. Aufgrund ihrer Intelligenz testen sie ihre Menschen und durchschauen sie schnell. Geduld und Konsequenz sind gefragt. Geht es jedoch nach draußen, zeigen sie ihre Natur als Jagdhunde. Sie sind keine ruhigen Familienbegleiter, „können aber mit Kindern“, so Roswitha Schnee.

Beim Rundgang wird an Ständen für Tierzubehör Halt gemacht oder geschaut, welche Gewinne bei der Tombola ausgelobt sind. Am Kuchenbuffet herrscht ebenso Andrang wie am Bratwurstgrill. Für dürstende Vierbeiner stehen Wassereimer bereit.

Tierärztin Tanja Pies hat einen entspannten Tag. Sie hat viele Impfpässe in Sachen Tollwutschutz geprüft, sonst aber wenig zu tun. „Nur ein Talgdrüschen und eine Zecke waren zu entfernen. Ach ja, und dem Verein bin ich heute beigetreten!“

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