Wie sicher lebt man in der Region?

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Offenbach - Signifikantes Plus bei Straßenraub, leichter Rückgang bei schwerer Körperverletzung im öffentlichen Raum, ein neuerdings steigender Trend bei Wohnungseinbrüchen und Handlungsbedarf bei den Betrugsdelikten. Von Michael Eschenauer

Wie sicher leben die Menschen in Offenbach, im Kreis Offenbach, in Hanau und im Main-Kinzig-Kreis? Auf diese Frage gibt die gestern vorgelegte Kriminalstatistik 2011 des Polizeipräsidiums Südosthessen (PP-Südost) keine eindeutige Antwort. Dennoch erlauben die aktuellen Zahlen Rückschlüsse auf die Lage in den verschiedenen Lebensbereichen. Wichtig zu wissen ist, dass es sich bei 80 Prozent der Delikte um einfache bis mittelschwere Straftaten wie Diebstahl, Betrug oder Sachbeschädigung handelt. Schwere Verbrechen wie Tötungs-, Raub- und Sexualdelikte machen insgesamt zwei Prozent der Fälle aus. „Die Erfolgsstory setzt sich fort“, zog gestern Polizeipräsident Roland Ullmann ein Resümee.

  • ECKDATEN: Die erfasste Gesamtkriminalität ist um 2,9 Prozent auf 52 205 Delikte gesunken. Dies, so Ullmann, entspreche der zweitniedrigsten Fallzahl der vergangenen Jahrzehnte. Die Aufklärungsquote stieg leicht auf 57,5 Prozent. Zum Vergleich: Im Jahre 1997 lag sie bei 37 Prozent. Die aktuelle Quote sei die beste, die man jemals im Bereich des PP-Südost gemessen habe, so Ullmann. Mit 6030 Fällen pro 100.000 Einwohner liege man deutlich unter dem Hessen-Durchschnitt von 6541. „Die Sicherheit der Menschen hier in der Region hat sich erneut deutlich verbessert“, so der Polizeipräsident. Ursache seien erfolgreiche Polizeikonzepte im Bereich der Prävention und Strafverfolgung.
  • FALLZAHLEN: Für Offenbach meldet die Polizei einen Rückgang um 3,9 Prozent auf 13.801 Fälle. Im Kreis Offenbach gab es 18.156 Delikte, Rückgang: 3,3 Prozent. In Hanau fand ein leichter Anstieg um 1,2 Prozent auf 8009 Fälle statt. Grund hier sind zahlreiche Rauschgiftdelikte. Im Main-Kinzig-Kreis setzte sich der Rückgang der vergangenen Jahre - um aktuell 4 Prozent - auf 12.233 Fälle fort.
  • GEWALTKRIMINALITÄT: Diese Position - es geht auch um Tötungsdelikte, Raub, Geiselnahme und Sexualdelikte - ist besonders wichtig, beeinflusst sie doch das Sicherheitsgefühl und die Ängste der Bevölkerung besonders stark. Der Polizei wurden 1859 (plus 1,3 Prozent) dieser Verbrechen bekannt. 33 Fälle betrafen Mord und Totschlag. Über die Hälfte der Fälle im Bereich Gewaltkriminalität betreffen Straßenraub und gefährliche Körperverletzung. Im Gesamtbezirk gab es 395 Fälle von Straßenraub. Die starke Zunahme von 23 Prozent wird von Kripo-Chef Klaus Bläsing auf die „Goldkettenreißer“ in Offenbach und eine Gruppe junger Handtaschenräuber zurückgeführt. Die Aufklärungsquote von 50,2 Prozent nannten die Ordnungshüter die „historisch höchste“. In Offenbach weist die Kriminalstatistik beim Straßenraub eine Steigerung um 34,8 Prozent auf 151 Fälle aus. Im Kreis Offenbach liegt die Zunahme bei 5,3 Prozent auf 120 Fälle. In Hanau brachte ein Zuwachs um 33 Prozent die Fallzahl auf 72. Bei der gefährlichen und schweren Körperverletzung, dem zweiten großen Teil der Gewaltkriminalität, sind die Zahlen im Polizeibezirk mit 615 Delikten leicht rückläufig (minus 1,6 Prozent). Die hohe Aufklärungsquote vom 81 Prozent sei darauf zurückzuführen, so Bläsing, dass sich Täter und Opfer oft kennen würden. Offenbach: 189 Fälle (plus 4,4 Prozent). Kreis Offenbach: 186 Fälle (Rückgang um 5,1 Prozent). Hanau: 91 Fälle (plus 5,8 Prozent). Main-Kinzig-Kreis: 149 Fälle (minus 8 Prozent). Jugendliche, so Bläsing, machten hier einen Großteil von Tätern und Opfern aus. „Noch immer wird in einzelnen Gruppen das gemeinsame Zusammenschlagen eines Einzelnen als Freizeitbeschäftigung betrachtet“, sagt der Kripo-Chef. Immer häufiger würden Waffen und gefährliche Gegenstände eingesetzt. 
  • BETRUG: Mittlerweile geht es bei jeder fünften Straftat um diesen Bereich. Seit Jahren steigen die Zahlen - um erneut 5,6 Prozent auf 10 601 Betrügereien im vergangenen Jahr. Immerhin hält die Aufklärungsquote Schritt. Sie liegt bei imposanten 86,3 Prozent.
  • EINBRÜCHE: Bei den Einbrüchen in Geschäftsräume legen die Fallzahlen neuerdings wieder zu - um 6,1 Prozent auf 1114 Fälle. Aufklärungsquote: 16 Prozent. Die Täter sind großenteils organisiert in international tätigen Banden. Bei den Einbrüchen in Wohnungen täusche die Statistik etwas, so Ullmann. Zwar weise die 2011er Bilanz einen Rückgang um 12,5 Prozent auf 1869 Einbrüche auf. Nicht berücksichtigt sei jedoch die „gravierende Steigerung“ der Fallzahlen im Oktober und November 2011. Die Tatsache, dass 41 Prozent der Einbrüche abgebrochen würden, zeige, dass die Bürger aufrüsten würden. Die Aufklärungsquote liegt bei 23,6 Prozent.
  • AUTOAUFBRÜCHE: Seit Anfang der 90er Jahre gehen die Fälle zurück. Statistisches Rekord-Tief für 2011: 2404 Fälle (minus 8,7 Prozent), Aufklärungsquote: 17 Prozent.
  • INTERNETKRIMINALITÄT: Die Zahl der Delikte stieg um 13,6 Prozent auf 2763 Fälle. 77 Prozent sind Betrugsdelikte, es geht aber auch um Kinderpornografie, Stalking, Bedrohung, Beleidigung, Urkundenfälschung oder Sachbeschädigung. Die Aufklärungsquote erreicht 86,1 Prozent.

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