Viele Autofahrer vertrauen blind auf Sicherheitstechnik

Todesgefahr in Wohlfühloase: Unfälle in der Region nehmen zu

Offenbach - Airbags rundherum, Sicherheitsgurte, Knautschzone, Abstandswarner und Spurhalteassistent – für immer mehr Autofahrer ist die Fahrgastzelle eine Art Wohlfühloase zum Relaxen. Von Michael Eschenauer

Ein gefährlicher Trugschluss, warnte gestern der Präsident des Polizeipräsidiums Südosthessen, Roland Ullmann. Bei der Vorstellung der Verkehrs-Unfallstatistik für den Präsidiumsbezirk warnten Ullmann und der Leiter der Polizeidirektion Main-Kinzig, Claus Spinnler, vor den Folgen nachlassender Aufmerksamkeit. Sie greift nach Einschätzung der Polizeiexperten unter Autofahrern immer mehr um sich. Speziell die Handynutzung durch jüngere Fahrer zeige, so der Direktionsleiter Offenbach, Stefan Kaaden, „suchtähnliches Verhalten“. Dies führe dazu, dass präventive Maßnahmen, aber auch Strafen wenig fruchteten. „Die Ratio funktioniert nicht mehr.“ Ungeteilte Aufmerksamkeit aber, so Spinnler, sei unabdingbar angesichts der zunehmenden Verkehrsdichte auf den Straßen. 90 Prozent der Unfälle würden durch das Verhalten von Menschen verursacht, so der Polizeifachmann. Dieser aber reize durch Sorg- oder Rücksichtslosigkeit immer häufiger die Technik bis in den akuten Gefahrenbereich aus.

  • Mangelndes Risikobewusstsein trifft auf eine weiterhin angespannte Sicherheitslage. So stieg, wie Polizeipräsident Ullmann berichtete, im vergangenen Jahr die Zahl der Unfälle um 717 oder 5,3 Prozent auf 14.300. Und das, nachdem die Unfallzahlen seit 2012 jedes Jahr gesunken waren und im Jahr 2015 der tiefste Stand seit 2001 erreicht wurde. 28 Menschen starben.
  • Bei mehr als jedem dritten tödlichen und bei jedem fünften Unfall, bei dem Menschen schwer verletzt wurden, war Rasen die Ursache. Der volkswirtschaftliche Schaden durch Verkehrsunfälle in Stadt und Kreis Offenbach sowie im Main-Kinzig-Kreis und Hanau betrug 224 Millionen Euro.
  • Junge Menschen und Senioren stuft die Polizei weiterhin als „Risikogruppen“ ein. Wenn 75 Jahre alte oder ältere Autofahrer in einen Unfall verwickelt würden, trügen sie zu 66 Prozent die Schuld, so der Leiter der Abteilung Einsatz, Alexander König. „Bedenklich ist auch, dass die jungen Verkehrsteilnehmer im Falle eines Unfalles bei mehr als der Hälfte die Schuld hatten“, so König. Der Anteil der Generation 65-Plus am Unfallgeschehen liegt bei knapp 20 Prozent. Der der 18- bis 24-Jährigen erreicht den gleichen Wert.
  • Die Zahl der Verkehrsunfälle, bei denen mindestens eine Person schwere Verletzungen erlitt, stieg um 17 oder 3,6 Prozent auf 486. Die Zahl der Schwerverletzten nahm um 28 auf 565 zu.
  • Bei fast 40 Prozent der Unfälle flüchteten Beteiligte. Die Zahl der Unfallfluchten stieg um 272 auf 5600. Die Aufklärungsquote steigt seit 2013 und liegt derzeit bei ebenfalls 40 Prozent.
  • In Stadt und Kreis Offenbach registrierte die Polizei im vergangenen Jahr fast 6 987 Unfälle. 2015 waren es 6 756 gewesen. 1 769 Menschen wurden verletzt (2015: 1 884). Elf Menschen starben.
  • In Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis krachte es insgesamt 4 941 Mal (2015: 4 844). 1 379 Menschen wurden verletzt (2015: 1 317). 13 Menschen starben (2015: 7).

Als „extrem“ bezeichnete Ralf Hesseling, Leiter der Direktion Verkehrssicherheit, die Unfallentwicklung auf den von der Autobahnpolizei in Langenselbold betreuten Abschnitten der A66, der A45 der A3 sowie der B43a und B45. Die Zahl sprang um 390 Unfälle auf 2397. Bei 343 Unfällen wurden 522 Verkehrsteilnehmer verletzt. Risiken berge u.a. die stark steigende Verkehrsdichte. Allein auf der A3 sei seit 2014 in der Region die Zahl der täglichen Fahrzeuge um 20 Prozent auf fast 80.000 gestiegen.

Bilder: Unfall an der Waldackerkreuzung

Rubriklistenbild: © dpa

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