Hauptkommissar nimmt alle Schuld auf sich

Offenbach (mad) - Stolz erschien am Donnerstag beim Kommissariat 35 ein junger Mann, fragte nach Polizeihauptkommissar Berninger und legte diesem sein Schulzeugnis vor.

Fast alle Unterrichtsfächer hatte der 16-Jährige mit der Note „Gut“ abgeschlossen und somit einen qualifizierenden Hauptschulabschluss zuerkannt bekommen. Dankbar teilte der „Ex-Schüler“ mit, dass Berninger daran „schuld“ sei.

Berninger hatte den jungen Mann im Zuge des Projekts „Besonders auffällige Straftäter unter 21 Jahren“, kurz „BASU21“, betreut. Dahinter steht die Idee, die Zuständigkeit für polizeiliche Aufgaben bei straffälligen Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden in eine Hand zu legen. Dabei setzt das Konzept stark auf die Möglichkeiten, präventiv auf die jungen Straftäter einzuwirken. Diese Theorie bestand in Person des 16-Jährigen ihren Praxistest.

Straftaten mit erheblicher Gewaltanwendung

Dem jungen Mann wurden mehrere Straftaten, zum Teil mit erheblicher Gewaltanwendung, vorgeworfen, so dass er in das Programm BASU21 rutschte. Von da an kümmerte sich Hauptkommissar Berninger um den 16-Jährigen. Der zeigte sich anfangs trotzig, flog von mehreren Schulen, verweigerte annähernd jede Zusammenarbeit mit Behörden und anderen Institutionen.

Hartnäckig hielt Berninger an seinem Konzept fest. So konnte er den 16-Jährigen in Zusammenarbeit mit dem kommunalen Jobcenter an eine spezielle Schule vermitteln, wo er inzwischen einen Abschluss schaffte. Damit nicht genug: Er will nicht wieder in alte Muster zurückfallen, beteuert der Geläuterte, will den rechtschaffenen Weg gehen und sich eine Ausbildungsstelle suchen.

„Gern bin ich an dieser Entwicklung schuld“, gesteht Berninger nach dem unerwarteten Besuch des 16-Jährigen. Ebenso wichtig, sagt der Polizeibeamte, sei es jedoch, dass der junge Mann wieder ein positives Verhältnis zu seiner Familie aufgebaut habe.

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