Offenbacher Polizei vermeldet Rekordmarken

Weniger Einbrüche, mehr Raub und Trickdiebstahl

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Klein, wertvoll und oftmals leicht zu klauen: Smartphones stehen bei Dieben hoch im Kurs. 2338 Geräte haben im vergangenen Jahr in der Region Südosthessen unerlaubt den Besitzer gewechselt.

Offenbach - Vom Polizeipräsidium in Offenbach zum Deutschen Wetterdienst sind es nur ein paar Schritte. Auch in Sachen Aufklärungsquote lagen die beiden Behörden zumindest gestern nicht weit voneinander entfernt: Die einen vermeldeten einen wunderschönen Frühlingstag, die anderen eine erfolgreiche Verbrecherjagd. Von Ralf Enders

Doch während das Wetter - und damit genug der Gemeinsamkeiten - auf Zufall beruht, sehen die Kriminalisten ihre Erfolge als Ergebnis harter Arbeit. Die Zahlen: In Stadt und Kreis Offenbach, Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis wurden im Jahr 2013 insgesamt 50 140 Straftaten registriert. Die Zahl sank zum dritten Mal in Folge - um 1 Prozent oder 521 Fälle - auf den aktuellen Tiefststand. Die Aufklärungsquote dagegen ist erneut gestiegen, und zwar um 0,3 Prozentpunkte auf nunmehr 58,3 Prozent. Seit 2003 ermittelt die Offenbacher Polizei damit von Jahr zu Jahr mehr Täter.

Offenbachs Polizeivizepräsidentin Anja Wetz

Polizeivizepräsidentin Anja Wetz sieht die Zahlen als „klaren Beleg“ für gute Arbeit und hohes Engagement ihrer Mitarbeiter. Und die hessische Landesregierung habe mit „personeller Unterstützung“ und „Bereitstellung modernster technischer Arbeitsmittel“ die Grundlagen des Erfolgs gelegt. 352 Polizisten arbeiten derzeit für das Präsidium. Natürlich wünsche man sich immer mehr, sagte Wetz, die den verhinderten Polizeichef Roland Ullmann vertrat. Sie zeigte sich aber durchaus zufrieden mit der Personaldecke.

Alles eitel Sonnenschein also in der Geleitsstraße? Beim Blick aufs große Ganze durchaus, aber der Teufel ist bekanntlich ein Eichhörnchen, sprich: der Täter ein Spezialist, der die „Deliktbereiche“ höchst unterschiedlich beackert. Die wesentlichen Entwicklungen:

Gewalt

Bei der Gewaltkriminalität fühlen sich die Bürger in ihrem Sicherheitsgefühl naturgemäß besonders berührt. Kriminalisten ordnen darunter schwere Straftaten (Tötungen, Raub, Geiselnahmen, Sexualdelikte) und Körperverletzungen ein. Die Zahl der Fälle stieg um 2,5 Prozent auf 1 680; die Aufklärungsquote jedoch auch, und zwar um 3,6 Prozentpunkte auf 76,8 Prozent. In drei Mordfällen mussten die Beamten 2013 ermitteln und konnten alle aufklären. Der klassische Banküberfall spielt übrigens kaum eine Rolle mehr, heute sind Tankstellen und Spielhallen das Ziel von Räubern.

Die Hälfte der Gewaltstraftaten fallen unter Straßenraub und Körperverletzung. Den Anstieg um 6,9 Prozent führt die Polizei auf eine Serie zu Jahresbeginn in Offenbach zurück, die aufgeklärt ist. Zwei damals 18 und 19 Jahre alte Offenbacher hatten es einzig auf Smartphones abgesehen. Für Kriminaldirektor Klaus Blaesing mehr als ein Trend: „Smartphones sind das Raubgut Nr. 1 geworden“, sagte er. Hernach brauchen die Täter aber auch einen Hehler, der die Geräte abnimmt - viel Arbeit für die Polizei in Leihhäusern, auf Flohmärkten und in einschlägig bekannten „Handyläden“.

Einbrüche

Auch ein Bereich, an dem die Bürger Sicherheit besonders messen. Die Einbrüche in Geschäftsräume sind mit 1 139 Fällen deutlich zurückgegangen (minus 13,9 Prozentpunkte). Allerdings war die schwierige Ermittlungsarbeit gegen die oftmals weit umherreisenden Täter nur in 17 Prozent der Fälle erfolgreich. Immerhin eine Steigerung um fast 4 Prozent.

2 004 Wohnungseinbrüche bedeuten ebenfalls einen deutlichen Rückgang von 5,6 Prozent. Leider folgt die Aufklärungsquote (minus 6,1 auf 19,7 Prozent) dem Abwärtstrend. Während die Zahl der Wohnungseinbrüche in der Stadt Offenbach mit 460 in etwa konstant geblieben ist, sank sie im Kreis deutlich: um 126 Delikte (13,6 Prozent) auf 798. Auch in Hanau stiegen weniger Einbrecher in Privathäuser: 238. Alexander König, Leiter der Einsatzabteilung, sieht die Bürger nach Jahren unermüdlicher Aufklärungsarbeit mittlerweile besser gerüstet: „Der Anteil der Wohnungseinbrüche, die schon im Versuchsstadium abgebrochen wurden, hat 2013 mit 41,7 Prozent einen Höhepunkt erreicht.“

Internet

Hier machen sich die Ermittler nichts vor: „Das Dunkelfeld ist sehr hoch“, sagte Kriminaldirektor Blaesing, „die Zahlen spiegeln nur die uns bekannt gewordenen Straftaten wider.“ Das waren 2 372 (minus 10,8 Prozent), von denen 92,4 Prozent aufgeklärt wurden. Nicht erfasst sind jedoch Millionen von Phishing-Attacken, Geldforderungen wegen der angeblichen Nutzung von Sex-Diensten, die aus Scham bezahlt werden und vor allem alles, was seinen kriminellen Ursprung im Ausland hat.

Betrug

Zwei Tendenzen: Der Warenbetrug, bei dem etwa minderwertige Dinge oder Plagiate an die Opfer gebracht werden, sank um 306 Fälle auf nunmehr 990. Fast alle (96 Prozent) wurden aufgeklärt.

Der Warenkreditbetrug dagegen stieg um satte 32 Prozent auf 1 828 Fälle, die zu 77,6 Prozent aufgeklärt wurden. Hierunter fällt zum Beispiel das Bestellen von Ware unter falschem Namen.

Jugend

Die Offenbacher Polizei setzt unter anderem auf ihr Konzept „BASU21“ (besonders auffällige Straftäter unter 21). 32 junge Männer und drei junge Frauen befinden sich derzeit in dem Programm und werden vom Kommissariat 35 intensiv „betreut“.

Das Projekt „Gelbe Karte“ läuft erst seit September und kann deshalb noch nicht bilanziert werden. Bei besonderer Rücksichtslosigkeit im Straßenverkehr gibt’s ein Schreiben der „Fahrerlaubnisbehörde“, eben die „Gelbe Karte“. Darin wird mit dem Entzug des Führerscheins gedroht - ein wirksames Mittel bei vielen Jugendlichen.

Senioren

Die demografische Entwicklung ist auch Gaunern nicht entgangen: Nach 797 Fällen 2012 gab es 1 214 Fälle von Trick- und Taschendiebstahl gegen Senioren 2013. Ungezählt sind die Maschen, mit denen Alte hereingelegt werden. Wer in Südosthessen Opfer eines Trickbetrugs wird, ist im Durchschnitt 70 Jahre alt, ergab eine Erhebung des Präsidiums. Die Polizei hält mit Projekten wie „Sicherheitsberater für Senioren“ und umfangreicher Prävention dagegen.

Der Leiter des Analysezentrums der Offenbacher Polizei, Ralf Schmitz, und seine Mitarbeiter haben mit der Kriminalstatistik 2013 ein umfangreiches Zahlenwerk erarbeitet. Die Daten der einzelnen Kommunen werden noch eingepflegt. Das Gesamtwerk soll ab Anfang April im Internet abrufbar sein. Wir werden einen entsprechenden Hinweis veröffentlichen.

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