Anzeige wegen Körperverletzung

Schwere Vorwürfe gegen Offenbacher Polizei

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Diese Wunden an Stirn und Hals haben laut Betroffenen die Polizisten zu verantworten.

Offenbach - Schwere Vorwürfe erheben Offenbacher Jugendliche gegen die Polizei. Sie soll bei einer Personenkontrolle in der Nacht zu Mittwoch unverhältnismäßige Gewalt angewendet haben. Von Fabian El Cheikh

Zum Einsatz sollen Handschellen und Schlagstöcke gekommen sein, obwohl sich keiner der Jugendlichen gewaltsam zur Wehr gesetzt habe. Mindestens drei Personen mussten mit Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden. Die rund 20 jungen Männer türkischer und arabischer Abstammung waren nach einem Moscheebesuch in Lauterborn an der Ecke Waldstraße/Eberhard-von-Rochow-Straße gegen 0.30 Uhr einer Ausweiskontrolle unterzogen worden. Dabei seien die Beamten, so schilderte einer der Jugendlichen unserer Mediengruppe den Vorfall, „aggressiv und bedrohlich“ vorgegangen.

Nachbarn berichteten, dass zu Beginn der Kontrolle zunächst vier Streifenwagen, später sogar 13 im Einsatz gewesen seien. „Wir mussten zunächst unsere Ausweise vorzeigen und wurden dann aufgefordert, uns an eine Wand zu stellen“, berichtet der 20-jährige Soufian D., der in Lauterborn wohnt. Ein Freund aus der Gruppe habe sich dem jedoch verweigert und die Beamten aufgefordert, Mäßigung zu zeigen. „Daraufhin haben die Polizisten seinen Arm auf den Rücken gedreht, ihm Handschellen angelegt, mit dem Kopf gegen die Wand geschlagen und zu Boden geschleudert.“

Demonstration gegen Polizeigewalt

In Folge dessen eskalierte offenbar der Polizeieinsatz. Der ältere Bruder des zu Boden Geworfenen, der in direkter Nachbarschaft zum Einsatzort wohnt, soll zu der Gruppe hinzugestoßen sein, um mit den Beamten zu reden, so heißt es. Auch er sei von den Polizisten mit einem Schlagstock geschlagen und getreten worden und wolle nun Anzeige wegen Körperverletzung stellen. Zwei Jugendliche sollen noch am Einsatzort von Rettungssanitätern behandelt und mit Verletzungen an Kopf, Hals und Armen in Krankenhäuser gebracht worden sein. Ein Dritter habe am nächsten Tag eine Klinik aufgesucht.

Einer der Jugendlichen soll auch eine Platzwunde am Kopf erlitten haben.

Soufian D. ist davon überzeugt, dass die Polizei die Gruppe wegen ihrer „muslimisch aussehenden Kleidung“ so behandelt habe. „Als Muslime werden wir wie potenzielle Verbrecher behandelt. Die Polizisten waren gezielt an einer Eskalation interessiert. Sie haben sogar 13-jährigen Kindern Handschellen angelegt.“ Die Gruppe war für das Tarawih-Gebet im derzeit laufenden Fastenmonat Ramadan in die Moschee gegangen. „Wir besuchen hierzu jeden Tag eine andere Moschee in Offenbach.“ Seinen Aussagen zufolge habe es bei dem Einsatz keinen Grund für Festnahmen gegeben, niemand habe Waffen oder Drogen bei sich gehabt, weshalb alle Jugendlichen auch wieder laufen gelassen worden seien. Die Beamten hätten der Gruppe jedoch nahegelegt, „besser nicht zur Presse zu gehen“.

Demo gegen Rassismus bei der Polizei in Frankfurt

Eine Sprecherin der Offenbacher Polizei bestätigte auf Anfrage unserer Mediengruppe, dass es nur zu vorübergehenden Festnahmen gekommen sei. Den Vorwurf, dass Beamte exzessive Gewalt angewendet hätten, streitet die Polizei ab. Es habe sich um eine normale und keineswegs gezielte Personenkontrolle wegen eines Einbruch-Alarms in der Gegend gehandelt. Bei der Kontrolle sei es „zu Auseinandersetzungen und Widerstandshandlungen“ gekommen. Die Sprecherin betonte, dass sich auch ein Beamter bei dem Einsatz an der linken Hand verletzt habe.

Drei Jugendliche wurden in Krankenhäusern wegen ihrer Verletzungen behandelt.

Die geschädigten Jugendlichen haben nun eine Anwaltskanzlei beauftragt, Strafanzeigen unter anderem wegen Körperverletzung zu stellen. Ihnen selbst sei es an zwei Offenbacher Polizeirevieren verwehrt worden, Anzeigen gegen die Beamten zu stellen. Die Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD) verurteilte in einer Presseerklärung noch gestern Abend die „unverhältnismäßige Polizeigewalt“. Heute Abend ist eine Demonstration in Offenbach gegen Polizeigewalt geplant.

Eingekesselte Demonstranten, Gewalt, Verletzte

Blockupy: Eingekesselte Demonstranten, Gewalt, Verletzte

In jüngster Vergangenheit sorgten sowohl Berichte über Polizeigewalt in Deutschland als auch über Gewalttaten radikaler Islamisten in Offenbach für Schlagzeilen: Anfang Juli eskalierte der Protest gegen eine Anti-Islam-Kundgebung, die Polizei nahm sieben radikale Islamisten fest. Im Juni griffen radikale Islamisten ein Fernsehteam vor einer Offenbacher Moschee an. Massive Kritik erntete die Polizei nach ihrem Einsatz bei der Blockupy-Demonstration Anfang Juni. Außerdem zeigt ein Video im Internet, wie Ende Juni vier Polizisten in Westerburg einen Mann misshandeln.

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