Polizeikontrollen in Shisha-Bars

Wasserpfeifen: Die unterschätzte Gefahr

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Das Gas entsteht durch das Verbrennen von Kohle.

Offenbach - Tanja Schäfer dreht eine zweite Runde um das Lokal. „Scheint leer zu sein. “ Die Polizeioberkommissarin und Einsatzleiterin greift zum Funkgerät, hält Rücksprache mit dem Polizeiführer. Von Fabian El Cheikh

„Wir gehen trotzdem rein, letztes Mal waren auch nur zwei Gäste da, aber der Wirt hatte die Belüftung aus, um Geld zu sparen. “ Einige Minuten später strömen – zu Fuß und im Streifenwagen, in Uniform und Zivil – Kollegen herbei, versammeln sich an der Ecke Großer Biergrund/Berliner Straße. Der erste Einsatz an diesem Abend.

Gleich mehreren Shisha-Bars (deutsch: Wasserpfeife) wollen Offenbacher Polizei, Ordnungsamt und Feuerwehr einen freundschaftlichen Besuch abstatten. Im Visier haben sie weniger Straftäter oder Wirte, die den Jugendschutz missachten. Sie überprüfen Luft – die Atemluft in Gasträumen und Küchen. „Sicherheitsoffensive“ nennt Schäfer den Einsatz, der vor allem einem Zweck dient: „Das Bewusstsein zu schärfen für die Gefahren durch Kohlenmonoxid.“

„Jungen Leute sind sich der Gefahr nicht bewusst“

Doppelt so hoch wie der als unbedenklich geltende Grenzwert von 30 ppm ist die Kohlenmonoxid-Konzentration in einer Shisha-Lounge an der Geleitsstraße.

Dieter Götz vom Offenbacher Ordnungsamt, der die Polizisten begleitet, erklärt, worum es geht: „Das nicht wahrnehmbare Gas ist hochtoxisch, ab bestimmten Konzentrationen tödlich. Es entsteht beim Verbrennen der Kohle für die Wasserpfeifen.“ Erst im Januar waren in einer Wiesbadener Shisha-Bar 13 Menschen vergiftet worden. Sie hatten das Gas eingeatmet und über Kopfschmerzen und Schwindelgefühl geklagt. „Gelangt Kohlenmonoxid in den Blutkreislauf, behindert es den Sauerstofftransport und kann zum Tod durch Ersticken führen“, betont Götz und ergänzt: „Die jungen Leute, aber auch die Wirte sind sich der Gefahr einfach nicht bewusst.“

Die Tür öffnet sich, die Beamten betreten die Bar, es beginnt laut zu piepsen. Der Gastraum ist leer, ein Angestellter springt überrascht vom Stuhl auf. Auf einem Monitor an der Wand läuft Fußball. Ein Kollege Schäfers hält seine Hand mit dem rot blinkenden Messgerät hoch in die Luft. Dieter Götz wirft einen Blick drauf: „Viel zu hoch, 70 ppm.“ Als gerade noch unbedenklicher Wert gelten 30 parts per million (Teile pro Million). „Dieser Wert darf nicht überschritten werden.“

Zeit für ein freundliches, aber bestimmtes Gespräch

Künftig mehr auf die Belüftung achten will Gökhan Afsin, der seit einem Jahr eine Bar am Großen Biergrund betreibt.

In der Küche, in der die Kohle zubereitet und die gläsernen Pfeifen mit fruchtigem Tabak und Wasser befüllt werden, wird’s richtig brenzlig: 112 ppm zeigt das Gerät. Es wird der höchste festgestellte Wert an diesem Abend sein. Zeit für ein freundliches, aber bestimmtes Gespräch mit dem Inhaber. Man kennt sich, die Einsatztruppe besucht nicht zum ersten Mal dieses Lokal. Umso mehr nimmt der Mann vom Ordnungsamt Gökhan Afsin in die Pflicht: „Ihr müsst die Belüftung anlassen, auch wenn keine Gäste da sind. Hier befindet sich eine sehr, sehr hohe Gaskonzentration in der Luft, das ist ganz gefährlich für euch!“

Tanja Schäfer schüttelt den Kopf. „Die Wirte wollen es einfach nicht einsehen. Einfach unverständlich.“ Bußgelder haben sie zwar (noch) nicht zu befürchten, bislang fehlt die gesetzliche Grundlage dafür. Der Mann vom Ordnungsamt weiß dennoch zu überzeugen. „Jetzt läuft der Maßnahmenkatalog ab.“

Raucherlokale dauerhaft lüften

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Gökhan Afsin muss Fenster und Türen öffnen. „Besonders die Oberlichter, Kohlenmonoxid ist leichter als Sauerstoff, kann deshalb gut oben ins Freie entweichen.“ Er wird es mehrmals wiederholen müssen, bis alle Fenster offen sind. In diesem Moment fährt mit Blaulicht und Einsatzhorn ein Löschzug vor. Jörg Stickler von der Feuerwehr freut sich über den anwesenden Journalisten: „Es ist ganz wichtig, dass alle erfahren, wie wichtig es ist, diese Raucherlokale dauerhaft zu lüften. Oft werden unsere Mahnungen ins Lächerliche gezogen.“ Die Feuerwehr pustet frische Druckluft ins Lokal, rasch sinken die Werte. „Wären Gäste da, hätten wir zur Sicherheit auch Rettungswagen gerufen.“

Nicht um zu bestrafen, sondern um aufzuklären, zogen am Donnerstagabend mehrere Offenbacher Polizisten, ein Vertreter des Ordnungsamts und die Feuerwehr durch die Innenstadt und kontrollierten verschiedene Lokale.

Nächste Station: Geleitsstraße. Gemütlich sitzen die Gäste in der schicken, modernen mit blau- und pinkfarbenen LED-Lichtern gefluteten Lounge an kleinen Tischen, beobachten gleichermaßen entspannt wie neugierig das plötzliche Treiben. Kurze Wortwechsel mit den Beamten. Vier junge Damen ziehen etwas verschämt lachend an zwei vor ihnen auf dem Tisch stehenden Wasserpfeifen. Der Geschmack? „Blaubeer-Minze.“ Der Trend schlägt sich auch in einer zunehmend unübersichtlichen Tabakvielfalt nieder.

60 ppm zeigt das Messgerät im hinteren Teil trotz mehrerer Lüftungssysteme, 34 in der Küche. Der Wirt versichert, noch mehr in die Belüftung zu investieren. Bereits bestellt ist eine neue Anlage in der nächsten Bar an der Wilhelmstraße. Inhaber Murat Kirtas heißt die Polizisten erfreut willkommen. „Sie sind zum vierten Mal da“, sagt er und verweist auf seine Belüftungsanlagen. Dieter Götz ist rundum zufrieden: „Hier haben die Mahnungen wirklich gefruchtet, die Gaskonzentration liegt deutlich unter dem Grenzwert.“

Rauchverbote in den Bundesländern

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Ein Erfolgserlebnis zum Abschluss – weitere Kontrollen wären unnütz. Der Voraustrupp trifft nur noch auf Bars mit offenen Fenstern und Türen. „Es hat sich herumgesprochen, dass wir unterwegs sind“, sagt Schäfer. „Feierabend für heute.“

Nach mehreren Gas-Unfällen ist eine Shisha-Bar in Wiesbaden am Freitag geschlossen worden.

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