Körperverletzung und Straßenraub

Kriminalstatistik: Mehr Delikte im öffentlichen Raum

Offenbach/Hanau - Drogen, Schwarzfahren, Straßenraub, Körperverletzung. So heißen die Sorgenkinder, die das Polizeipräsidium Südosthessen gestern bei der Präsentation ihrer Statistik für 2017 benannt hat. Ansonsten gab’s wenig zu tadeln. Von Eva-Maria Lill

Sicher. Das ist das Lieblingswort von Roland Ullmann, Leiter des Polizeipräsidiums Südosthessen. Gut für ihn und gut für die Region, dass er es gestern bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2017 oft nutzen konnte. Denn die Zahl der Straftaten in Stadt und Kreis Offenbach sowie Hanau und Main-Kinzig-Kreis ist auf ein Rekordtief gesunken. Obwohl es schon 2016 Grund zum Hutziehen gab (47.369 Fälle, minus 3,6 Prozent zu 2015), verzeichneten die Gesetzeshüter 2017 ein Minus von 4,7 Prozent (45.131). „Unsere Region ist sicher“, lobt Ullmann.

Auch die Aufklärungsquote trage dazu bei, „dass das Sicherheitsgefühl hoch ist“, sagt der Präsident. In fast zwei Dritteln der Vorfälle fassen die Beamten den Täter (64,2 Prozent, 2016: 61,5). Ullmann weist darauf hin, dass sich ein Trend nur aus Langzeitvergleichen ablesen lasse. 2004 bearbeitete das Polizeipräsidium noch über 64.000 Delikte, 176 Fälle pro Tag. Aktuell sind es 124. „Und somit täglich mindestens 52 Opfer weniger“, sagt Ullmann. Ein Beispiel für den Erfolg: Die Zahl der Tötungsdelikte sank von 41 in 2016 auf 34, 22 davon blieben beim Versuch.

Regional aufgeschlüsselt schaut die Rekordjagd so aus: In Hanau zählten die Beamten 2017 insgesamt 635 Taten weniger als 2016 (aktuell: 7 275), im Main-Kinzig-Kreis minus 681 (10.360) und im Kreis Offenbach minus 1 302 (15.509). Ausreißer ist die Stadt Offenbach, dort wurden 380 Fälle mehr registriert (11.987). Das liegt laut Ullmann an verstärkten Ticketkontrollen in Bus und Bahn. Beim „Erschleichen von Leistungen“ wurden im vergangenen Jahr 1 410 Menschen erwischt – 508 mehr als 2016.

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Kontrolle ist laut Polizeipräsident auch der Grund für den Fall-Anstieg beim Betäubungsmittelmissbrauch (plus 515 in der Region). Anlass zum Grübeln gibt ein Mehr beim Straßenraub (plus 30 Fälle auf 204 in der Region) und bei Körperverletzungen auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen. In den Kreisen ist diese Zahl zwar gesunken (MKK minus zehn auf 117; Kreis Offenbach minus 22 auf 143), in den Städten sieht es anders aus. In Offenbach gab es 19 Prozent mehr solcher Taten (143), in Hanau 33,8 Prozent (107).

„Wir nehmen diese Entwicklung ernst“, verspricht Ullmann. In Offenbach habe das Präsidium keinen Brennpunkt feststellen können, in Hanau spiele sich das meiste am Freiheitsplatz und rund um Schloss Philippsruhe ab. „Wir zeigen Präsenz“, sagt Ullmann. „Immer mehr Menschen leben in Städten, und wo es mehr Menschen gibt, gibt es mehr Opfer“, begründet er den Anstieg. Von der Statistik nicht gestützt werde übrigens die Angst, dass vor allem Flüchtlinge solche Taten verüben. „Es ist vielmehr ein allgemeiner Trend“, erläutert der Polizeipräsident.

Besonders erfreulich sei, dass es im vergangenen Jahr gut 440 Wohnungseinbrüche weniger gegeben habe als 2016 (aktuell 1 260). „Das zeigt, dass unsere Präventionsangebote greifen.“

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Augenmerk auf Tatvermeidung will die Polizei in Zukunft auch bei Enkeltrickbetrug (2017: 100 Versuche, zehn Vollendungen) und „falschen Polizisten“ (141 Versuche, sechs Vollendungen) legen. Denn: Die Bevölkerung wird älter und es gibt immer mehr Täter, die daraus Profit schlagen wollen, sagt der Präsident. „Das Thema wird uns noch beschäftigen“, wagt er einen Blick in die Zukunft.

Rubriklistenbild: © dpa

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