Subjektives Gefühl ist unerheblich

Polizei-Statistik Offenbach: Ein Unfalltoter und weniger Zusammenstöße

An der Einfahrt in den Geisfeldkreisel ereignen sich weiterhin Auffahrunfälle, obwohl seit 2015 die Verkehrsführung geändert ist. Wer auf der jeweils rechten von zwei Spuren bleibt, wird gezwungen, an der nächsten Ausfahrt abzufahren. Foto: Kuhn
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An der Einfahrt in den Geisfeldkreisel ereignen sich weiterhin Auffahrunfälle, obwohl seit 2015 die Verkehrsführung geändert ist. Wer auf der jeweils rechten von zwei Spuren bleibt, wird gezwungen, an der nächsten Ausfahrt abzufahren. Foto: Kuhn

Es sind Zahlen gegen den Trend: In Offenbach verzeichnete die Polizei im vergangenen Jahr 2 034 Unfälle – 95 weniger als im Jahr zuvor. Dabei kam ein Mensch ums Leben (2018: 4), 516 Personen (556) wurden verletzt.

Offenbach - Zum Vergleich: Die Zahl der polizeilich aufgenommenen Verkehrsunfälle, die sich im gesamten Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Südosthessen ereignet haben, liegt mit 14  667 Fällen leicht über den Zahlen des Vorjahres.

Tragisch endete am 22. Juni 2019 der Zusammenstoß zwischen einem 22-jährigen Golf-Fahrer und einem 70-jährigen Radler. An der Ecke Krafftstraße zur Bismarckstraße übersah der Fahrradfahrer offensichtlich das Verkehrszeichen „Vorfahrt gewähren“ und fuhr in den Einmündungsbereich ein. Trotz Notbremsung des Volkswagens kam es zu einer Kollision beider Verkehrsteilnehmer. Der Radfahrer wurde dabei so schwer verletzt, dass er kurze Zeit später im Krankenhaus gestorben ist.

Ist der Unfall ein Indiz dafür, dass Radfahrer in Offenbach besonders gefährdet sind? Das lässt sich so nicht ohne weiteres belegen oder wiederlegen, zumal oft das subjektive Gefühl eine wichtige Rolle spielt. Die nackten Zahlen der Polizei zeigen lediglich, dass die Zahl der verunglückten Personen, die mit dem Velo unterwegs waren, zurück gegangen ist. 2019 wurden 14 Radler schwer, 89 leicht verletzt (2018: 17/96, 2017: 26/126). Bei den Fußgängern sieht es wie folgt aus – 2019: 19/49, 2018: 15/70, 2017:16/62), zahlenmäßig bilden Autofahrer die größte Gruppe – 2019: 9/255, 2018: 12/252, 2017: 14/265).

Der Drei-Jahres-Zeitraum ist für Statistiker wichtig. Ereignen sich in 36 Monaten an einer Stelle drei Unfälle mit Toten oder Schwerverletzten, spricht die Polizei von Unfallhäufigkeitspunkten, die Laien von Unfallschwerpunkten. Als ein solcher wird eine Kreuzung, eine Einmündung oder eine Straße auch eingestuft, wenn innerhalb eines bestimmten Zeitraums immer wieder der gleiche Unfalltyp registriert wird – beispielsweise die Missachtung einer Rechts-vor-Links-Regelung. Ist das der Fall, setzt das die Polizei umgehend auf die Agenda der regelmäßigen Treffen mit der Stadt, um gegebenenfalls Veränderungen vorzunehmen.

Die Unfallschwerpunkte verteilen sich (siehe Karte) aufs gesamte Stadtgebiet.

  • Spessartring, vor der Baustelle des neuen Präsidiums = Fehler beim Fahrstreifenwechsel
  • Kreuzung Untere Grenzstraße/Mühlheimer Straße
  • Kreuzung Bieberer Straße/Bundesstraße 448
  •  Bleichstraße/Friedrichstraße = Unfallhäufungsstelle mit Radfahrern
  • Waldstraße/Geleitsstraße/Marktplatz = 3-Jahres-Zeitraum: drei Unfälle verschiedenen Typs mit jeweils einem Schwerverletzten
  • Waldstraße/Hessenring/Friedrichsring = Nichtbeachten des Rotlichts an der Ampel
  • Geisfeldkreisel Einfahrt aus Richtung Offenbach = Auffahrunfälle
  • Taunusring/Sprendlinger Landstraße = Auffahrunfälle aus Richtung Autobahn 661
  • Buchrainweg/Isenburgring = Rechts-vor-links-Verstoß
  • Senefelderstraße 135 bis 147 (zwischen Odenwald- und Starkenburgring) = Abfahren der Außenspiegel von geparkten Fahrzeugen
  • Sprendlinger Landstraße kurz vor Geisfeldkreisel = fünf Wildunfälle
  • Kaiserleikreisel:- Baustellenunterführung unter der A 661 = Klingelgerüst von zu hohen Lastwagen ausgelöst
  • Wildhofkreuzung: 3-Jahreskarte = vier Unfälle unterschiedlichen Typs, jedoch mit Schwerverletzten.
Die von der Polizei genannten Unfallhäufigkeitsstellen verteilen sich über das gesamte Stadtgebiet. Auf diesem Kartenausschnitt ist nicht der Geisfeldkreisel zu sehen, wo es im vergangenen Jahr ebenfalls mehrmals gekracht hat. Karte: mk / mapcreator

Aber warum kracht es überhaupt? Im Zuständigkeitsbereich des Präsidiums sind die Geschwindigkeitsunfälle im vergangenen Jahr um 247 auf 1 382 angestiegen. Heißt: Überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit ist nach wie vor eine der Hauptursachen für schwere Unfälle – allerdings nicht in einer Großstadt. Hier beult sich das Blech vor allem aufgrund von Vorfahrtsverstößen, beim Rückwärtsfahren und Wenden. Oder es lässt sich nicht eindeutig sagen. Die häufigste Unfallursache lautet daher: Sonstiges.

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