Positive Zwischenbilanz

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Weniger Kundschaft ist bei der Mainarbeit kein Grund für Ärgernis, sondern erwünscht: Die Zahl der Hilfeempfänger ist rückläufig.

Offenbach - Gute Nachrichten von der Berliner Straße: Zum einen geht laut Hartz-IV-Agentur Mainarbeit die Zahl der Langzeitarbeitslose n in Offenbach weiter zurück. Von Fabian El Cheikh

Zum anderen ist die Umwandlung der Mainarbeit in ein kommunales Jobcenter weitgehend vollzogen. „Aus unserer Sicht läuft der Betrieb jetzt wesentlich besser“, zieht Geschäftsführer Dr. Matthias Schulze-Böing eine erste Zwischenbilanz.

Wie berichtet ist die Stadt seit Jahresbeginn eine sogenannte Optionskommune und damit eigenständig verantwortlich für die Betreuung der Hartz-IV-Empfänger. Um sie kümmert sich nicht mehr die Agentur für Arbeit, sondern die Mainarbeit, die für ihre Aufgabe als kommunales Jobcenter neue Räume an der Berliner Straße bezogen hat.

Urlaubssperre und Überstunden

Während für die Kunden ein Großteil der Abläufe und der Organisation nach der Umstellung gleich geblieben sind, hat sich für die Angestellten einiges geändert. Schulze-Böing: „Die ersten drei Monate des Jahres ging es ziemlich heiß her, mussten zeitweise eine Urlaubssperre und Überstunden in Kauf genommen werden.“

Vor allem mit dem neuen IT-System, das dauerhaft die Verwaltung der Leistungen vereinfachen soll, gab es anfangs einige Probleme. „Wir mussten sehr viel händisch einpflegen und verzeichneten Einschränkungen in kurzen Zeitfenstern“, lässt sich Schulze-Böing entlocken. Dass die Bearbeitung von Anträgen und Auszahlungen in größerem Umfang verspätet erfolgt seien, will der Geschäftsführer nicht bestätigen. Im Gegenteil: „Wir haben Probleme sehr offensiv unseren Kunden gegenüber kommuniziert und verzeichnen im ersten Halbjahr einen Rückgang von Widersprüchen und Beschwerden um ein Drittel gegenüber dem Vorjahr.“

Auch der Zeitplan für die Umstellung sei exakt eingehalten worden, das vom Bund und Kommune zur Verfügung gestellte Budget in Höhe von zirka 760.000 Euro – von denen der Bund 85 Prozent trägt – nur zu knapp 80 Prozent in Anspruch genommen worden.

Offenbach steht gut da

Zu der aus eigener Sicht erfolgreichen Umstellung gesellen sich auch Zahlen, die angesichts der anhaltenden europäischen Finanz- und Wirtschaftskrise für Genugtuung sorgen dürften: So zählte die Mainarbeit zur Jahresmitte nur noch 11.913 erwerbsfähige Leistungsberechtigte in 8305 Bedarfsgemeinschaften zu ihren Kunden, ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr um 4,1 beziehungsweise 4,4 Prozent.

Für Schulze-Böing ein gutes Zeichen: „Der Rückgang in der Stadt war erkennbar größer als in Hessen (minus 3,5 beziehungsweise 2,4 Prozent).“ Doch nicht nur das: Auch im regionalen Vergleich von zwölf in Bezug auf den Arbeitsmarkt ähnlich strukturierten westdeutschen Großstädten steht Offenbach gut da. „Dort betrug der Rückgang im Jahresvergleich nur 2,7 beziehungsweise 2,3 Prozent“, betont Schulze-Böing. Damit habe sich der schon im Vorjahr sichtbare Trend eines allmählichen Rückgangs der Hilfebedürftigkeit in der Stadt bei gleichzeitig wachsender Bevölkerung fortgesetzt.

Noch ausgeprägter ist der Rückgang jener Menschen, die offiziell als arbeitslos gelten: Deren Zahl ging um 10,5 Prozent auf insgesamt 3863 zurück (Hessen: minus 5 Prozent). Weitere 1800 Menschen befinden sich derzeit in Maßnahmen zur Vermittlung in eine Arbeitsstelle, 1400 sind aufgrund anderer Umstände, etwa Krankheit oder Kinderbetreuung, nicht verpflichtet, bezahlte Arbeit auszuüben.

Verhalten optimistisch der zweiten Jahreshälfte entgegen

Zurück ging auch die Zahl der Langzeitleistungsbezieher (siehe Grafik). Mit dem Rückgang der Kundenzahl ist auch die Summe gesunken, welche die Mainarbeit zur Unterstützung Leistungsberechtigter zu zahlen hat (minus 3,7 Prozent)

Entwicklung der Zahl der Langzeitleistungsbezieher.

Für die zweite Jahreshälfte ist Schulze-Böing verhalten optimistisch: „Die Grundsicherung reagiert in der Regel mit Verzögerung und mit geringeren Ausschlägen auf die allgemeine Entwicklung des Arbeitsmarkts. Wir zählen ja nicht nur Arbeitslose, sondern auch Erwerbstätige mit Niedrigeinkommen, Schüler und andere Gruppen, die nicht direkt für den Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, zu unseren Kunden.“ Dennoch rechne er mit weiter rückläufigen Zahlen.

Gespannt sind die Arbeitsvermittler darauf, wie sich die Insolvenz von Neckermann auswirken wird. „Das Unternehmen hat viele Beschäftigte aus Offenbach. Wie sich ihre Situation entwickelt, können wir noch nicht sagen.“ Die Schlecker-Pleite hingegen habe keine große Rolle gespielt. „Deren Mitarbeiter haben nicht schlecht verdient und bekommen Arbeitslosengeld I. Aufgrund ihrer meist guten fachlichen und persönlichen Qualifikation sind die Chancen gut, dass sie schnell einen neuen Arbeitsplatz finden“, sagt Schulze-Böing.

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