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Postbank macht krankem Mann das Leben schwer: Er ist vier Wochen ohne Geld

Wenig Einfühlungsvermögen: Postbankmitarbeiter ließen hier den parkinsonkranken Olaf Seiwert ewig warten, helfen konnten sie dann aber nicht.
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Wenig Einfühlungsvermögen: Postbankmitarbeiter ließen in Offenbach den parkinsonkranken Olaf Seiwert ewig warten.

Ein Mann geht zur Postbank in Offenbach, um Geld abzuheben. Doch seine EC-Karte streikt. Auch Mitarbeiter können dem Parkinsonkranken nicht helfen.

Offenbach – Es ist kurz vor Ostern, als Olaf Seiwert bei seiner Hausbank, der Postbank, Geld ziehen will. Doch seine EC-Karte streikt. Seiwert kann sich das nicht erklären, Geld ist auf dem Konto vorhanden. Er wendet sich an die Hotline, um die Sache aus der Welt zu schaffen. Doch dort eröffnet man ihm, dass er selbst schuld sei. Er habe seine persönlichen Daten nicht online bestätigt. Seine Karte sei deshalb gesperrt – aus Sicherheitsgründen.

Für Seiwert nicht nachvollziehbar. „Ich bin seit vielen Jahren Kunde, habe immer dieselbe Karte gehabt und musste niemals meine Identität online bestätigen.“ Seiwert versucht das den Hotlinemitarbeitern klar zu machen. Aber keine Chance. Stattdessen wird er angewiesen, eine Filiale der Postbank aufzusuchen, nur dort könne man ihm helfen.

„Ich hab das so hingenommen“, berichtet Seibert. Der Mann leidet an Parkinson. Dennoch macht er sich auf den beschwerlichen Weg und versucht, in der Filiale an der Waldstraße vorstellig zu werden. „Die haben mich da aber eiskalt warten lassen“, sagt Seiwert. Geschlagene 30 Minuten später hört sich ein Mitarbeiter dann endlich sein Problem an – und erklärt, dass er nichts tun könne. „Da war ich sauer“, sagt Seiwert. „Ich habe mich herumgeschickt gefühlt, keiner wollte mir helfen.“ Er braucht mittlerweile dringend Geld, um Lebensmittel kaufen zu können.

Postbank in Offenbach: „Ich habe das Konto seit zig Jahren und es hat immer funktioniert.“

Stattdessen rät ihm der Mitarbeiter, eine neue EC-Karte zu beantragen. „Aber für was denn?“, fragt Olaf Seiwert aufgebracht. „Ich habe das Konto seit zig Jahren und es hat immer funktioniert.“ Seiwert fügt sich dennoch erneut seinem Schicksal, ordert die Karte, wie ihm geheißen. Tage später liegt sie im Briefkasten. Seiwert ist erleichtert, doch bei der ersten Benutzung ist klar: Sie funktioniert auch nicht.

Als die Redaktion bei Postbanksprecher Hartmut Schlegel nachhakt, kommt urplötzlich Schwung in die Causa Seiwert. „Wir haben uns in aller Form bei ihm entschuldigt und alle noch offenen Fragen geklärt.“ Übergangsweise sei ihm eine Karte freigeschaltet worden.

Dennoch verweist Hartmut Schlegel auf die Vorschriften. „Als Bank sind wir rechtlich verpflichtet, Kunden regelmäßig und anlassbezogen auf die Aktualität ihrer Daten zu überprüfen.“ Olaf Seiwert sei dem aber nicht nachgekommen. Die Karte wurde deshalb gesperrt.

Postbank entschuldigt sich bei Parkinsonkranken aus Offenbach

In der weiteren Bearbeitung sei es dann aber zu Fehlern auf Seiten der Postbank in Offenbach gekommen. Diese hätten dazu geführt, dass neue Karten geordert wurden, anstatt seine vorhandene zu entsperren. „Auch die Behandlung, die Herr Seiwert bei seinem Filialbesuch erfahren musste, entsprach in keiner Weise unserem eigenen Anspruch an Servicequalität und Kundenorientierung. Wir haben uns dafür bei Herrn Seiwert entschuldigt.“

Zwar hat am Ende auch die vom Postbanksprecher übergangsweise freigeschaltete EC-Karte den Dienst verweigert. Für Seiwert aber nur eine Randnotiz. Mittlerweile hat er nämlich ein ganz neues Exemplar zugeschickt bekommen – und sie funktioniert. (Christian Reinartz)

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