Einblicke in die Postfiliale am Aliceplatz 10

Wartezeiten nicht über zehn Minuten

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Patrick Uhlein leitet seit Oktober das Postbank-Finanzcenter am Aliceplatz 10. An die alten Zeiten des Postgebäudes erinnert unter anderem diese Nachbildung eines historischen Briefkastens.

Offenbach - 24 Tage bis Weihnachten. Hausnummern von 1 bis 24. Zwei Dutzend Türen für unseren Adventskalender 2014: Die öffnen wir jeden Tag bis Heiligabend und stellen vor, was oder wer sich dahinter verbirgt. Von Veronika Schade

Menschen, Einrichtungen, Produkte, kleine Geheimnisse, Alltägliches, Adventliches. Die meisten Offenbacher betrachten es traditionell als ihre Post – das klassizistische Gebäude am Aliceplatz 10. Auch wenn heute das typische Posthorn unter den anderen Logos ein wenig untergeht. Schließlich handelt es sich nicht mehr ausschließlich um eine Postfiliale, sondern primär um ein Postbank-Finanzcenter, das neben den Finanzleistungen zusätzlich Leistungen der Post anbietet. „Das Kerngeschäft aber ist schon seit langem das Bankgeschäft“, stellt Filialleiter Patrick Uhlein klar.

So können dort zwar nach wie vor Briefmarken gekauft, Briefe und Pakete aufgegeben werden, aber nicht mehr abgeholt. Dafür sind andere Filialen zuständig. Dass die Adresse am Aliceplatz trotzdem als Offenbacher Hauptstelle der Post wahrgenommen wird, hat einen guten Grund – sie war es mehr als ein Jahrhundert lang. Das sandsteinfarben-weiße Haus wurde eigens für diesen Zweck erbaut. Im Jahr 1883 stellte die Kaiserliche Ober-Post-Direction Darmstadt einen Antrag auf den Bau eines Post- und Telegraphengebäudes, das bereits ein Jahr später fertiggestellt und bezogen wurde. „Kaiserliches Postamt“ prangte in großen Lettern über dem Hauptportal. 1902 erfolgte eine erste Erweiterung. Dieser Gebäudeteil wurde aber 1975 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Ein weiterer Ausbau schloss sich im Jahr 1925 mit der Errichtung des dritten Obergeschosses in stilistisch angepassten Formen an. Das Gebäude steht heute unter Denkmalschutz.

Gebäude leider nicht behindertengerecht

Das ist der Grund, warum Umgestaltungen nicht ohne weiteres möglich sind. Zum Beispiel beim Thema Barrierefreiheit. „Das Gebäude ist leider nicht behindertengerecht. Wir dürfen nicht einfach so eine Rampe installieren“, bedauert Uhlein. So komme es vor, dass die Mitarbeiter nach draußen zu den im Rollstuhl sitzenden Kunden kommen. Aber Verbesserungen seien vorgesehen.

Im grünen Bereich sind dagegen die Wartezeiten. Obwohl sich schon mal längere Schlangen bilden können, muss niemand länger als zehn Minuten warten. Das ergab ein anonymes „Testkunden-Messverfahren“, das neben der Bewertung dazu dient, die Abläufe in den Filialen zu verbessern. Wie viel Kunden am Tag in die Filiale kommen, wird anhand der Transaktionen berechnet, welche die Kasse aufzeichnet. „Jetzt in der Vorweihnachtszeit sind es bis zu 1500 Transaktionen am Tag“, berichtet der Filialleiter.

Zusätzlich zu den 13 festen und 14 freiberuflichen Mitarbeitern stellt er in dieser traditionell arbeitsintensiven Zeit zusätzliche Aushilfen ein. In den 33 Paketzentren deutschlandweit werden an gewöhnlichen Tagen etwa 3,4 Millionen Päckchen am Tag aufgegeben. „Vergangenes Jahr waren hatten wir unser bislang bestes Weihnachtsgeschäft“, sagt Post-Sprecher Stefan Heß. „An einem Tag waren wir nah an der Acht-Millionen-Marke. Dieses Jahr knacken wir sie vielleicht.“

Das Internet ist für die Post Fluch und Segen zugleich. Die Paketsparte boomt dank des Onlinehandels, während der Briefverkehr wegen des Siegeszugs der E-Mail deutlich weniger geworden ist. Jedenfalls sei das typische Weihnachtspaket, erzählt Heß, kaum noch liebevoll und bunt verpackt, sondern trage das Logo eines großen Internet-Versandhandels.

Die Päckchen und Briefe, die am Schalter am Aliceplatz 10 abgegeben werden, landen erst in der hauseigenen Sammelstelle. Am Ende des Tages kommt ein Kurier und bringt sie ins Paketzentrum Rodgau oder Briefzentrum an der Sprendlinger Landstraße.

Am Schalter gearbeitet hat auch Uhlein. Der 32-Jährige, der seit Oktober die Filiale leitet, absolvierte eine Ausbildung beim Briefdienst, bevor er eine kaufmännische Ausbildung bei der Post begann. Mit Querschulungen wurde er zum Postbanker, studiert jetzt nebenberuflich BWL. „Man muss breit aufgestellt sein“, findet der gebürtige Offenbacher, der 2008 am Aliceplatz als Kundenberater anfing. Und die Mentalität der Offenbacher kennt, gerade der älteren. „Für sie ist und bleibt das hier immer das Postamt“, sagt er und lächelt.

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