Großer Triumph der Sänger

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Viel Farbe brachten die grüngewandeten „Aaascher Schnooke“ auf die Bühne. Sie zeigten bei der Fremdensitzung der Postkutsche schwungvollen Gardetanz mit originellen Choreographien und interessanten Formationen.

Offenbach ‐ Ein verändertes Konzept und ein neuer Ort: Der Karnevalclub (KC) Postkutsche hat sich von seinen ausgesprochen vergnüglichen und temporeichen Mottositzungen wie „Geisterschloss“ oder „Wilder Westen“ mit Showprogramm im Bieberer Pfarrheim verabschiedet. Von Simone Weil

Das Stammpublikum wollte mal wieder eine klassische Fremdensitzung, kündigte Programmgestalter Michael Brand an. Im Kolpinghaus fand dementsprechend eine traditionelle Veranstaltung statt. Regelmäßige Besucher ähnlicher Sitzungen erkannten in den meisten Büttenrednern alte Bekannte: Etwa Jürgen Kofink vom Gemaa Elfer, der als Protokoller immer das vergangene Jahr kritisch unter die Lupe nimmt.

Die Sitzung in Bildern:

Fremdensitzung der Postkutsche

Diesmal hatte er manches Thema im Gepäck, das an sich wenig Komisches beinhaltet. Vom Afghanistaneinsatz bis zum Zölibat packte er lauter heiße Eisen an. So reimte er zu Dioxin-Funden in Lebensmitteln: „Was die Bürger wirklich wolle, das ist 'ne richtige Kontrolle.“ Oder zu Stuttgart 21: „Mit Wasserwerfer und Tränengas so mancher den Verstand vergaß.“

Auch Eberhard Wernig, die Heulsuse mit Klopapierrolle auf dem Kopf, durfte nicht fehlen. Er beklagte sich wieder einmal über seine Frau: „Diese blöde Liebe auf den ersten Blick. Ich hätt' doch nie geheirat', wenn ich zweimal hingeguckt hätt‘.“ Darüber hinaus lieferte er einen tollen Diätvorschlag: „Mir mache jetzt Trennkost. Sie isst in der Küche, ich in der Wohnstubb.“

Der dritte gewohnte Auftritt war der von Bodo alias Charly Engert. Er sinnierte übers Leben: „Lieber Himbeergeist als gar kein Verstand.“ Er erinnerte sich an den Pelzmantel seiner Mutter, den er als Kind folgendermaßen kommentiert hatte: „Was muss des arme Vieh gelitten haben.“ Für diese Bemerkung setzte es um ein Haar eine Tracht Prügel. Denn auf einmal hieß es: „Wie sprichst du über deinen Vater...“

Petra Klein und Werner Konrad von der Freiwilligen Feuerwehr Heusenstamm waren als Florian-Duo in der Bütt. Der große Mann fragte, ob sie eine Bauernregel kenne. Die kleine Frau ließ sich nicht lumpen und konterte: „Cremen sich die Schweine ein, muss ein heißer Sommer sein.“ Er wollte ihr Grammatik beibringen: „Er, sie, es badet. Welche Zeit ist das?“ Die Antwort kam wie aus der Pistole geschossen: „Samstagnachmittag!“

Schräg und laut: die Bläserformationen

Zwischen den Wortbeiträgen unterhielten Ilka Kolbeck vom TGMSV Jügesheim mit einem schwindelerregenden Solotanz und das Männerballett der SG Wiking mit halbnackten Tatsachen dank Stringtangas und Netzstrümpfen, die zum Vorschein kamen, nachdem die Herren ihr Nonnenkostüm abgeworfen hatten. Selbstverständlich besuchte auch das Prinzenpaar die Postkutsche: Mit Herbert II. und Sabine I. samt Hofstaat wurde es recht eng auf der Kolpingbühne. Man kam sich so nah, dass Ministerpräsident Simon Isser die Fasanenfedern der Prinzenkappe im Gesicht hatte.

Auch die Freunde von Schunkelmusik und Partyfegern kamen nicht zu kurz. Gruppen wie die Randstaa Jodler sind aus der lokalen Fassenacht nicht mehr wegzudenken. Das Trio besingt mit eigenen Texten die „Ebbelbrüh“ oder „Eng sind die Hosen“ und schafft schnell Stimmung.

Immer gut, weil schräg und laut, sind große Bläserformationen wie die Pitschedapper der Fechemer Dutte. Mit ihrer Version von Schmachtfetzen wie „Piccola E Fragile“ von Nino de Angelo und einem Udo-Jürgens-Medley ging im Narrenbau an der Luisenstraße die Post ab.

Eine mindestens ebenso gute Atmosphäre zauberte eine Gruppe junger Männer (sieben plus einer an der Gitarre) in den Saal. Die Giesemer Trottwa Lersche halfen den Zuschauern mit ihrem „Rambazamba“ auf die Beine, anmierten zum Klatschen und Hüftenschwingen. Auch ihr Lied über die verbotene Stadt („sie kimmt aus Sachsenhause“) brachte ihnen Lacher ein. Und dass Stücke wie „Hammer noch mehr da“ zur Melodie von „Guantanamera“ jede Menge Zugaben provozieren, war von Anfang an klar.

Dem war kaum noch etwas hinzuzufügen. Deswegen war es höchste Zeit, dass Sitzungspräsident Michael Brand seinen Platz im Elfer verließ, um als Zirkusdirektor zum Lied „Jetzt geht‘s los“ von De Höhner die Offebacher Staaaabinner vorzustellen. Bei der Premiere der Formation schmetterte er noch lange Hit auf Hit mit dem Frauenchor.

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