Kerstin Kohlmetz steht an der Spitze der Bundespolizei am Frankfurter Flughafen

Präsidentin mit Herz für Offenbach

Kerstin Kohlmetz Präsidentin der Bundespolizei vor Einsatzwagen
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Eine Terminalräumung wäre ihr lieber gewesen: Für Kerstin Kohlmetz ist Corona die größte Herausforderung.

Sie gehört zweifellos zu den Offenbachern mit den spannendsten und verantwortungsvollsten Jobs überhaupt: Kerstin Kohlmetz ist Präsidentin der Bundespolizei-Direktion am Frankfurter Flughafen – und damit Chefin über fast 2600 Mitarbeiter am zentralen Drehkreuz Europas.

Offenbach - Eine Karriere, die für die 50-Jährige „mit Leistung, aber auch mit Glück zu tun hat“, hatte sie doch zunächst ganz andere Berufspläne. „Ich studierte Jura, merkte aber dabei, dass Anwältin zu sein nicht das ist, was ich mir vorgestellt habe und jahrelang machen möchte.“ Das Studium abzubrechen, kam nicht infrage. So suchte sie nach anderen Möglichkeiten, sich mit einem Jura-Abschluss einzubringen. „Der Bundesgrenzschutz hatte damals einen hohen Bedarf an Seiteneinsteigern, also bewarb ich mich ganz unbedarft.“ Sie bekam eine Zusage, absolvierte zusätzlich eine einjährige Polizeiausbildung und trat danach ihre erste Stelle als stellvertretende Abteilungsführerin in Bayreuth an.

Es folgten weitere Stationen in Berlin und Stuttgart, ein Jahr lang leitete sie das Deutsche Polizeikontingent der europäischen Rechtsstaatlichkeitsmission EULEX im Kosovo. „Die Arbeit bei einer Bundesbehörde bringt häufige Umzüge mit sich, gerade im höheren Dienst muss man mit dem Dienstort flexibel sein“, weiß Kohlmetz. Umso glücklicher ist sie, als von 2005 bis 2012 am Frankfurter Flughafen eingesetzt wird. Als sie 2019 das Angebot bekommt, dort die höchste Funktion anzunehmen – die der Präsidentin, zögert sie keine Sekunde: „Ich war selbst wohl am meisten überrascht. Noch dazu an meiner absoluten Traumdienststelle.“

Nicht zuletzt deshalb, weil sie damit in die Stadt zurückkehren konnte, an der ihr Herz hängt – Offenbach. „Geboren bin ich zwar in Oberbayern, aber als ich zwölf war, sind wir nach Offenbach gezogen“, erzählt sie. Ihren Vater verschlug es beruflich nach Frankfurt, daher ließ die Familie sich im „Speckgürtel“ nieder. Noch heute leben hier ihre Freunde und Familie. „Daher war mir klar, dass mein Lebensmittelpunkt in Offenbach liegen soll“, sagt sie lächelnd. Kleine Frotzeleien von Frankfurter Kollegen bleiben nicht aus, aber die nimmt sie mit Humor: „Ich bin dankbar, stundenweise in der Enklave Frankfurt arbeiten zu dürfen, um danach wieder nach Offenbach zu kommen.“

Der Flughafen der Mainmetropole ist für sie der interessanteste und vielfältigste Einsatzort der Bundespolizei. „Es ist die einzige Dienstelle, die nur für eine Örtlichkeit zuständig ist, eng verzahnt mit der Fraport und den Airlines. Es sind so viele Räder, die ineinandergreifen müssen, damit alles funktioniert, das ist faszinierend.“ Auch sei seine Bedeutung als Weltflughafen immens. Wenn etwas schief gehe, könne es internationale Auswirkungen haben – und zum Politikum werden. „Es ist ein riesiger Druck, dem muss man sich gewachsen fühlen. Entweder man liebt es, oder man hasst es“, sagt sie. Ihre Position sei Fluch und Segen zugleich und kein ruhiger Job, der von jedem gern genommen würde.

Als bisher größte Herausforderung nennt sie die Bewältigung der Corona-Krise. „Als ich 2019 ins Amt gekommen bin, reisten hier bis zu 240 000 Passagiere am Tag. Das Leben pulsierte, es war ein prosperierender Ort.“ Von einem Tag auf den anderen sei der Flughafen förmlich in sich zusammengefallen. „Das hätte ich mir niemals vorstellen können. Es hat uns kalt erwischt.“ Abläufe mussten kurzfristig angepasst werden, innerorganisatorisch, aber auch im Umgang mit Reisenden. „Wer durch eine Festnahme Körperkontakt hatte, musste in Quarantäne geschickt werden.“ Die Informationslage sei diffus gewesen, viele Kollegen hätten Sorgen und Ängste. „Wir haben ja eine Fürsorgepflicht. Es sind nicht nur Polizisten, sondern Menschen, Väter und Mütter.“

Wo Kapazitäten frei wurden, weil im menschenleeren Flughafen weniger Personal gebraucht wurde, unterstützen die Bundespolizisten die Kollegen in anderen Direktionen oder der Landespolizei. Vor allem bei Corona-Kontrollen – auch in Offenbach. Wobei die Kriminalität am Flughafen selbst nicht abgenommen habe: „Unsere Klientel reist weiter“, sagt Kohlmetz. Die häufigsten Straftaten: unerlaubte Einreise, unerlaubter Aufenthalt und Urkundenfälschung.

Für jegliche Ereignisse gebe es Konzepte, nach denen vorzugehen sei, doch Corona sei eine völlig neue Situation gewesen, auf die alle haben Antworten finden müssen. „Da hätte ich lieber eine Terminalräumung gehabt“, so die Präsidentin augenzwinkernd. Allmählich steigen die Fluggastzahlen wieder. „Es herrscht spürbar Aufbruchsstimmung.“ Gerade neue, junge Kollegen müssten sich nun erst daran gewöhnen, wenn plötzlich eine große Menschenmenge am Schalter auf sie zukommt.

Sie freut sich auf mehr Normalität, fürchtet sich nicht vor Hektik. Denn sie weiß, wie sie am besten entspannen kann: beim Sport oder unterwegs im Wald – in ihrer Wahlheimat Offenbach...

Von Veronika Schade

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